Bin Salmans Rundreise- Erniedrigung in Argentinien - Abweisung in Afrika
Der Kronprinz Saudi Arabiens, Muhammad bin Salman trat am 22.November 2018 seine ersten Auslandsreisen nach der Ermordung von Jamal Khashoggi , dem regimekritischen saudi-arabischen Journalisten an. Er begegnete auf seinen Reisen Ablehnung und Protesten.
Muhammad Bin Salman, der im Gefolge der Ermordung von Khashoggi dem schweren Druck der öffentlichen Meinung international ausgesetzt ist, hat versucht, sich durch Reisen in mehrere Länder , von diesem Druck zu befreien, aber das Gegenteil passierte und er begegnete noch mehr Offensiven.
Der saudische Kronprinz hält sich sehr mächtig, weil er von der Administration des US-Präsidenten Donald Trump und Netanjahu, dem israelischen Premierminister, Unterstützung erhält, doch auf seiner jüngsten Reise in mehrere afrikanische Länder und nach Argentinien geriet seine politische Legitimierung ins fragliche Licht und zeigte sich, dass er kein Ansehen unter der Bevölkerung bzw. den Staatsoberhäuptern der Länder genießt.
Herabsetzung in Argentinien:
Die Videoaufnahmen aus der Hauptstadt von Argentinien zeigen wie sehr Bin Salman von den anderen Teilnehmer an der Sitzung der Gruppe 20 geringschätzig behandelt wurde. Kein Regierungspolitiker wollte dem saudischen Kronprinzen die Hand reichen oder sich zusammen mit ihm fotografieren lassen. Nur die kleine Unterhaltung, die der russische Staatspräsident Wladimir Putin mit ihm führte, konnte dem erniedrigten Mohammad bin Salman ein Lachen abzwingen.
Die US-Zeitung Wallstreet Journal schrieb: Mohammad bin Salman, der saudische Kronprinz bekam die Folgen der Mordgeschichte Jamal Khashoggi, des regimekritischen saudi-arabischen Journalisten während des Gipfels der Gruppe 20 zu spüren. Um seine Unschuld an dem Mord von Jamal Khashoggi zu demonstrieren, war er bereit, die Gleichgültigkeit der Staatsoberhäupter, die an der Sitzung der Gruppe 20 teilnahmen und die Schmach in einer Ecke alleine herumzustehen, zu ertragen.“
Der saudische Kronprinz fand auch am Rande der Sitzung der Gruppe 20 am 30. November und 1. Dezember 2018 wenig Beachtung seitens der politischen Oberhäupter. Kaum jemand war zu einem bilateralen offiziellen Treffen mit ihm bereit. Selbst US-Präsident Donald Trump nicht , der auf Kosten des Ansehens seines Landes im Zusammenhang mit dem Mord an Khashoggi für den saudischen Kronprinz Partei ergreift. Auch er hatte kein offizielles Treffen mit Bin Salman am Rande der G-20-Sitzung.
Während Mohammad Bin Salman sich in Argentinien aufhielt, hat die amnesty international sogar die Staatsanwaltschaft Argentiniens aufgefordert, Untersuchungen über die Verbrechen Bin Salmans im Jemen und den Mord an Jamal Khashoggi durchzuführen.
Die französische Zeitung Le Figaro schrieb: „Mohammad bin Salman ist zu einer Herausforderung für die internationale Völkergemeinschaft geworden. Seine Reise nach Buenos Aires löste in den argentinischen Medien Diskussionen aus. Die Leibwächter von Mohammad Bin Salman konnten nicht das Gelände der saudi-arabischen Botschaft in Argentinien betreten und Mohammad bin Salman war gezwungen, das Fahrzeug zu verlassen und zu Fuß alleine den Rest des Weges zu gehen.“
Aufsehen erregender Afrikabesuch
Der saudische Thronanwärter Bin Salman hatte vor seiner Argentinienreise erst die Emirate am Persischen Golf und Bahrain aufgesucht und war dann nach Ägypten und Tunesien weitergeflogen. Nach der Rückkehr aus Argentinien war er noch in den zwei afrikanischen Staaten Mauretanien und Algerien. Dieser eigenwillige Kronprinz der Saudis, der sich darauf vorbereitet den Thron zu besteigen, sah sich während seiner Afrikarundreise weitgehenden Protesten der Bevölkerung gegenüber. Deutlich zu sehen war, dass Bin Salman nicht von der Bevölkerung willkommen geheißen wurde. Das war zum Beispiel daran zu sehen, dass die Pressekonferenzen des saudischen Thronanwärters in den Hauptstädten der afrikanischen Länder abgesagt wurden. Die Reise-Initiative Mohammad bin Salmans zur Aufbesserung seines Images nach der Geschichte mit dem Mord an Khashoggi wurde mit Ablehnung oder einem kühlen Empfang erwidert.
Der saudische Kronprinz traf am 2. Dezember nach seiner Rückkehr aus Argentinien für einen eintägigen Aufenthalt im nordwestafrikanischen Mauretanien ein und flog in den letzten Abendstunden nach Algerien, um zwei Tage in der Hauptstadt dieses Landes, Algier, zu bleiben. Sein Besuch in Algier war von dem Bevölkerungsprotest gegen den Gast der Regierung überschattet. Dutzende Zeitungsreporter, Autoren, Rechercheure und Aktivisten auf dem Gebiet von Bürgerrechten und Gesellschaft des Landes gaben eine Erklärung heraus, in der sie kundgaben, dass sie gegen den Besuch des saudi-Arabischen Kronprinzen in ihrem Land sind. Sie forderten, dass dieser Besuch gestrichen wird. Schließlich verließ Bin Salman am Montag den 3. Dezember abends Algerien, ohne ein sichtbares Ergebnis erzielt zu haben. Auch die Pressekonferenz in Algerien wurde wie in den anderen afrikanischen Ländern abgesagt.
