Wiederholt sich die Geschichte der US-Interventionen in Lateinamerika?
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Wiederholt sich die Geschichte der US-Interventionen in Lateinamerika?
ParsToday – Millionen US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner sind am ersten Samstag des neuen Kalenderjahres mit einer beunruhigenden Frage aufgewacht: Befinden wir uns im Krieg mit Venezuela?
Das Portal Middle East Eye schreibt in einem Beitrag, dass die Maßnahme der USA zur Entführung von Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro weitreichende Konsequenzen habe – nicht nur für Venezuela selbst, sondern auch für die internationale Stellung der Vereinigten Staaten sowie für nationale und internationale Rechtsnormen im Zusammenhang mit dem Präsidentenamt.
Wie ParsToday berichtet, gilt die Entführung eines ausländischen Staatsoberhaupts im internationalen Gewohnheitsrecht als schockierender Akt, da ein solches Vorgehen de facto als Kriegshandlung betrachtet wird.
Zur Rechtfertigung dieses Schrittes behauptete Donald Trump, Maduro sei in den Drogenschmuggel verwickelt und stelle eine Bedrohung für die Sicherheit der US-Bevölkerung dar. Trumps spätere Äußerungen machten jedoch deutlich, dass er die Rolle Venezuelas bewusst überzeichnete, um mit harter Macht seinen Einfluss in einer Region auszubauen, die er offen als den „Hinterhof“ der USA betrachtet.
Dieses Ereignis ruft Erinnerungen an frühere Phasen der US-Interventionen in Lateinamerika wach – eine Zeit, in der aus Sicht Washingtons unerwünschte Staats- und Regierungschefs gestürzt und durch Marionettenregierungen ersetzt wurden. Trumps Pressekonferenz in Mar-a-Lago, zeitgleich mit der Entführung Maduros, war geprägt von Siegesgesten und erinnerte stark an die Siegeserklärung von George W. Bush zum Irakkrieg im Jahr 2003. Der US-Verteidigungsminister bezeichnete diesen Schritt sogar als bedeutsamer als historische Momente unter Abraham Lincoln oder Franklin D. Roosevelt.
Innerhalb der USA stoßen die Ereignisse jedoch auf wachsenden Widerstand. Demokratische Politiker zeigen sich empört, da die militärischen Angriffe auf Venezuela faktisch einen Krieg darstellen und damit der Zustimmung des Kongresses bedürfen. Mehrere Senatoren betonten, Trump habe ohne entsprechende Genehmigung einen Krieg begonnen und müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Republikanische Führungskräfte hingegen stellten sich demonstrativ hinter ihn.
Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der US-Bevölkerung eine militärische Intervention in Venezuela ab. Selbst ein Teil der Trump-Anhängerschaft fühlt sich verraten, da sie davon ausgegangen war, dass er die endlosen Kriege der USA beenden wolle.
Die Erfahrungen aus Irak, Afghanistan und Libyen haben gezeigt, dass der rasche Sturz eines politischen Führers ohne klare Nachkriegsstrategie ein Land ins Chaos stürzen kann – eine Gefahr, der auch Venezuela ausgesetzt ist. Trump äußerte sich naiv über die Zukunft des Landes und erklärte sogar, die USA würden Venezuela bis zu einer angeblich „sicheren Übergabe“ verwalten. Offen sprach er zudem davon, dass US-Ölkonzerne einrücken und sich das venezolanische Öl „zurückholen“ würden.
Auf globaler Ebene verdeutlicht dieses Vorgehen, dass die USA auf die Festigung einer umfassenden Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre abzielen.