Strategische Kehrtwende der USA und Israels im Libanon: Von der Entwaffnung der Hisbollah zum Druck auf direkte Verhandlungen zwischen Beirut und Tel Aviv
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Strategische Kehrtwende der USA und Israels im Libanon
ParsToday – Nach dem Scheitern westlicher Bemühungen, die Hisbollah zu entwaffnen, und angesichts des anhaltenden Widerstands der libanesischen Widerstandsbewegung haben die USA und Israel ihren Fokus geändert: Statt auf die Schwächung der Hisbollah setzen sie nun darauf, die libanesische Regierung zu direkten Verhandlungen mit dem zionistischen Regime zu drängen.
Die jüngsten politischen Entwicklungen im Libanon zeigen eine deutliche Veränderung in der Sprache und den Zielen der US-Gesandten in Beirut. Während das Mandat von Tom Barrack, dem US-Sondergesandten für Libanon, ursprünglich auf die Entwaffnung der Hisbollah konzentriert war, richtet sich die Politik Washingtons nun auf „direkte Gespräche zwischen Libanon und Israel“. Dieser Kurswechsel, begleitet von den zunehmend moderaten Positionen der Regierung Joseph Aoun, könnte den politischen und sicherheitspolitischen Kurs des Landes grundlegend verändern – und birgt nach Ansicht vieler Beobachter das Risiko einer schrittweisen Normalisierung der Beziehungen zu Israel.
Vom Widerstand der Hisbollah zur Rückzugstendenz der Aoun-Regierung
Seit dem Amtsantritt von Präsident Joseph Aoun im Januar war einer seiner ersten Schritte der Versuch, einen Plan zur Entwaffnung der Hisbollah durch das Kabinett zu bringen. Trotz des massiven Widerstands schiitischer Minister und breiter gesellschaftlicher Warnungen wurde dieser Plan unter starkem Druck der USA und Israels verabschiedet. Die Hisbollah betonte jedoch mit Nachdruck, dass sie an ihren Waffen festhalte. Scheich Naïm Qassem, einer der führenden Vertreter der Bewegung, warnte sogar vor der Gefahr eines Bürgerkriegs, sollte dieser Druck anhalten.
Die Widerstandsbewegung machte ihre Haltung auch durch symbolische Aktionen deutlich – etwa durch Militärparaden und Veranstaltungen zum Gedenken an den Märtyrertod von Sayyed Hassan Nasrallah. Die Botschaft war unmissverständlich: „Die Entwaffnung des Widerstands ist eine rote Linie. “
Die wachsende Bereitschaft Beiruts zur Annäherung an Tel Aviv
Nach dem Scheitern der Entwaffnungspläne begann die Regierung Aoun, ihre Position zu verändern. Auf der Dringlichkeitssitzung in Katar sprach sich Joseph Aoun für einen „arabischen Frieden“ aus und erklärte seine Bereitschaft, mit Israel in Dialog zu treten. Diese Haltung verdeutlicht die wachsende Bereitschaft Beiruts, sich den Forderungen Washingtons und Tel Avivs anzupassen.
Kürzlich erklärte Aoun offen, dass „direkte Verhandlungen mit Israel die einzige Option für den Libanon“ seien. Der bekannte arabische Analyst Abdel Bari Atwan bezeichnete diese Haltung als „übereilte Zugeständnisse“ und kritisierte sie als Belohnung für Israels Verbrechen und wiederholte Verstöße gegen die Waffenruhe auf libanesischem Territorium. Atwan warnte, dass solche Gespräche den Weg zur Normalisierung der Beziehungen mit dem zionistischen Regime ebnen könnten – insbesondere nachdem Israel beim Versuch, die Hisbollah zu entwaffnen, gescheitert sei und nun auf anderem Wege politische Vorteile suche.
Das Modell des „Damaskus-Abkommens“ als Druckmittel
Wie die libanesische Zeitung al-Akhbar berichtete, üben die USA massiven Druck auf Beirut aus, um Israels Forderungen durchzusetzen. Ein libanesischer Politiker erklärte, Washington betrachte die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats – die nach dem 33-tägigen Krieg im Jahr 2006 als Grundlage für die Waffenruhe zwischen Libanon und Israel diente – als faktisch wirkungslos. Israel fühle sich an diese Resolution ohnehin nicht mehr gebunden.
Tel Aviv strebe nun danach, Libanon zu direkten politischen und anschließend sicherheitspolitischen Verhandlungen zu zwingen – ähnlich wie beim Damaskus-Abkommen, das seinerzeit zwischen Syrien und Israel geschlossen wurde und eine weitgehende Umsetzung israelischer Forderungen zur Folge hatte.
Laut al-Akhbar sollen sogar die Namen der libanesischen Vertreter für diese möglichen Verhandlungen bereits von den USA und Israel festgelegt worden sein. Das Endziel dieses Prozesses ist klar: erst die erzwungene Normalisierung der Beziehungen zu Beirut, dann die vollständige Entwaffnung der Hisbollah.
Doch alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Hisbollah entschlossen ist, jeder Form von Rückzug zu widerstehen und bereit ist, jedem äußeren Druck standzuhalten.
Symbol des Scheiterns westlicher Strategien
Die strategische Neuausrichtung der USA und Israels – vom Ziel der Entwaffnung des Widerstands hin zu direkten Gesprächen mit Libanon – spiegelt letztlich das Scheitern ihres Projekts zur Schwächung der Hisbollah wider. Während Washington und Tel Aviv politische Zugeständnisse aus Beirut erzwingen und den Weg zur Normalisierung ebnen wollen, bleibt die libanesische Widerstandsbewegung mit breiter Unterstützung der Bevölkerung und auf Grundlage nationaler Legitimität standhaft.
Der Libanon befindet sich an einem entscheidenden Punkt seiner Geschichte – zwischen dem äußeren Druck zur Anpassung und dem inneren Willen zur Wahrung von Unabhängigkeit und nationaler Souveränität. Der Ausgang dieses Machtkampfes wird nicht nur die Zukunft des Libanon, sondern auch das strategische Gleichgewicht in der gesamten Region prägen.