Hat die Welt die Führungsrolle der USA tatsächlich akzeptiert?
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ParsToday– Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen behauptete, die Welt habe die Führungsrolle der USA begrüßt.
(last modified 2026-02-14T07:11:12+00:00 )
Feb 14, 2026 08:10 Europe/Berlin
  • Mike Waltz, der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen
    Mike Waltz, der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen

ParsToday– Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen behauptete, die Welt habe die Führungsrolle der USA begrüßt.

Laut ParsToday behauptete Mike Waltz, der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, dass viele Länder die Rückkehr der USA in die Rolle der globalen Führungsmacht begrüßt hätten.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz verteidigte Waltz die umstrittene Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA. Er erklärte, die erneute Stärkung der globalen Führungsrolle der USA sei von einigen Ländern hinter den Kulissen begrüßt worden. Er betrachte diesen Schritt als Zeichen „amerikanischer Führungsstärke“ und fügte hinzu, dass ausländische Regierungsvertreter ihn in vertraulichen Gesprächen wiederholt gelobt hätten. Waltz’ Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund breiter internationaler Kritik an der US-Militäraktion in Venezuela und der Entführung Maduros.

In Bezug auf den UN-Haushalt behauptete Waltz außerdem, die Vereinigten Staaten seien bestrebt, die Institution zu ihren ursprünglichen Prinzipien zurückzuführen. Der Schwerpunkt solle dabei auf Friedensstiftung und Friedenssicherung liegen. Zudem wolle man Rollen besetzen, die ineffektiv geworden seien.

Die Behauptung des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen, die Führungsrolle der USA werde weltweit weitgehend akzeptiert, steht im Widerspruch zu den Ereignissen vor Ort sowie zu den strukturellen Tendenzen des internationalen Systems. Eine Untersuchung des Verhaltens von Regierungen, internationalen Institutionen und der öffentlichen Meinung in verschiedenen Regionen zeigt, dass die USA zwar weiterhin versuchen, sich als zentraler Akteur auf der Weltbühne zu positionieren, „Führung” jedoch nicht gleichbedeutend mit „Interventionismus und Zwang” ist.

Die geopolitischen Entwicklungen des letzten Jahrzehnts spiegeln den Trend des internationalen Systems hin zu einer multipolaren Weltordnung wider. Groß- und Mittelmächte streben nach mehr strategischer Autonomie. Selbst die Europäische Union, traditioneller Verbündeter und Partner Washingtons, betont zunehmend das Konzept der „strategischen Autonomie“, insbesondere nach Sicherheitskrisen wie dem Ukraine-Krieg, der Energiekrise und dem anhaltenden Druck der USA, ihre Sicherheitsverantwortung selbst zu tragen. 

Die Außenpolitik vieler Schwellenländer – insbesondere der BRICS-Staaten – basiert auf dem Prinzip des Machtgleichgewichts. Länder wie Indien, Brasilien und Südafrika haben in den letzten Jahren ihre Wirtschafts- und Sicherheitsbeziehungen sowohl zum Westen als auch zum Osten ausgebaut. Mit diesem Vorgehen bekunden sie ihren Wunsch nach einer multilateralen und flexiblen internationalen Ordnung, anstatt ein unilateralistisches System unter US-amerikanischer Führung zu akzeptieren. Auch der Ausbau der Süd-Süd-Kooperation und die Stärkung internationaler Gruppierungen wie BRICS weisen auf denselben Trend hin.

Der Großmachtwettbewerb bleibt jedoch ein wesentliches Hindernis für einen globalen Konsens über die Führungsrolle der USA. China versucht, seinen institutionellen und finanziellen Einfluss durch transnationale Wirtschafts- und Infrastrukturprojekte auszuweiten, und betont gleichzeitig den rasanten Ausbau seiner militärischen Kapazitäten für eine mögliche Konfrontation mit den Vereinigten Staaten. Auch Russland ist bestrebt, seine Position in der Sicherheitspolitik – zumindest auf europäischer Ebene – mit militärischen Mitteln zu festigen. Die aktive Präsenz dieser Akteure veranlasst viele Länder, alternative Kooperationsmöglichkeiten zu prüfen und eine Abhängigkeit von Washington als nicht mehr notwendig zu erachten.

Politische Differenzen zwischen den USA und ihren traditionellen Partnern – insbesondere Europa – sowie sogar gravierende Differenzen mit Kanada in Handelsfragen, Trumps Forderung nach einem Beitritt Kanadas zu den USA und die Spannungen zwischen den USA und Dänemark wegen Washingtons Anspruch auf Grönland untergraben die Illusion einer „weltweiten Akzeptanz der amerikanischen Führungsrolle“. Gleichzeitig zeigen Beispiele wie die Spannungen zwischen den USA und ihren westlichen Partnern in Bezug auf Handelspolitik, Sanktionen oder den Umgang mit regionalen Krisen, dass selbst im westlichen Block die Führungsrolle Washingtons nicht unumstritten ist.

Die globale öffentliche Meinung gegenüber der US-Führung ist, insbesondere während der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, sehr negativ. Internationale Umfragen der letzten Jahre zeigen, dass das Misstrauen gegenüber den Militärinterventionen, der Sanktionspolitik und der Doppelmoral Washingtons wächst.

Schließlich hat sich das Konzept globaler Führung im 21. Jahrhundert gewandelt. Viele Regierungen streben eine „Netzwerkführung“ an, die auf Partnerschaft, gemeinsamen Regeln und der Verteilung von Pflichten beruht.