Das Schulungs- und Kampfflugzeug Kowsar – Ein bedeutender Schritt im iranischen Flugzeugbau
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Das Schulungs- und Kampfflugzeug Kowsar – Ein bedeutender Schritt im iranischen Flugzeugbau
ParsToday – Das Schulungs- und Kampfflugzeug Kowsar ist das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen iranischer Luftfahrtexperten zur Erlangung von Know-how im Bereich überschallschneller Trainings- und Kampfflugzeuge.
Wie ParsToday berichtet, wurden sämtliche Entwicklungs- und Produktionsschritte des Kampfflugzeugs Kowsar bei der Iran Aircraft Manufacturing Industrial Company (HESA), die dem iranischen Verteidigungsministerium untersteht, in Zusammenarbeit mit der Luftwaffe der Armee der Islamischen Republik Iran durchgeführt. Dabei kamen die Fähigkeiten wissensbasierter Unternehmen sowie einheimische Technologien und Ressourcen zum Einsatz. Die Entwicklung von Kowsar verdeutlicht die beachtlichen Fähigkeiten der iranischen Rüstungsindustrie. Technisch gesehen wurden in das Flugzeug moderne und fortschrittliche Systeme integriert, die auf heimischem Know-how und nationaler Produktion basieren. Der Lokalisierungsgrad des Flugzeugs beträgt 88 Prozent.
Überblick
Das Kampfflugzeug Kowsar wurde am 21. August 2018 (30. Mordad 1397) offiziell vorgestellt. Am 25. Juni 2020 (5. Tir 1399) wurden im Rahmen einer offiziellen Zeremonie drei Maschinen an die Luftwaffe der Armee der Islamischen Republik Iran übergeben.
Kowsar ist ein Kampfflugzeug der dritten Generation mit Avionik der vierten Generation. Es wurde für fortgeschrittene Pilotenausbildung und Luftnahunterstützungsmissionen entwickelt und auf Grundlage des Trainingsflugzeugs F-5F vollständig indigenisiert. Mit diesem Projekt gehört Iran zu den wenigen Staaten, die über die Technologie zur Entwicklung und Produktion von Kampfflugzeugen mit Avionik- und Feuerleitsystemen der vierten Generation verfügen.
Zu den modernisierten Komponenten gehören das Triebwerk, die Avioniksysteme, der Zentralrechner, Multifunktionsanzeigen sowie ein Mehrzweckradar. Geplant war die Herstellung sowohl einer Einsitzer- als auch einer Doppelsitzerversion. Die zweisitzige Variante dient neben Kampfeinsätzen insbesondere der fortgeschrittenen Pilotenausbildung.
Das Cockpit der Kowsar verfügt über zwei hintereinander angeordnete Sitze unter separaten, nach hinten öffnenden Kabinenhauben. Vom langgezogenen Bug über die niedrig angesetzten Tragflächen mit vergleichsweise geringer Fläche bis hin zur aerodynamisch optimierten Rumpfform wurde das Flugzeug auf eine Reduzierung des Luftwiderstands ausgelegt. Der hintere Rumpfbereich verjüngt sich leicht und endet in zwei getrennten Triebwerksauslässen unterhalb eines einzelnen Seitenleitwerks. Die Tragflächen sind im unteren Bereich des Rumpfes angebracht.
Kowsar ist zudem mit einem einziehbaren Dreiradfahrwerk ausgestattet, bestehend aus einem Bugrad und zwei Hauptfahrwerken.
Eigenschaften
Im Schulungs- und Kampfflugzeug Kowsar kommt das einheimisch entwickelte Turbojet-Triebwerk Owj zum Einsatz. Dieses erste in Iran entwickelte Strahltriebwerk basiert auf dem J85-Turbojet-Triebwerk, das auch in den F-5-Kampfflugzeugen verwendet wird. Es ermöglicht Flüge bis in eine Höhe von 50.000 Fuß und kann in Flugzeugen mit einem maximalen Startgewicht von bis zu zehn Tonnen eingesetzt werden.
