Gefahr der IS-Terrormiliz in Afghanistan und ihre Bekämpfung (1)
Die Aktivitäten der IS-Terroristen in Afghanistan haben zugenommen. Anfangs haben die afghanische und pakistanische Regierung die Terrordrohungen des so genannten Islamischen Staates nicht ernstgenommen. Doch diese brachiale Gruppe hat mit ihren Terroraktionen die Sicherheit beider Länder ernsthaft in Gefahr gebracht. Wir werden in einem mehrteiligen Beitrag betrachten, welche Ziele diese Terrorgruppe in Afghanistan verfolgt und ob sie dort bodenständig werden kann.
Mitten im islamischen Erwachungsprozess im Nahen Osten, der irreführend als Arabischer Frühling hingestellt wird, begann die Terrorgruppe Daisch (ISIS) 2013 in dieser Region ihre Aktivitäten. Viele vertreten die Ansicht, dass diese Terrorgruppe eine Abzweigung der Al Kaida ist die zu besonderen Zwecken seitens der westlichen Informationsdienste hervorgerufen wurde. Diese Zweiggruppe begann ihre terroristischen Aktivitäten in Syrien und dehnte sie dann auf Irak aus. Außerdem sind viele der Ansicht, dass mit Ankunft der IS-Terrorgruppe in Afghanistan die letzte Wachstumsphase dieser Gruppe eingetreten ist. Diese Terrorgruppe will nun ihr Ziel der Gründung eines Groß-Chorasans verwirklichen.
Schon vor fast zwei Jahren meldete die IS-Terrorgruppe ihre Präsenz in Afghanistan. Sie hat für alle Fälle eine neue Front in Afghanistan eröffnet, um bei einer Niederlage in Syrien oder Irak einen Ort zur Umquartierung ihrer Kräfte zu haben und die IS-Terrorgruppe in Afghanistan neu zu organisieren. Viele sind davon überzeugt, dass die Präsenz der IS-Terrormiliz in Afghanistan Teil einer gezielten US-Politik ist, die Terrorgruppen in den Afghanistan zu versammeln und sie auf Mittelasien und auf den Kaukasus zu verteilen.
Die IS-Terrorgruppe will mit ihrer Hypothese über die Bildung eines Kalifats demonstrieren, dass sie eine eigenständige Organisation mit besonderen Zielen ist, um sich auf diese Weise unter den Sunniten Anerkennung zu verschaffen. Durch eine eigenwillige falsche Deutung von islamischen Überlieferungen versucht diese Terrorgruppe die Gründung eines Chorusan-Kalifats in Afghanistan religionsrechtlich zu rechtfertigen. Deshalb verfolgt sie ihre Ziele völlig ernsthaft mit der Bekanntgabe, das Chorasan-Kalifat in Afghanistan gegründet zu haben.
Um ihre üblen Ziele in Afghanistan voranzutreiben und die Bevölkerung, insbesondere die junge Generation für sich zu gewinnen, stellt sich die IS-Terrorgruppe als eine Gruppe mit hohen Zielen, im Besitz von logistischen militärischen Möglichkeiten und außerordentlichen Finanzquellen vor. In der IS-Terrormiliz in Afghanistan gibt es neben Arabern bereits Afghanen und Pakistaner, aber auch Usbeken, Tschetschenen, Tadschiken und Uiguren aus China.
Warum haben die IS-Terroristen Afghanistan als ihren Sitz ausgesucht und intensivieren ihre Aktivitäten in diesem Land? Bei der Begründung spielen regionale und internationale und inländische Fragen mit. Was die inländischen Probleme anbetrifft so ist der russische Rat für Außenbeziehungen der Ansicht, dass Armut, familiäre Probleme und der seelische Zustand zu den Faktoren gehören, welche die Terrorgruppe IS auszunutzen hofft um in Afghanistan Kräfte für sich zu gewinnen. Afghanistan gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, in der noch Volksstämme lokal herrschen. Zwar gibt es ein Parlament und eine Zentralregierung in Afghanistan, aber die Regierung in Kabul ist nicht mächtig genug, ihre Souveränität landesweit zum Zuge zu bringen. Außerdem herrschen tiefe soziale, politische und wirtschaftliche Klüfte, welche die Konvergenz zur Bildung eines einheitlichen Volkes verhindern.
