Die Straße von Hormus und die Illusionen des Weißen Hauses
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Die Straße von Hormus
ParsToday– Nach wiederholten Angriffen der USA auf die Südküste Irans haben die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) eine Erklärung veröffentlicht, in der sie eine entschlossene militärische Antwort auf die US-Angriffe ankündigen.
Laut der Erklärung wurde im zweiten Abschnitt der Vergeltungsoperation der strategisch wichtige US-Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in Katar mit einer großen Zahl ballistischer Raketen angegriffen. Dabei wurden das Wartungszentrum für Kampfflugzeuge und das regionale Einsatzzentrum getroffen. Zudem wurde ein zweites Schiff, das nach iranischer Darstellung gegen die geltenden Vorschriften in der Straße von Hormus verstoßen hatte, beschossen und gestoppt. In der Erklärung warnte die Revolutionsgarde ausdrücklich, dass eine Fortsetzung der Angriffe „noch entschlossenere Antworten“ nach sich ziehen werde.
Diese Entwicklungen ereigneten sich weniger als einen Monat nach der Unterzeichnung des 14-Punkte-Rahmenabkommens zwischen Teheran und Washington. Das Abkommen sollte den Krieg und die US-Angriffe gegen Iran beenden, die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus wiederherstellen und die Region von der Schwelle eines umfassenden Krieges entfernen. Tatsächlich entwickelte sich die Lage jedoch anders.
Nach den erneuten US-Angriffen erklärte der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf auf X: „Die Zeit einseitiger Vereinbarungen ist vorbei. Wir haben euch gesagt, dass ihr eure Zusagen und Verpflichtungen einhalten müsst – andernfalls werdet ihr den Preis dafür zahlen. Jetzt müsst ihr euch der Realität stellen.“ Gleichzeitig veröffentlichte er einen Auszug aus Artikel 5 des Rahmenabkommens, der die Wiederöffnung der Straße von Hormus unter Einhaltung der „iranischen Regelungen” vorsieht. Damit wollte er deutlich machen, dass die Straße von Hormus unter iranischer Souveränität steht und kein Staat einseitig über ihre Verwaltung entscheiden kann. Diese Botschaft steht für eine grundlegende Veränderung der Abschreckungslogik: Verstöße gegen Vereinbarungen sollen künftig nicht mehr folgenlos bleiben.
Besondere Aufmerksamkeit verdient in diesem Zusammenhang eine Analyse des US-Mediums MSN, die sich deutlich von der offiziellen Darstellung des Weißen Hauses unterscheidet. Nicholas Grossman, Politikwissenschaftler an der Universität von Illinois und Autor des Beitrags, beschreibt Donald Trump als einen Präsidenten, der einen Krieg begonnen habe, seine strategischen Ziele jedoch nicht habe erreichen können und nun selbst in diesem Konflikt feststecke.
Laut dem Bericht ist es den USA weder gelungen, Iran zur Annahme ihrer Bedingungen zu bewegen, noch die politische Ordnung der Islamischen Republik zu verändern oder die Sicherheitsordnung am Persischen Golf entsprechend den eigenen Vorstellungen umzugestalten.
Zentraler Punkt der Analyse ist die Diskrepanz zwischen der politischen Darstellung des Weißen Hauses und den tatsächlichen Entwicklungen vor Ort. Während Trump weiterhin von einem „Sieg“ spricht, zeigt die Realität ein anderes Bild. Die Straße von Hormus bleibt der wichtigste geopolitische Hebel der Region, die Unsicherheit im Seeverkehr hält an, der globale Energiemarkt ist weiterhin instabil und die USA müssen immer höhere Kosten aufbringen, um eine Krise zu bewältigen, die sie selbst mit ausgelöst haben.
Artikel 5 des Islamabad-Rahmenabkommens sah die Wiederöffnung dieser strategisch wichtigen Wasserstraße unter Einhaltung der „iranischen Regelungen“ vor. Gerade die unterschiedliche Auslegung dieses Punktes entwickelte sich jedoch zu einem der wichtigsten Konfliktthemen. Iran besteht auf der Wahrnehmung seiner Hoheitsrechte, der Kontrolle des Schiffsverkehrs und der Durchsetzung maritimer Vorschriften. Die USA ignorieren nach iranischer Auffassung diese Regelungen jedoch. Das Ergebnis ist nicht Stabilität, sondern eine erneute Zuspitzung der Krise.
Iran verfügt über die längste Küstenlinie am Persischen Golf, an der Straße von Hormus und am Golf von Oman. Nach den US-Angriffen und dem aus iranischer Sicht aufgezwungenen 40-tägigen Krieg beansprucht Teheran das Recht, seine Souveränität und seine nationalen Interessen in der Straße von Hormus zu schützen. Die USA hingegen würden als externe Macht weiterhin versuchen, ihre Dominanz über diese strategisch bedeutende Wasserstraße aufrechtzuerhalten.
Laut der Analyse hat Trump „keine neuen Ideen mehr“ und wiederhole lediglich Strategien, die sich bereits als erfolglos erwiesen haben. In seiner Vorstellung ist gerade diese vermeintliche Stärke der Grund dafür gewesen, dass Iran an den Verhandlungstisch zurückgekehrt ist. Die tatsächliche Lage am Persischen Golf zeigt jedoch, dass Iran eine deutlich stärkere Position innehat.
Die Antwort Trumps auf diese Realität besteht darin, das Gegenteil zu behaupten. Mit den Angriffen auf US-Stützpunkte in fünf Ländern der Region haben die iranischen Streitkräfte eigenen Angaben zufolge deutlich gemacht, dass Iran seine Souveränität mit allen verfügbaren Mitteln verteidigen wird und jede Fehleinschätzung des Feindes zu einer noch stärkeren Reaktion führen kann.
Mit dem Bruch des Islamabad-Rahmenabkommens haben die USA einen Weg eingeschlagen, der die Krise vertieft statt entschärft hat. Washington sieht sich heute mehr denn je mit einer Realität konfrontiert, die inzwischen selbst von Teilen der amerikanischen Analysten anerkannt wird. Ein Krieg, der mit der Erwartung eines schnellen Erfolgs begonnen wurde, ist zu einer strategischen Falle für die USA geworden – einer Falle, aus der jeder neue militärische Schritt den Ausstieg erschwert und die Perspektive auf Frieden weiter entfernt.