Nach Angaben des damaligen Verteidigungsministers General Hossein Dehghan wurden bei der Herstellung dieses Triebwerks rund 14.000 verschiedene Bauteile verwendet. Für die Produktion der Turbinenschaufeln kam unter anderem Vakuumschmelz- und Vakuumbearbeitungstechnologie zum Einsatz. Zudem wurde das Know-how zur Herstellung mehrerer in diesem Projekt verwendeter Superlegierungen im Inland entwickelt.
Weitere technische Merkmale des Owj-Triebwerks sind:
- Achtstufiger Axialkompressor
- Zweistufige Turbine
- Schubleistung von 12,7 bis 13,8 Kilonewton
- Verdichtungsverhältnis von 8,3
- Luftdurchsatz von 20 Kilogramm pro Sekunde
Darüber hinaus ist Kowsar mit modernen Avionik- und Feuerleitsystemen der vierten Generation ausgestattet. Dazu zählen farbige Multifunktionsdisplays sowie ein Head-Up-Display (HUD).
Weitere Systeme umfassen:
- Radarwarnempfänger (RWR)
- Freund-Feind-Erkennungssystem (IFF)
- Waffenmanagement- und Waffenrechnersysteme
- Chaff-/Flare-Täuschkörperwerfer
- Moderne Funkanlagen für sichere Kommunikation
Alle diese Systeme wurden im Inland entwickelt und produziert.
Im Flugzeug sind außerdem die einheimischen Schleudersitze Sarir installiert, die über eine sogenannte „Zero-Zero“-Fähigkeit verfügen. Das bedeutet, dass Piloten selbst bei einer Geschwindigkeit von null und einer Flughöhe von null Metern sicher aussteigen können. Diese Schleudersitze arbeiten üblicherweise mit Raketenmotoren und explosiven Antriebssystemen.
Auch hinsichtlich Wartung und Instandhaltung bietet Kowsar Vorteile. Aufgrund der Vertrautheit iranischer Spezialisten mit den verwendeten Systemen können die Betriebskosten gesenkt und Devisenausgaben eingespart werden. Das Flugzeug gilt daher als geeignete Plattform sowohl für die Pilotenausbildung als auch für Kampfeinsätze mit modernen Luftfahrzeugen.
Abmessungen
- Länge: ca. 12,4 Meter
- Spannweite: ca. 10,97 Meter
- Höhe: ca. 3,5 Meter
- Leergewicht: ca. 2.425 Kilogramm
- Maximales Startgewicht: bis zu 6.177 Kilogramm
Technische Daten
- Besatzung: 2 Personen
- Triebwerke: 2 × Owj-Turbojet-Triebwerke (basierend auf dem J85)
- Schubkraft: 3.500 Pfund
- Schubkraft mit Nachbrenner: 5.000 Pfund
- Höchstgeschwindigkeit: 1.700 km/h (ca. Mach 1,6)
- Reichweite: 1.100 Kilometer
- Überführungsreichweite: 2.900 Kilometer mit drei externen Zusatztanks
- Dienstgipfelhöhe: 15.800 Meter
- Steigrate: 175 Meter pro Sekunde
- Radar: Grifo-Radar (italienischer Herkunft; eingesetzt wird eine chinesische oder inländisch produzierte Variante) mit einer Reichweite von rund 93 Kilometern und der Fähigkeit, zwei Ziele gleichzeitig zu bekämpfen
Bewaffnungskapazität
Das Schulungs- und Kampfflugzeug Kowsar verfügt über mehrere Waffenstationen unter den Tragflächen und dem Rumpf. Insgesamt stehen sieben Außenlaststationen zur Verfügung – jeweils zwei unter jeder Tragfläche, eine unter dem Rumpf sowie je eine an den Flügelspitzen. Die maximale Waffenlast beträgt rund 3.200 Kilogramm.
Bewaffnung:
- 2 × 20-mm-Bordkanonen im Bugbereich
Mögliche Außenlasten:
- Bis zu 12 Bomben mit je 250 Kilogramm
- Oder 5 Bomben mit je 450 Kilogramm
- Oder 2 Bomben mit je 900 Kilogramm
- Verschiedene Raketenwerfer (darunter Hydra-Raketen und iranische Varianten)
- Simorgh-Streubomben
- Bis zu vier Luft-Luft-Raketen des Typs Fater (Sidewinder-Variante)