Interview mit Christoph Hörstel
Die vom türkischen Präsident Erdogan am 15. Januar angekündigte Militäraktion gegen die PKK-nahen kurdischen Kräfte in der Enklave Afrin hat am 19. an Stärke zugenommen
Der türkische Vorstoß gegen den US-unterstützten Aufbau einer kurdisch beherrschten 30.000-Mann-Miliz entlang der kurdischen Grenze war für Washingtons Drahtzieher klar einkalkuliert. Die gesamte US-gesteuerte Eskalation richtet sich auch gegen die für den 18. Januar geplante breite Konferenz aller syrischen Volksgruppen und Konfliktbeteiligten im russischen Sochi, die Russland mit Rücksicht auf die US-Gesprächspartner bereits zweimal verschoben hatte. Diese Konferenz ist Washington ein Dorn im Auge, weil sie die wenig erfolgreich vor sich hindümpelnden US-gesponserten Gespräche in Genf politisch in den Schatten stellen könnte und damit vor aller Welt deutlich machen, dass die tatsächlich beherrschende Kraft im Syrienkonflikt Russland ist - zusammen mit dem ebenso klug taktierenden Iran. Und es erscheint offenbar dem radikal antiiranischen Kurs der Trump-Regierung noch weniger annehmbar, Teheran eine konfliktlösende diplomatische Rolle zuzugestehen als Russland.
Wird Erdogan sich mäßigen und es bei einer glaubwürdigen befristeten und örtlich begrenzten Aktion gegen die Kurden belassen - oder entsteht nun Schaden für die bislang hoch erfolgreiche gemeinsame Politik der Dreiergruppe Russland-Iran-Türkei? Darüber sprach Seyyed Hedayatollah Schahrokny mit dem Bundesvorsitzenden der Neuen Mitte, Christoph Hörstel.