Mersad – Irans erster Schritt zur Entwicklung eines Mittelstrecken-Luftabwehrsystems
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Mersad – Irans erster Schritt zur Entwicklung eines Mittelstrecken-Luftabwehrsystems
ParsToday – In modernen Kriegen spielen Luftverteidigungssysteme eine entscheidende Rolle, um Luftbedrohungen abzuwehren und dem Gegner die Kontrolle über den Luftraum der Gefechtsfelder zu verwehren.
Wie ParsToday berichtet, setzten die iranischen Luftverteidigungseinheiten während des achtjährigen aufgezwungenen Krieges des Baath-Regimes Irak gegen Iran ihre Abwehrsysteme dank der Initiativen des späteren Märtyrer-Generals Mansour Sattari äußerst wirkungsvoll ein. Sattari war damals Kommandeur der Luftverteidigung der Luftwaffe der Armee der Islamischen Republik Iran. Insbesondere das amerikanische Hawk-Raketensystem wurde erfolgreich zur Abschuss zahlreicher irakischer Flugzeuge genutzt.
Nach dem Ende des Krieges diente dieses Luftverteidigungssystem als Grundlage für die Entwicklung des ersten einheimischen iranischen Mittelstrecken-Boden-Luft-Systems mit der Bezeichnung „Mersad“.
Der damalige iranische Verteidigungsminister Ahmad Vahidi erklärte bei der Einweihung der Produktionslinie am 11. April 2010, das System sei in der Lage, moderne Flugzeuge in niedrigen und mittleren Höhen zu zerstören und verfüge im Vergleich zu ähnlichen Systemen wie dem amerikanischen Hawk über deutlich größere Fähigkeiten.
Darüber hinaus verfüge Mersad über hohe Mobilität, Widerstandsfähigkeit gegen elektronische Kriegsführung sowie die Fähigkeit zur Vernetzung mit anderen Radar- und Luftverteidigungssystemen.
Überblick über das System
Mersad gilt als das erste vollständig in Iran entwickelte Luftverteidigungssystem, dessen sämtliche Komponenten im Inland produziert wurden. Das System entstand aus der umfassenden Modernisierung des amerikanischen Luftabwehrsystems MIM-23 Hawk. Forschung, Entwicklung und Produktion erfolgten auf Grundlage der Erfahrungen des auferlegten Krieges und wurden von Spezialisten der Luft- und Raumfahrtindustrie des iranischen Verteidigungsministeriums durchgeführt.
Die Hauptbestandteile des vollständig digital entwickelten Systems umfassen:
• Such-, Verfolgungs- und Zielerfassungsradare
• Software- und Hardware-Netzwerke
• Abschussplattformen
• Kommando- und Kontrollzentren
Zu den wichtigsten Weiterentwicklungen gegenüber dem amerikanischen Original zählen der Einsatz digitaler Elektronik, moderner Festkörpertechnologie in Radar und Raketen sowie verbesserte Algorithmen zur Zielerkennung, Zielverfolgung und Feuerleitung.
Die Radarsysteme mit den Namen „Kavosh“, „Jouya“ und „Hadi“ basieren zwar auf amerikanischen Vorbildern, wurden jedoch umfassend modernisiert – insbesondere durch den Einsatz digitaler Technologien.
Das Radar „Kavosh“ kann Ziele mit einer Radarrückstrahlfläche von einem halben Quadratmeter in einer Entfernung von bis zu 150 Kilometern verfolgen und in einer Distanz von 80 Kilometern aufschalten. Die maximale Reichweite zur Zielbekämpfung wird auf etwa 45 Kilometer geschätzt.
Das Tiefflugradar „Jouya“ dient der Erkennung und Verfolgung von Zielen in geringer Flughöhe. Das Radar „Hadi“ übernimmt die Zielaufschaltung und die Lenkung der Raketen.
Im Mersad-System wurde zudem die Fähigkeit geschaffen, gleichzeitig zwei Ziele mithilfe von zwei Hadi-Radaren zu bekämpfen. Zusätzlich verfügt das System über elektrooptische Zielverfolgungssysteme, die selbst bei intensiver elektronischer Kriegsführung eine optische Zielerfassung ermöglichen.
