Das Biosphärereservat Hamun-See im Iran
Seit kurzem zählt der Hamun-See im Südosten Irans zu den Feuchtgebieten auf der Liste des Internationalen Ramsar-Sekretariats.
Dieses Sekretariat gilt dem Schutz solcher Gebiete und arbeitet eng mit der UNESCO und der IUCN – der internationalen Union zur Bewahrung der Natur und Naturressourcen - (auch Weltnaturschutzunion) zusammen.
Die iranische Hochebene bildet mehr als 80 Prozent des iranischen Territoriums und weist mit ihren Gebirgen und Hügellandschaften, Flussebenen, Wüsten und Steppen eine große Abwechslung auf. Obwohl Iran auf dem ariden bzw. halbariden Klimagürtel liegt, besitzt das Land auch Kleinklimate, die davon abweichen, d.h. in einigen Gegenden ist das Klima sehr kalt und in anderen wiederum sehr heiß – in einigen sehr feucht in anderen sehr trocken.
Die Vielfalt iranischer Feuchtgebiete ist unter anderem diesen klimatischen Unterschieden, der abwechslungsreichen Morphologie und den beiden großen Meeren – im Norden das Kaspische Meer und im Süden der Persische Golf - zu verdanken.
Im Februar 1971 wurde die Ramsar-Konvention unterzeichnet. Es ist ein internationales Abkommen für den Schutz von so genannten Feuchtgebieten. Zunächst unterzeichneten es die Vertreter der teilnehmenden 18 Länder; heute beträgt die Zahl der Mitglieder 169. Der Tag, an dem diese Konvention im iranischen Ramsar am Kaspischen Meer unterzeichnet wurde, nämlich der 2. Februar, wurde zum Welt-Feuchtgebietstag ernannt. Dank dieser Konvention ist auch eine Liste von den wichtigen Feuchtgebieten auf der Welt angefertigt worden, die als Ramsar-Liste bekannt wurde.
Die meisten Seen und Feuchtgebiete weist England auf, während Kanada mit 130 Tausend Quadratkilometer Seegebieten flächenmäßig den Rekord hält.
Der ständige Sitz der Ramsar-Konvention ist in der Schweiz.
Von den 42 Arten von Seen, die die Ramsar –Konvention weltweit festgestellt hat, gibt es mit Ausnahme einer Art alle im Iran, was für den Abwechslungsreichtum bei den iranischen Feuchtgebieten zeugt. Entsprechend der Größe des Landes gibt es viele Feucht- und Seegebiete im Iran. Die Flächengröße dieser Gebiete variiert von wenigen bis zu mehr als 500 Tausend Hektar.
Zu den Feucht- und Seegebieten in Iran zählen zum Beispiel der Alma-Gol –See und die Gorgan-Bucht in der nördlichen Provinz Golestan, der Amir Kalaayeh- See und die Anzali-Lagune in der nördlichen Provinz Gilan am Kaspischen Meer , die Mündungen von Salz- und Süßwasserflüssen von Minab in der am Persischen Golf gelegenen Provinz Hormozgan, der Gavkhuni -See in der zentraliranischen Provinz Isfahan - der Hamun-e Saberi- und Hamun-e Helmand –See in Sistan und Balutschistan, Südost-Iran oder auch der salzhaltige Urmia-See im Norden des Landes.
Unter von der Ramsar-Konvention geschützte so genannte Feuchtgebiete (englisch: Wetland – auf Farsi Talaab –) sind Gebiete zu verstehen, die im Übergangsbereich von trockenen zu dauerhaft feuchten Ökosystemen liegen. Sie entstehen, wenn sich Wasser nahe der Erdoberfläche angesammelt hat oder flache Gewässer bildet. Dazu zählen Moor- und Marschland und Sümpfe, sowie ständige und vorübergehende Süß- oder Salzwasserbecken. Meeres-Teile, die bei Ebbe nicht mehr als 6 m Tiefe erreichen, werden auch als Feuchtgebiet betrachtet.
Es fallen auch Seen, Küstengebiete, Hara-Mangrovenwälder und Korallenriffe darunter. Aber auch künstliche Seen wie die Becken zur Fisch- und Garnelenzucht, feuchte landwirtschaftliche Anbauflächen wie Reisplantagen, Salzauffangbecken, die Wasserspeicher an Staudämmen, und Wasserkanäle gehören dazu. Feuchtgebiete sind von großer ökologischer Bedeutung und wichtig für die landwirtschaftliche Produktion. Zum Beispiel bildet der Reis aus den Reisplantagen das wichtigste Nahrungsmittel für die Hälfte der Weltbevölkerung.
Die Feuchtgebiete sind Ökosysteme die zur biologischen Vielfalt beitragen. Sie spielen durch die Bereitstellung von Wasser und Lebensräumen eine wichtige Rolle für verschiedene Pflanzen- und Tierarten. Feuchtgebiete beheimaten viele Vögel- und Säugetiere, Reptilien, Fische und Wirbellose. Circa 40 Prozent der Fische leben in Süßwassergewässern. Diese Gebiete gelten auch als sehr wichtiger Speicher für genetisches Material.
