Bei jeder Verhandlung, und gerade bei internationalen Konflikten, wenn es darum geht, einen blutigen Bürgerkrieg zu beenden, der die ganze Region in Mitleidenschaft gezogen hat, ist jegliche Vorbedingung unsinnig und störend.
Rundfunk: Herr Dr. Massarrat, ich darf Sie ganz herzlich zu diesem Interview begrüßen!
Massarrat: Ich grüße Sie auch nach Teheran!
Rundfunk: Herr Dr. Massarrat, der syrische Präsident, Baschar al-Assad, gab kürzlich einem ARD-Team ein Interview, das letzte Woche ausgestrahlt wurde. In diesem Interview nimmt Präsident Assad Stellung zu allen ihn betreffenden Themen Stellung. Er äußerte sich insbesondere zu seinem Verhältnis zu Russland und Iran.
Da Sie das Interview gesehen und gelesen haben, möchte ich Sie darum bitten, uns Ihre Meinung zum Interview mitzuteilen!
Massarrat: Ja, wichtig bei diesem Interview war, dass sich Präsident Assad dezidiert gesagt, hat, er sei bereit , die Macht an einen anderen abzugeben, falls das syrische Volk es wünscht. Er wies aber gleichzeitig alle Versuche zurück, die von außen bestimmen wollen, dass er zu gehen hat. Dabei bezog er sich auf die ihm durch das syrische Volk ausgesprochene Legitimation. Das halte ich für eine klare Aussage, wenn also in Syrien im Zuge der bevorstehenden Friedensverhandlungen irgendwann zu einer freien Wahl kommt, die auch kontrolliert und beobachtet wird. Wenn er dabei dann keine Mehrheit mehr beim syrischen Volk hat, dann muss man davon ausgehen, dass er sein Wort hält und zurücktritt. Das ist sicherlich ein wichtiger Aspekt. Allerdings wurde dieses Interview leider nicht in voller Länge ausgestrahlt, wodurch es Missdeutungen und Fehlinterpretation möglich wurden.
Deshalb gab es viel Propaganda gegen den syrischen Präsidenten, so dass wichtige Aussagen von Präsident Assad, die ein Bild in der Öffentlichkeit hätten korrigieren sollen, nicht hervorgehoben wurden.
Rundfunk: Es gibt eine
Reihe von Staaten, die auf Rücktritt Assads als Vorbedingung für Aufnahme direkter Gespräche bestehen, wie etwa Saudi-Arabien, die USA, Katar und die VAE.
Sind sie übergaupt berechtigt, derartige Bedingungen zu stellen?
Massarrat: Bei jeder
Verhandlung, und gerade bei internationalen Konflikten, wenn es darum geht,
einen blutigen Bürgerkrieg zu beenden, der die ganze Region in Mitleidenschaft
gezogen hat, ist jegliche Vorbedingung unsinnig und störend. Wer solche
Vorbedingungen stellet, die unrealistisch sind, der verfolgt offenbar das Ziel,
sich gar nicht auf eine friedliche Lösung des Konflikts einzulassen, sondern
den Krieg weiter laufen zu lassen, um eigene Rolle zu festigen. Ich glaube aber,
dass diese Forderung inzwischen auf Druck der Vereinigten Staaten und Russlands
nicht mehr im Vordergrund steht, dass Saudi-Arabien und seine Verbündeten defacto diese Forderung nicht mehr erheben.
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Anmerkung: Das Interview wurde am 05. 03. 2016 aufgezeichnet