Die Internetanwender in Algerien haben in den Sozialen Netzen eine Beschwerde gegen die Reise von Bin Salman veröffentlicht. In dieser Beschwerde, die von 1800 Personen unterschrieben wurde, hieß es:
„Der saudische Kronprinz und Kandidat Nummer eins für die Übernahme der Herrscherkrone hat das Gesicht eines Reformers aufgesetzt, aber dies ist eine Täuschung. Die jüngsten Schritte des saudischen Kronprinzen zeugen klar von den verbrecherischen Methoden dieses Staates.“
Die militärische Einmischung Saudi Arabiens in Jemen und die Verantwortung bin Salmans für den Mord an Jamal Khashoggi und die weitgehende Unterdrückung der zivilen Freiheitsrechte in Saudi Arabien haben die Reaktionen der Aktivisten in Nordafrika gegen die Reise des saudischen Kronprinzen in diese Region hervorgerufen. Die Bevölkerung und Politiker in Ägypten, Tunesien, Mauretanien und Algerien sind davon überzeugt, dass Bin Salman diese Länder aufgesucht hat, um seine Hände in Unschuld zu waschen und damit seine Akte mit Verbrechen, darunter den Terroranschlag auf Jamal Khashoggi, abgelegt wird.
Gipfel der Proteste in Tunesien:
In Tunesien erreichten die Proteste gegen die Reise des saudischen Thronanwärters ihren Höhepunkt. Mit einer Großdemonstration auf der Avenue Habib Bourguiba im Zentrum von Tunis, der tunesischen Hauptstadt, gaben die Tunesier ihre Ablehnung gegen den Besuch von Bin Salman in ihrem Land kund. Im Rahmen seiner Reisen in afrikanische Staaten war der saudische Kronprinz am 27. November 2018 in Tunesien eingetroffen.
Das Nachrichtenportal Al Arabi al Jadeed berichtete: Die Großdemonstration in Tunis fand unter Teilnahme der tunesischen Parteien, Organisationen und Bürger statt und die Demonstranten gaben Parolen aus in denen sie die „Besudelung der Heimat der Revolution“ verurteilten, die „Normalisierung der Beziehungen zu Saudi Arabien als Vergehen“ bezeichneten und die Forderung nach „Rettung Jemens“ stellten und auf diese Weise ihren Protest gegen die jüngste Reise von Mohammad bin Salman nach Tunesien offenkundig machten.
Außerdem haben 50 Rechtsanwälte in Tunesien am 27. November 2018 auf Antrag einer Gruppe von Journalisten und Blog-Autoren eine Klageschrift aufgestellt, um die Einreise des saudischen Kronprinzen zu verhüten. Nicht nur die Bürger und Parteien haben Opposition zu der jüngsten Reise Bin Salmans nach Tunesien ergriffen, sondern auch Akademiker. Eine Union bestehend aus Lehrpersonen für die Orientierungs- und Gymnasialstufe genannt landesweite Universität für Gesamtlehre hat in einer Erklärung bekanntgegeben, dass sie dagegen sind dass - so hieß es wörtlich . der tunesische Boden durch die Füße des saudischen Kronprinzen, der ein Kriegsverbrecher ist, beschmutzt werden. Es hieß in dieser Erklärung: „Die Geschichte zeugt von den schrecklichen Schritten und den Verbrechen Mohammad Bin Salmans, welcher der Söldner der imperialistischen und zionistischen Kreise ist, und dennoch hat die internationale Gemeinschaft dazu geschwiegen.“
Rückkehr Bin Salmans mit leeren Händen
Viele Sachverständigen sagen, dass der saudische Kronprinz diplomatische Schritte unternehmen muss, bevor er den Königsthron besteigen kann und damit er trotz der Vorwürfe nach dem abscheulichen Mord an Jamal Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul mit der Unterstützung der arabischen und afrikanischen Länder rechnen kann. Doch diese Ziele hat der saudische Kronprinz während seiner jüngsten Rundreise wohl nicht erreichen können. Vielmehr kam die Ablehnung der mittelalterlichen politischen Methoden von Bin Salman deutlicher als je zuvor zum Vorschein, obwohl er versucht hatte, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Abdul Razaq Maqari Leiter der Partei Bewegung der Friedensgesellschaft (Mouvement de la Société de la Paix) der größten Islamischen Partei Algeriens, ist der Überzeugung: Mohammad Bin Salman ist für den Tod von vielen Kindern in Jemen verantwortlich. Er ist ebenso an der Tötung von Intellektuellen und Oppositionellen mit Methoden der IS-Terrormiliz schuld. Der saudische Kronprinz trägt die Verantwortung für den Mord an Jamal Khashoggi.“
Der saudische Kronprinz hat viel Geld für seine Reisen in die arabischen und afrikanischen Staaten und nach Argentinien ausgegeben, aber diese Reisen brachten ihm keinen Gewinn ein. Im Gegenteil: Während dieser Rundreise wurde das menschenrechtsfeindliche Gesicht Saudi Arabiens in der Gestalt Mohammad bin Salmans noch deutlicher als zuvor und es zeigte sich, dass Öldollars nicht für einen Staat oder einen einflussreiche Persönlichkeit genügen, um Ansehen zu erwerben.