Die Provinz Golestan gilt als Irans nächste große Grenze für erneuerbare Energien
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Die Provinz Golestan gilt als Irans nächste große Grenze für erneuerbare Energien
ParsToday- Angesichts des weltweit zunehmenden Drucks auf nachhaltige Entwicklung durchläuft die iranische Energielandschaft eine stille Revolution. Dabei kristallisiert sich die nördliche Provinz Golestan als strategischer Kandidat für die Rolle eines Eckpfeilers der grünen Energiezukunft des Landes heraus.
Dieser Wandel basiert nicht auf den herausragenden Ressourcen der südlichen Wüsten des Landes, sondern auf einer pragmatischen Abstimmung von glaubwürdigem Naturpotenzial, lokalem Energiebedarf und innovativen sozioökonomischen Strategien. Diese zielen darauf ab, Herausforderungen in Chancen zu verwandeln.
Die Positionierung der Provinz Golestan als neues Zentrum für grüne Energie in Iran ist ein vielschichtiges Unterfangen. Es basiert auf der Nutzung ihrer besonderen Solar- und Windressourcen, der Umsetzung attraktiver öffentlich-privater Anreize und der Entwicklung eines wegweisenden Modells der dezentralen Energieerzeugung, das Energiesicherheit mit sozialer Teilhabe verbindet.
Der Weg der Provinz verdeutlicht einen breiteren nationalen Wandel hin zu erneuerbaren Energien. Er zeigt, wie Regionen mit moderaten, aber dennoch tragfähigen Ressourcen durch eine Kombination aus Technologieeinführung und gemeinschaftsorientierten Investitionen eine nachhaltige Entwicklung vorantreiben, ihren CO2-Fußabdruck verringern und regionale Energiegerechtigkeit neu definieren können.
Solarpotenzial jenseits des Stereotyps
Das grundlegende Argument für Golestans grüne Ambitionen stellt eine weitverbreitete Annahme infrage. Entgegen der weitverbreiteten Überzeugung, dass die nördlichen Provinzen nahe dem Kaspischen Meer aufgrund höherer Luftfeuchtigkeit und Bewölkung für Solarenergie ungeeignet sind, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen eine differenziertere und vielversprechendere Realität.
Detaillierte Zonierungsstudien, die Bodenstationsdaten und die Verwendung von GEOS-5 und ERA5-Reanalysemodellen, zeigen, dass Golestan ein Mosaik aus verschiedenen Mikroklimaten aufweist.
Während bewaldete Berggebiete eine geringere Sonneneinstrahlung erhalten, weisen die südwestlichen Höhenzüge und die nordöstlichen Ebenen der Provinz, die durch halbtrockene Bedingungen gekennzeichnet sind, jährliche Sonneneinstrahlungswerte zwischen 1.500 und 1.800 kWh/m² auf. Der Provinzdurchschnitt liegt bei etwa 1.485 kWh/m².
Im Vergleich zu den zentralen Wüsten Irans erscheint dieses Spektrum zwar bescheiden, es wird jedoch als „durchaus effizient für die Stromversorgung“ angesehen. Es ist ausreichend, um sowohl Solarparks im Versorgungsmaßstab als auch eine weitverbreitete dezentrale Stromerzeugung zu rechtfertigen.
Dieses Potenzial wird durch die hohe Anzahl an Sonnentagen in der Provinz noch verstärkt. In nördlichen Gebieten wie Gomishan, Bandar-e Turkaman und Maraveh Tappeh gibt es mehr als 300 Sonnentage pro Jahr. Dadurch entwickeln sich diese Regionen von landwirtschaftlichen Randgebieten zu idealen Standorten für Solarinfrastruktur.
Potenzial für Windenergie
Parallel zur Entwicklung im Bereich der Solarenergie wird Golestan auch hinsichtlich seines Potenzials für Windenergie in den nordöstlichen Korridoren in der Nähe von Kalaleh und Maraveh Tappeh in Verbindung gebracht.
Eine umfassende, langfristige Bewertung der Windressourcen in fünf Landkreisen liefert einen datengestützten Gegenpol zu übermäßig optimistischen Behauptungen.
Die Studie, die Daten aus bis zu 30 Jahren analysiert, kommt zu dem Schluss, dass die Windleistungsdichte in Golestan „für große Windkraftanlagen relativ niedrig“ ist und stuft die Provinz im Allgemeinen als Standort der Klasse 1, also als „schlecht“, für große Windparks ein.
Allerdings werden auch saisonale und lokale Chancen aufgezeigt. So kann das Potenzial der Klasse 2 in Gebieten wie Maraveh Tappeh und Bandar-e Turkaman in bestimmten Monaten erreicht werden.
Strategische Folgen und eine umfassendere Perspektive für Iran
Die mögliche Entwicklung Golestans zu einem Zentrum für grüne Energie hätte Auswirkungen, die weit über die Provinzgrenzen hinausreichen würden.
Ein Erfolg hier würde ein Modell für eine dezentralere Energiewende in Iran darstellen. Er würde zeigen, dass auch Regionen außerhalb des klassischen „Sonnengürtels“ eine bedeutende Rolle bei der Erzeugung der sauberen Energie spielen können.
Es wird eine Strategie verfolgt, bei der die Energieentwicklung mit der ländlichen Entwicklung, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Armutsbekämpfung verknüpft wird – ein ganzheitlicher Ansatz, der bei Energieprojekten, die sich ausschließlich auf die Rohstoffgewinnung fokussieren, oft fehlt.
Für Iran würde die Ermöglichung des Erfolgs von Golestan bedeuten, sein Portfolio an erneuerbaren Energien geografisch zu diversifizieren. Dadurch würde sich die Widerstandsfähigkeit des Gesamtsystems erhöhen und Übertragungsverluste würden reduziert, da Strom näher an den nördlichen Verbrauchszentren erzeugt würde.
Es handelt sich um einen strategischen Schritt: Das derzeit in der Provinz zur Stromerzeugung verbranntes Erdgas soll für höherwertige Exporte oder den inländischen industriellen Gebrauch genutzt werden, um die wirtschaftliche Sicherheit des Landes zu verbessern.
Die Provinz Golestan steht nicht am Rande einer garantierten Transformation, sondern am Beginn einer gewaltigen, strategisch wichtigen Chance.
Der Anspruch Irans, das nächste Zentrum für grüne Energie zu werden, basiert nicht auf überwältigender natürlicher Überlegenheit, sondern auf einer pragmatischen Formel: der Verbindung glaubwürdiger erneuerbarer Ressourcen mit innovativen Finanzierungsmechanismen, ein starkes gesellschaftliches Engagement und eine mehrstufiges Umsetzungsmodell.
Die Provinz Golestan ist auf dem besten Weg, ein bedeutender regionaler Knotenpunkt für saubere Energie zu werden – ein Zentrum, das sich nicht durch gigantische Produktionsmengen, sondern durch Diversifizierung, Verteilung und sozioökonomische Integration auszeichnet.
Die Geschichte Golestans ist ein Beweis dafür, dass lebensfähige und widerstandsfähige Energiezukünfte im globalen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit nicht nur auf den sonnigsten Wüsten oder den windigsten Gipfeln entstehen, sondern auf der Grundlage einer integrativen Planung und einer an die Gemeinschaft ausgerichteten Innovation.