Wie wurde Lamerd zum Testgelände für amerikanische Massenvernichtungswaffen?
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ParsToday– Fast drei Monate sind seit dem Ende der militärischen Angriffe der USA und des israelischen Regimes auf iranisches Territorium vergangen. Doch mit der Veröffentlichung neuer Dokumente, Bilder und Augenzeugenberichte kommen immer weitere Details über die Ereignisse ans Licht.
(last modified 2026-06-30T05:20:24+00:00 )
Jun 30, 2026 07:15 Europe/Berlin
  • Angriff der USA und des israelischen Regimes auf Lamerd
    Angriff der USA und des israelischen Regimes auf Lamerd

ParsToday– Fast drei Monate sind seit dem Ende der militärischen Angriffe der USA und des israelischen Regimes auf iranisches Territorium vergangen. Doch mit der Veröffentlichung neuer Dokumente, Bilder und Augenzeugenberichte kommen immer weitere Details über die Ereignisse ans Licht.

Was während des Krieges im Rauch und Feuer sowie in den ersten Berichten verborgen blieb, zeichnet sich heute durch Felduntersuchungen und Zeugenaussagen deutlich ab. Der Angriff auf Lamerd gehört zu den erschütterndsten Fällen. Sollte der Untersuchungsbericht des britischen Mediums Middle East Eye zutreffen, wäre dies der erste dokumentierte Einsatz eines neuen Waffensystems gegen ein vollständig ziviles Gebiet.

Der Bericht stützt sich auf Aufnahmen vom Tatort, Aussagen von Ärzten und Augenzeugen sowie auf die Untersuchung des Angriffsortes. Demnach kam das von Lockheed Martin entwickelte Raketensystem „Precision Strike” erstmals in einem Krieg gegen Iran zum Einsatz. Vier dieser Raketen explodierten jedoch nicht über einer Militärbasis oder einer strategischen Einrichtung, sondern über zwei Wohnvierteln der südiranischen Stadt Lamerd. In diesem Gebiet mit Schulen, Sporthallen, Fußballplätzen, Wohnhäusern und Geschäften spielten Kinder gerade Volleyball und Fußball.

Laut dem Medium trug jede Rakete rund 180.000 Wolframprojektile, sodass insgesamt etwa 720.000 tödliche Metallkugeln über dem Gebiet verteilt wurden. Ein Untersuchungsbericht der New York Times zitiert Waffenexperten, denen zufolge das Explosionsmuster und die Spuren am Ort des Geschehens mit den Eigenschaften dieses Raketensystems übereinstimmen. Sollten unabhängige Untersuchungen diese Erkenntnisse bestätigen, wäre Lamerd der erste dokumentierte Fall eines operativen Einsatzes dieses Waffensystems gegen ein ziviles Gebiet.

Die humanitären Folgen des Angriffs sind verheerend. 21 Zivilisten, darunter sechs Kinder, kamen ums Leben, mehr als 150 Menschen wurden verletzt. Unter den Todesopfern befand sich ein zweijähriges Mädchen, das beim Spielen im Hof seines Hauses von Splittern tödlich getroffen wurde. Ein 15-jähriges Mädchen verlor dauerhaft sein Augenlicht, ein weiterer Schüler seine Sprachfähigkeit und mehrere Kinder erlitten durch Splitterverletzungen an der Wirbelsäule bleibende Lähmungen. Andere verloren infolge schwerer Knochen- und Muskelverletzungen die Fähigkeit zu gehen. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, deren Leben und Familien dauerhaft von den Folgen des Angriffs geprägt sein werden.

Besonders auffällig ist dem Bericht zufolge die Art der Verletzungen. Mousa Mousavi, Chirurg im Krankenhaus von Lamerd, erklärte, dass sich die durch Wolframmunition verursachten Verletzungen deutlich von seinen Erfahrungen aus dem Iran-Irak-Krieg unterscheiden. Die Projektile würden nicht einfach im Körper stecken bleiben, sondern Gewebe durchdringen und in manchen Fällen im Körperinneren explodieren. Dadurch entstehen Verletzungen, die nicht nur tödlich sind, sondern auch dauerhafte Behinderungen und lebenslanges Leid verursachen.

Ein zentraler Punkt des Berichts ist das Fehlen jeglicher militärischer Ziele an den Angriffsorten. Middle East Eye betont, dass seine Untersuchungen keinerlei Hinweise auf Militärstützpunkte oder militärische Einrichtungen in der Umgebung ergeben hätten und sämtliche Opfer Zivilisten gewesen seien. Gleichzeitig bezeichnete das US-Zentralkommando (CENTCOM) den erstmaligen Kampfeinsatz dieser Raketen gegen Iran wenige Tage nach dem Angriff als militärischen Erfolg.

Der Bericht verweist zudem auf Ähnlichkeiten zwischen den in Lamerd dokumentierten Verletzungen und Berichten über den Einsatz vergleichbarer Munition durch Israel gegen Zivilisten im Gazastreifen. Sollten sich diese Parallelen bestätigen, stellt sich die Frage, ob Waffen, die als „präzise“ bezeichnet werden, in der Praxis zu Instrumenten geworden sind, mit denen Zivilisten schwerste körperliche und psychische Schäden zugefügt werden.

Das Fehlen einer unabhängigen internationalen Untersuchung wirft laut dem Bericht ernste Fragen über den Umgang der zuständigen Institutionen mit solchen Vorfällen auf. Lamerd ist heute nicht nur der Name einer Stadt, sondern steht für die Wunden, die Dutzende Kinder, Hunderte Verletzte und zahlreiche trauernde Familien bis heute tragen. Der Tod von sechs Kindern, darunter ein zweijähriges Mädchen, sowie die vielen Menschen, die lebenslange Behinderungen davongetragen haben, zeigen, dass die Folgen eines Krieges weit über das Ende der Kämpfe hinausreichen.

Obwohl der Bericht von Middle East Eye mit zeitlichem Abstand veröffentlicht wurde, eröffnet er laut den Autoren die Möglichkeit, die Hintergründe eines der schwersten Angriffe auf Zivilisten während dieses Krieges aufzuklären. Die Offenlegung der Wahrheit, die Rechenschaftspflicht der Verantwortlichen, unabhängige Ermittlungen und eine sorgfältige Dokumentation dieser Ereignisse sind nicht nur für die Menschen in Lamerd, sondern auch für die Glaubwürdigkeit des Völkerrechts und zur Verhinderung ähnlicher Tragödien in der Zukunft von entscheidender Bedeutung.