Interview mit Peter Philipp
"... Solange man die Ideen, die da produziert werden, nicht befolgt, solange die Konfliktparteien nicht bereit sind, die Ideen aufzugreifen und wirklich zu beherzigen, solange sind die Chancen für eine Regelung sehr, sehr gering."
Rundfunk: Herr Philipp, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen, zu diesem Interview!
Philipp: Guten Tag!
Rundfunk: Guten Tag, Herr Philipp, der Nahostkonflikt ist durch viele Konflikte innerhalb und außerhalb der Region in den Hintergrund geraten. Dann gab es vor kurzem auf die französische Initiative in Paris eine Konferenz, an der etwa 30 Außenminister und Vertreter verschiedener Organisationen teilnahmen. Man weiß nicht, was dabei herausgekommen ist? Deshalb möchte ich diese Frage an Sie stellen.
Philipp: Ich fürchte, es ist dabei nicht Weltbewegendes herausgekommen. Denn internationale Bemühungen um eine Beilegung des Nahostkonfliktes sind nun wirklich nicht neu. Die haben schon angefangen, bevor der Staat entstanden ist. Es sind wirklich sehr, sehr viele Jahre her. Es gibt so viele Initiativen im Rahmen der UNO, im Rahmen anderer Konstellationen von Staaten. Alles hat bisher nicht gefruchtet. Wenn man da noch ein Treffen abhält, von Vertretern von Staaten, die direkt mit dem Nahostkonflikt eigentlich nicht zu tun haben, dann ist das auch noch ein Zeichen mehr, dass die Chancen für eine Lösung an einem solchen Konflikt-Tisch relativ gering sind, solange die Konfliktparteien selbst nicht dabei sind.
Rundfunk: Dennoch ist für Herbst ein weiteres Treffen, eine weitere Konferenz, vereinbart worden. Ist das nicht ein Zeichen der Hoffnung?
Philipp: Es ist natürlich gut, dass man sagt, wir sprechen, wir reden und werden weiter sprechen, „solange gesprochen wird, wird nicht geschossen“, selbst, wenn die Parteien, die am Konferenz-Tisch saßen, nicht aktiv am Konflikt beteiligt sind. Aber wie gesagt, ich glaube weiterhin, dass die Chancen für eine Konfliktregelung im Moment relativ gering sind, vielleicht am geringsten in Jahren. Denn die Situation ist sehr, sehr festgefahren, und die Bemühungen Auslands in der Vergangenheit haben gezeigt, dass das Ausland letztlich machtlos ist. Es kann sein, dass sie manchmal positive Ideen vorbringen, wie zum Beispiel die „Road Map“ für eine Regelung im Nahen Osten, wo die grundlegenden Prinzipien festgelegt worden waren. Die wurden von allen Parteien akzeptiert, aber von niemandem befolgt. Solange man die Ideen, die da produziert werden, nicht befolgt, solange die Konfliktparteien nicht bereit sind, die Ideen aufzugreifen und wirklich zu beherzigen, solange sind die Chancen für eine Regelung sehr, sehr gering. Aber – wie gesagt – man redet, als gar nicht zu tun, und auf jeden Fall man redet, als dass man den Konflikt noch anheizt.
Rundfunk: „Ausland ist machtlos“, das haben Sie gerade gesagt. Woran liegt das?
Fortsetzung können Sie in Audio hören.
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Das Interview wurde geführt von: Seyed-Hedayatollah Shahrokny