Wird es Trump gelingen, die politische Atmosphäre in Europa zu verändern?
-
Trumps Slogan: „Make Europe Great Again“
ParsToday- Obwohl US-Präsident Donald Trump mit Slogans wie „Make Europe Great Again“ scheinbar eine Stärkung Europas betont, steht sein tatsächlicher Ansatz im Widerspruch zu diesem Ziel.
Die Teheraner Denkfabrik schrieb in einem Artikel: „Seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit hat sich die Haltung der US-Regierung gegenüber Europa deutlich verändert. Diese Haltung wird scheinbar mit dem Slogan 'Make Europe Great Again' begründet, stößt in der Praxis aber auf Protest und Widerstand der herrschenden Kräfte in Europa“. Laut ParsToday könnten die verschiedenen Maßnahmen der Trump-Regierung tiefgreifende Veränderungen in der politischen Zukunft des Kontinents nach sich ziehen.
Im vergangenen Jahr stritten europäische und amerikanische Regierungsverantwortiche wiederholt über die Definition von Demokratie und die Art der Bedrohungen für Europa. J. D. Vance stellte auf der Münchner Konferenz klar, dass die Hauptbedrohung nicht von Russland oder China, sondern von der Unterdrückung der Meinungsfreiheit und der Abkehr von amerikanischen Werten ausgehe. Diese politisch-kulturelle Spaltung wurde im nationalen Sicherheitsdokument der USA formalisiert. Trump sieht sich selbst als Retter Europas vor „antidemokratischen“ Kräften.
Im vergangenen Jahr setzten die USA verschiedene Instrumente ein, um die politische und kulturelle Zukunft Europas zu beeinflussen. Diese Maßnahmen lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen:
1. Indirekte Unterstützung
Einige dieser Interventionen erfolgten in Form indirekter Unterstützung für rechtsextreme Bewegungen in Europa. Dazu zählen die Aktivitäten und Äußerungen des damaligen Effizienzministers Elon Musk während des Wahlkampfs der rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD), die Manipulation der Algorithmen von Platform X zugunsten rechtsextremer Bewegungen sowie wiederholte Tweets gegen die Europäische Union und amtierende EU-Politiker. Weitere Beispiele für die Unterstützung, mit der die Trump-Regierung die Wahlposition rechtsextremer Parteien stärkte, sind die Verurteilung der Absage der rumänischen Wahlen durch das US-Außenministerium wegen Menschenrechtsverletzungen und die Gewährung von Sanktionsausnahmen zugunsten Ungarns, um die Popularität der dort regierenden rechtsextremen Regierung zu erhalten.
2. Treffen und Schaffung der Situation für den Aufstieg rechtsextremer Gruppen
Im vergangenen Jahr führte Trump im Weißen Haus eine Reihe von Treffen mit führenden Vertretern dieser Gruppen durch. Unter den Teilnehmern waren die italienische Ministerpräsidentin, der polnische Präsident, der ungarische Ministerpräsident, der slowakische Ministerpräsident sowie Vertreter der deutschen AfD. Darüber hinaus verurteilte das US-Außenministerium jegliche innenpolitischen Maßnahmen in Europa, die die politische Präsenz dieser Parteien einschränken sollen, wie etwa die Einstufung der AfD als rechtsextrem durch den Bundesnachrichtendienst.
3. Konfrontation mit Gesetzen und liberalen europäischen Regierungsverantwortlichen
Neben verbalen Auseinandersetzungen und Twitter-Streitigkeiten haben die USA einige europäische Regierungsverantwortliche wegen dessen, was sie als „Zensur in sozialen Medien“ bezeichnen, mit Sanktionen belegt. Dieses Vorgehen sowie die Drohung, bestimmte Dienste – darunter den Starlink-Satelliten – einzustellen, stellen eine ernsthafte Herausforderung für die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen der EU im Technologiebereich dar.
Trotz der Vielfalt dieser Maßnahmen ist festzuhalten, dass Europa nicht mehr zu den obersten strategischen Prioritäten der Trump-Regierung gezählt wird. Daher beschränkt sich die Unterstützung rechtsextremer Bewegungen weiterhin hauptsächlich auf indirekte Aktionen, die mit den kurzfristigen Interessen der amerikanischen Regierungsverantwortlichen verknüpft sind. Gleichzeitig sind die wichtigsten Faktoren, die Bürger zu rechtsextremen Parteien treiben, nach wie vor die Zusammensetzung und Leistung liberal-konservativer Parteien sowie die wirtschaftliche Lage. Diese Faktoren waren im vergangenen Jahr entscheidend für die Popularität dieser Bewegungen. Der verbale Druck der Trump-Regierung, die politische Isolation rechtsextremer Parteien zu beenden, hat bisher keine entscheidende Wirkung gezeigt. Dies gilt insbesondere, da in einigen Ländern wie Frankreich eine weit verbreitete negative Haltung gegenüber Trump und der MAGA-Bewegung herrscht und es für manche rechtsextreme Bewegungen sogar vorteilhafter ist, sich von Trump abzugrenzen.
Die Maßnahmen der US-Regierung haben nicht nur Europa, sondern auch die wirtschaftliche und politische Stabilität der USA selbst untergraben. Angesichts des zunehmenden Einflusses rechtsextremer Bewegungen und Trumps fortgesetzter Bemühungen, die politische und kulturelle Atmosphäre Europas zu verändern, dürfte der Kontinent in den kommenden Jahren vor tiefgreifenden wirtschaftlichen, politischen und sozialen Herausforderungen stehen. Dies erfordert einen transparenten, kohärenten und realistischen Umgang mit der Trump-Regierung und den rechtsextremen Bewegungen.
Um aus dieser Situation herauszukommen, wird Europa letztlich vor der Wahl zwischen zwei schwierigen Optionen stehen: Entweder bleibt es weiterhin von den USA abhängig oder es strebt eine Deeskalation mit Russland an und versucht, ein Maß an vollständiger Unabhängigkeit von den USA zu erreichen.