Es leben Millionen von Afghanen als Auswanderer in anderen Ländern. Auch das hat dazu beigetragen, dass sich einige von ihnen den Extremisten und Terrorgruppen anschließen. Ein weiterer Grund ist die verbreitete Korruption im Regierungsapparat – von der Exekutive bis zur Judikative und Legislative des Landes, ebenso wie deren Unfähigkeit die Probleme der Bevölkerung zu lösen. Dies hat die Unzufriedenheit unter den Bürger zunehmen lassen und dient den gewalttätigen Gruppen als Aufhänger um Mitglieder anzuwerben.
Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) gab vor kurzen bekannt, dass die Afghanen im Jahr normalerweise 3.9 Milliarden Dollar Bestechungsgeld zahlen müssen, damit ihre Angelegenheiten vorwärts kommen. Der Vorsitzende der Nationalkoalition Afghanistans NCA ist der Meinung, dass die Unzufriedenheit der afghanischen Bevölkerung mit der Regierung auf Mängel der Gesetzgebung und der Verwaltung und fehlende Unterstützung für die bestehenden Gesetze sowie die weitgehende Korruption zurückgeht. Diese Zustände würden die Aktivitäten der Terrorgruppen sowie der Menschenschmuggler begünstigen.
Ein weiterer negativer Umstand im Inland ist die Zersplitterung der Taliban in mehrere Gruppen. Dadurch bietet sich der IS-Terrormiliz eine Gelegenheit Leute, die sich von der Taliban abgewandt haben oder deren Reformpolitik ablehnen, anzuwerben. Die Uneinigkeit der Taliban hat ungefähr vor zwei Jahren begonnen, als der Tod des Ex-Führers Mulla Omar bekannt gegeben wurde. Sie hat erst recht nach Tötung des nächsten Anführers Mulla Achtar Mansur zugenommen. Von Mulla Rasul wurde eine neue Gruppe gegründet, die sich laufend mit den Taliban unter Führung von Mullah Achtar Mansur anlegte.
Zwar ist Mulla Heybatullah nach der Tötung von Mullah Achtar Mansur zum Anführer der Taliban gewählt worden, aber auch er konnte die Taliban nicht vereinigen. Wegen der Spaltung innerhalb der Taliban sind einige von ihnen zu den IS-Terroristen übergelaufen. Einige Taliban-Befehlshaber haben sich auch mit hohen Summen von der IS-Terrormiliz anheuern lassen.
Die Taliban haben ein Bündnis mit dieser Gruppe dementiert und hinsichtlich deren Aktivitäten in Afghanistan gewarnt. Aber sie haben finanzielle Probleme. Die IS-Terrormiliz scheint mit Hilfe finanzieller Unterstützer wie Saudi-Arabien und die USA und der Plünderung der syrischen und irakischen Ressourcen große Summen in die Anwerbung von Taliban-Mitgliedern zu investieren. Es sind Kräfte, die jahrlange Kriegserfahrung mit sich bringen.
Auch ist der Anbau von Schlafmohn und die Produktion von Drogen zusammen mit den reichen Lagerstätten in Afghanistan für die IS-Terrormiliz ein großer Anreiz, zumal diese Terrorgruppe schwere Niederlagen in Irak und Syrien hinnehmen musste und sie ihre finanziellen Ressourcen in diesen Ländern, darunter die Ausfuhr von Erdöl mit Hilfe der Türkei aus der Hand verloren haben. Daher wollen sie an neue zuverlässige Einkommensquellen gelangen wie die in Afghanistan. Afghanistan ist nach wie vor der größte Drogenproduzent auf der Welt und der Drogenanbau – und Drogenhandel gelten als wichtigste finanzielle Quelle für die gewaltsamen und extremistischen Gruppen in diesem Land.