Bereits ein Blick in den Kontrollraum von Mersad verdeutlicht das Ausmaß der Modernisierung gegenüber dem Hawk-System.
Mersad-2 und moderne Raketen
In den 2010er Jahren wurde mit „Mersad-2“ eine modernisierte Version des Systems vorgestellt und in die Luftverteidigung der iranischen Armee integriert.
Die Spezialisten der iranischen Luftverteidigung entwickelten dafür einen vollständig neuen Kontrollraum und setzten moderne Technologien sowie eigens programmierte Softwarecodes ein, um das System unter strengster Geheimhaltung für eine effektive Abwehr regionaler Bedrohungen weiterzuentwickeln.
Bei Mersad-2 wurde die Reichweite des Kavosh-Radars auf 220 Kilometer erhöht.
Für das System wurden außerdem die Raketen „Shahin“ und „Shalamcheh“ entwickelt. Veröffentlichte Bilder zeigen, dass beide Raketen im Vergleich zur amerikanischen Hawk-Rakete vollständig neu konstruiert wurden.
Die wichtigsten Veränderungen betreffen die Navigations- und Lenksysteme. Zu den markantesten Neuerungen zählen flache Phased-Array-Antennen, digitale Elektronik sowie moderne Festkörperkomponenten.
Die Rakete „Shalamcheh“ wurde im September 2011 als weiterentwickelte Version der Shahin-Rakete vorgestellt. Sie wiegt rund 700 Kilogramm, ist etwa fünf Meter lang, hat einen Durchmesser von 360 Millimetern und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu Mach 3.
Die Einsatzhöhe der Rakete zur Bekämpfung von Luftzielen liegt zwischen 60 Metern und 18.000 Metern. Ziele können in einer Entfernung von bis zu 40 Kilometern zerstört werden.
Der Gefechtskopf wiegt etwa 70 Kilogramm, was laut Experten ausreicht, um ein getroffenes Ziel vollständig zu vernichten.
Teilnahme an Manövern und operative Leistungsfähigkeit
Die Luftverteidigungssysteme Mersad und Mersad-2, die seit den 2000er- beziehungsweise 2010er-Jahren im Einsatz sind, wurden in zahlreichen Militärmanövern gegen Ziele mit geringer Radarreflexionsfläche, darunter kleine Drohnen, getestet.
Das Luftverteidigungssystem Mersad wurde beim Manöver „Mohammad Rasul Allah (s. a.) “ im Januar 2015 erfolgreich erprobt und zerstörte die vorgesehenen Ziele mit hoher Präzision.
Das am weitesten entfernte Ziel, das während dieses Manövers durch das Mersad-System vernichtet wurde, befand sich in einer Distanz von mehr als 30 Kilometern.
Bei dem gemeinsamen Luftverteidigungsmanöver im Jahr 2018 kam erstmals das dreidimensionale Phased-Array-Radar „Hafez“ im Zusammenspiel mit dem Mersad-System zum Einsatz. Während dieses Manövers wurde zudem die Integration einer neuen Rakete in das System bekanntgegeben.
Die Rakete, die von einer Abschussvorrichtung mit einer Kapazität von bis zu drei Flugkörpern gestartet werden kann, weist äußerlich starke Ähnlichkeiten mit der Standard-Rakete auf, die in Iran unter den neuen Bezeichnungen „Fadschr“ und „Mehrab“ mit erweiterten Fähigkeiten produziert und eingesetzt wird. Später wurde der Name dieser Rakete als „Shalamcheh-2“ bekanntgegeben.
Am 8. November 2019 wurde eine ausländische feindliche Drohne durch das Luftverteidigungssystem „Mersad“ der Luftverteidigung der Armee der Islamischen Republik Iran im Gebiet des Hafens Mahschahr abgeschossen.
Dieser Vorfall gilt als einer der erfolgreichen Einsätze des Mersad-Systems und der Luftverteidigung der iranischen Armee und verdeutlicht die hohe Einsatzbereitschaft sowie die operative Leistungsfähigkeit dieser Streitkräfte und ihrer Verteidigungssysteme.