Wer vom eigenen Werk lebt – ein Sinnbild iranischer Würde
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Wer vom eigenen Werk lebt – ein Sinnbild iranischer Würde
ParsToday – In einer Zeit, in der Wohltätigkeit oft mit Bevormundung oder Erwartung verbunden ist, lässt Saadi eine Melodie der Selbstachtung erklingen: Das Brot, das man mit eigener Mühe verdient, schmeckt süßer als hundert Gaben eines Hatam Ta’i.
In der iranischen Kultur zählen Unabhängigkeit und Würde seit jeher zu den grundlegenden Werten. Saadi Schirazi, der berühmte persische Dichter, Morallehrer und Meister der Sprache, hat diese Prinzipien in seinen unvergänglichen Erzählungen und Versen in ihrer schönsten Form dargestellt. Eines der bekanntesten Beispiele findet sich im ersten Kapitel des Golestan:
„Wer vom eigenen Werk lebt, braucht die Gaben eines Hatam Ta’i nicht“
Wie ParsToday berichtet, steht dieser Vers am Ende einer Geschichte, in der Saadi von einem armen, aber würdevollen Mann erzählt – einem Mann, der trotz seiner Armut nie bereit war, Hilfe von anderen anzunehmen, sondern durch eigene Arbeit seinen Lebensunterhalt verdiente. Er sagte: „Sein eigenes Brot essen und in Ruhe leben ist besser, als einen goldenen Gürtel zu tragen und dem Herrscher zu dienen. “
Mit dieser Erzählung stellt Saadi die menschliche Würde über den fremdbestimmten Wohlstand.
Der Verweis auf Hatam Ta’i – eine historische arabische Gestalt, die sowohl in der iranischen als auch in der arabischen Kultur als Sinnbild der Großzügigkeit gilt – verleiht dem Vers eine besondere Bedeutung. Saadi macht deutlich, dass selbst die großzügigste Gabe für den unabhängigen, fleißigen Menschen keinen Wert hat, da er seine Würde nicht verkauft.
Aus literarischer Sicht gehört dieser Vers zu den eindrucksvollsten moralischen Lehren der persischen Dichtung. Mit seiner klaren Sprache und seinem melodischen Rhythmus preist er individuelle Anstrengung, wirtschaftliche Selbstständigkeit und Freiheit von Abhängigkeit. In der iranischen Kultur ist dieser Vers längst zu einem Sprichwort geworden, das im Alltag häufig verwendet wird, um Selbstgenügsamkeit und Selbstachtung zu betonen.
Mit dieser schlichten, aber tiefgründigen Weisheit vermittelt Saadi eine zeitlose Botschaft: Das Brot, das man mit eigener Hand verdient, ist süßer als jede Gabe, die mit Herablassung gereicht wird.