Das Bundesamt für Drogenbekämpfung Russlands gab vor kurzem bekannt, dass das Budget Afghanistans im Jahre insgesamt 13 Milliarden Dollar beträgt, während sich die Menge an Drogen, die in diesem Land erzeugt werden Jahre, auf 150 Milliarden Dollar beläuft. Laut Bericht dieses Büros hat die Anbaufläche mit Drogenpflanzen in Afghanistan in den letzten Jahren um 60 Prozent zugenommen. Der größte Anteil dient dem Opiumanbau. Afghanistan produziert gemäß Berichten nach wie vor 80 Prozent des gesamt Rohopiums der Welt.
Weil die Gewinnung und der Schmuggel von Drogen in Afghanistan anhält, blieb den dortigen Terroristen und gewaltsamen Gruppen in Afghanistan auch ihre wichtigste Einkommensquelle erhalten. Als 2001 die USA angeblich zur Bekämpfung des Terrorismus Afghanistan angriffen und dieses Land besetzten, haben sie nichts unternommen um diese finanzielle Quelle der Terroristen zu vernichten. Daher konnten die Terrorgruppen in Afghanistan ihre Existenz fortsetzen und hat nun auch die IS-Terrorgruppe Afghanistan gewählt, um dort ihre Position zu verstärken. Die Terrogruppe IS ist, unter Nutzung ihrer Erfahrungen bei der Besetzung der Ölressourcen in Syrien und Irak bestrebt, die Gebiete in Afghanistan, wo viel Opium angebaut wird oder wo es viele größere Lagerstätten gibt, zu besetzen, um so an eine gute Einkommensquelle zu gelangen. Daher hat die IS-Terrormiliz für die erste Phase ihrer Präsenz in Afghanistan die Provinz Helmand ausgesucht, wo am meisten Opium angebaut wird. Auch die Taliban war bestrebt, diese Provinz unter ihre Kontrolle zu bringen, so dass es zwischen ihnen und der IS-Terrormiliz zu Konfrontationen kam.
Afghanistan verfügt außerdem über Lagerstätten im Werte von circa 3 tausend Milliarden Dollar. Das Ministerium für Bergbau Afghanistan hat die IS-Terrorgruppe als eine ernsthafte Gefahr für die noch junge Lagerstättenindustrie in diesem Land bezeichnet.
Eine weitere Methode der IS-Terrorgruppe zur Erreichung einer starken Präsenz in Afghanistan ist die Verbreitung von Angst und Schrecken durch Massaker an der Bevölkerung, insbesondre an Frauen und Kindern. Durch grausame Taten wollen sie die Bestrafung für eine Nicht-Zusammenarbeit mit ihr in Afghanistan verschärfen.
Molavi Habibullah Hesam, der Vorsitzende einer islamischen Organisation namens Schuraye Achwat Islami Afghanistan, hat die Massaker an Unschuldigen insbesondere in Dschalalabad, dem Zentrum der südostafghanischen Provinz Nangahar verurteilt und alle Bürger Afghanistans insbesondere die Gelehrten aufgerufen, sich zur Stärkung der nationalen Einheit und Bekämpfung der Feinde der Religion, des Korans und der Bevölkerung dieses Landes zu erheben. Die Rolle der Gelehrten erklärte er als schicksalsbestimmend bei der Bekämpfung der IS-Terroristen und rief sie auf, mittels der öffentlichen Medien und von den Moscheen aus die Bevölkerung darüber aufzuklären, dass die angeblich islamischen Aktivitäten der Terror- und gewaltsamen Gruppen in Afghanistan und anderen Gebieten, nichts mit dem Islam zu tun haben.
In Afghanistan gibt es jedenfalls zwei Standpunkte zu der IS-Präsenz. Die einen betrachten die Aktivitäten der IS-Terrormiliz in Afghanistan als Aktivitäten, zur Erzeugung von Angst und Schrecken, betrachten das Land aber nicht als geeignet für darüber hinausgehende IS-Pläne. Aber eine andere Gruppe nimmt die Sache ernster und ist der Ansicht, dass die IS-Präsenz in Afghanistan für die ganze Region eine Gefahr darstellt.