US-Analyst kritisiert Trumps Politik: „Wir setzen uns selbst schachmatt“
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ParsToday – John Mearsheimer, der renommierte US-amerikanische Politikwissenschaftler und Theoretiker der internationalen Beziehungen, hat in scharfer Kritik an der Politik von US-Präsident Donald Trump davor gewarnt, dass die Vereinigten Staaten auf einen Weg innerer Erosion und Selbstzerstörung zusteuern.
(last modified 2025-12-27T05:11:54+00:00 )
Dez 26, 2025 17:04 Europe/Berlin
  • John Mearsheimer, der renommierte US-amerikanische Politikwissenschaftler
    John Mearsheimer, der renommierte US-amerikanische Politikwissenschaftler

ParsToday – John Mearsheimer, der renommierte US-amerikanische Politikwissenschaftler und Theoretiker der internationalen Beziehungen, hat in scharfer Kritik an der Politik von US-Präsident Donald Trump davor gewarnt, dass die Vereinigten Staaten auf einen Weg innerer Erosion und Selbstzerstörung zusteuern.

Wie ParsToday berichtet, kritisierte John Mearsheimer in jüngsten Stellungnahmen sowohl die innen- als auch die außenpolitische Agenda von Donald Trump und erklärte, Washington mache sich über die Grundlagen der internationalen Ordnung lustig, während die USA einen Prozess innerer Auflösung durchliefen. Die zunehmende Distanzierung von langjährigen Schlüsselverbündeten wie Dänemark und Großbritannien wertet Mearsheimer als Ausdruck eines toxischen Gemischs aus innenpolitischer Arroganz und diplomatischer Inkompetenz, das die westliche Hegemonie ernsthaft gefährde. Der Niedergang der USA, so Mearsheimer, sei nicht das Ergebnis äußeren Drucks durch Rivalen, sondern eine Folge einer „chaotischen Mischung aus Selbstüberschätzung und außenpolitischem Versagen“.

Zwei symbolische Krisen: Grönland und die Karibik

Mearsheimer verweist auf zwei jüngste Entwicklungen als besonders deutliche Symptome dieses Trends. Zum einen nennt er die Ernennung von Jeff Landry, einem Trump-treuen Gouverneur, zum Sondergesandten für Verhandlungen über den möglichen Kauf Grönlands. Dieser Schritt, der auf scharfe Ablehnung durch den langjährigen Verbündeten Dänemark sowie auf defensive Reaktionen innerhalb der Europäischen Union gestoßen sei, stelle nach Mearsheimers Einschätzung keine politische Kuriosität dar. Vielmehr handele es sich um ein Beispiel für „aggressiven Realismus in seiner rohesten Form“, das allen Verbündeten eine klare Botschaft vermittle: Washington betrachte sie nicht länger als Partner, sondern als „abhängige Staaten“, deren Territorien und Ressourcen bei Bedarf beansprucht werden könnten. Eine solche Haltung untergrabe das Prinzip der staatlichen Souveränität und zerstöre das grundlegende Vertrauen, auf dem Bündnisse wie die NATO beruhen.

Als zweites Beispiel nennt Mearsheimer die Entscheidung Großbritanniens, die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit den USA in der Karibik einzuschränken. Hintergrund seien einseitige US-Militäroperationen außerhalb des Rahmens des Völkerrechts gegen Schiffe, die von Washington des Drogenschmuggels verdächtigt wurden. Diese Einsätze hätten zum Tod Dutzender Menschen geführt und erhebliche Spannungen zwischen den beiden Verbündeten ausgelöst.

Folgen: Isolation der USA und Stärkung der Rivalen

Nach Einschätzung Mearsheimers sind die strategischen Konsequenzen dieser Entwicklung für die Position der USA verheerend. Anstatt den Westen im Umgang mit Rivalen wie China und Russland zu einen, stoße Washington seine eigenen Verbündeten aktiv vor den Kopf. Die Herabwürdigung Europas könne diese Staaten in Richtung strategischer Autonomie treiben und sogar eine stärkere Annäherung an Peking begünstigen. Dies würde nicht nur die Exportmärkte der USA einschränken, sondern auch die Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung infrage stellen und damit die finanzielle Grundlage für den Erhalt militärischer Stärke und globalen Einflusses untergraben.

Mearsheimer fasst zusammen: Was unter dem Slogan „America First“ propagiert werde, führe in der Realität zu einem „America Alone“. Ein Amerika, das seine Verbündeten verloren habe, sich zu einem unberechenbaren und aggressiven Akteur entwickle und dessen Verwundbarkeit in einer komplexen und zunehmend feindseligen Welt dramatisch zunehme. Zugleich warnt er davor, dass dieser Kurs eine Welt begünstige, in der Regeln durch Macht ersetzt würden, das Risiko militärischer Zusammenstöße durch Fehlkalkulationen steige und eine Phase tiefer Instabilität an die Stelle der bisherigen internationalen Ordnung trete. Aus seiner Sicht verhalte sich Washington nicht wie ein Brandbekämpfer, sondern „rennt mit einem Flammenwerfer umher“. Seine abschließende Warnung lautet: „Wir setzen uns selbst schachmatt. “