Die physikalischen, biologischen und chemischen Bestandteile eines Feuchtgebietes – wie Boden, Wasser, Flora und Fauna und ihre Wirkung und Wechselwirkung lassen diese Gebiete mehrere vitale Funktionen erfüllen.
Zum Beispiel: Speicherung von Wasser, Schutz gegenüber Sturm und Reduzierung von Überschwemmungsschäden, Festigung von Küstenlinien und Eindämmung der Erosion, Speisung der Grundwasserspeicher oder Aufnahme von Grundwasser , Filterung des Wassers und lokaler Klimaausgleich.
Die Feuchtgebiete des Irans, der in Südwestasien und im südlichen Teil der nördlichen Erdhalbkugel liegt, bieten Lebensraum für mehr als 140 Arten von Zugvögeln und einheimische Vogelarten.
63 Vogelarten die in diesen Gebieten leben, können dort dank der Sicherheit und der vorhandenen Nahrung und den geeigneten klimatischen Bedingungen brüten. 77 Arten halten sich im Herbst und Winter in diesen Gebieten auf. Zurzeit verbringen ein bis zwei Millionen Wasservögel bzw. Ufervögel den Winter in iranischen Feuchtgebieten. Von den 20 Vogelarten im Iran die vom Aussterben bedroht sind, leben 6 Arten von Wasservögeln in solchen Gebieten. Der drittgrößte Binnensee Irans – der Hamun-See - ist ein Feuchtgebiet. Er wurde vor kurzem als 12. Biosphärenreservat Irans von der UNESCO in das Weltnetz der Biosphärenreservate aufgenommen.
Die Akte des Hamun-Sees wurde auf dem vierten internationalen Kongress für Biosphärenreservate und auf der 28. Sitzung des internationalen UNESCO-Programms „Mensch und Biosphäre“ in Peru untersucht und bewilligt. Auf dieser Sitzung wurden 20 neue Biosphärenreservate in das Weltnetz dieser Reservate, welches mittlerweile 669 Reservate von 120 Ländern enthält, aufgenommen. 16 der Reservate gehören zu mehr als einem Land.
Der Hamun-See ist auch ein Grenzsee und gehört zu Iran und Afghanistan. Er ist einer der größten Seen der Welt und der größte Süßwassersee auf dem iranischen Hochplateau. Er liegt mit einer Tiefe zwischen 1 bis 5 m in der Provinz Sistan und Balutschistan im Südost-Iran, nahe der Kawir-Wüste. 14 Vogelarten, die sich von Fischen ernähren, leben an diesem See.
Dieser See besteht aus 3 Seebecken die bei niedrigerem Wasserbestand auseinanderliegen und sich Hamun-Puzak, Hamun Saberi und Hamun Helmand nennen. Bei großer Wassermenge schließen sich die drei kleinen Seen zum Hamun-See zusammen.
Der Helmand-Fluss (im Iran Hirmand genannt) versorgt den See mit dem meisten Wasser , aber auch weitere Flüsse ergießen sich in den See nämlich Khash-Rud, Farah-Rud , Harut-Rud, Schur-Rud, Husain Abad-Rud und Nehbandan.
Der Hamun-See hat bei maximaler Wassermenge eine Fläche von 5660 Quadratkilometer. 3820 Quadratkilometer gehören zu Iran und der Rest zu Afghanistan. Die Größe des Sees hängt allerdings vom Helmand ab . Jegliche Schwankungen in dessen Wassermenge verursachen Probleme für das ganze Ökosystem dieses Sees.
Der Helmand-Rud ist ein normalerweise wasserreicher Fluss in der iranischen Hochebene und seine Quelle liegt im Kuh-e Baba-im afghanischen Hindukusch. Helmand (auch Hilmand) ergießt sich nach 1100 km im Hamun–See.
Dieser See wird in der iranischen Mythologie und Literatur öfters genannt und auch im Avesta, der Heiligen Schrift der Zoroaster kommt er oft vor. Timur Leng schreibt über diesen See: „Der Emir von Sistan hat uns auf sein Schiff eingeladen und wir sind über den Hamun-See spazieren gefahren. Er sagte mir: `In der Zeit des Rostam war dieser See noch größer als was du jetzt siehst.`“
Der unbekannt gebliebene Verfasser von Hodud ul Alam (die Grenzen der Welt), ein geografisches Werk , das Ende des 10. Jahrhunderts nach Christus in Iran entstand, schreibt, dass der Umfang des Sees 30 Farsang war und seine Breite 8 Farsang erreichte, und manchmal besonders viel Wasser von einem Fluss, der aus Richtung Kerman kam, in den See strömte. (Als ein Farsang galt damals eine Entfernung von ungefähr 6 km)
Die Lage des Hamun- Sees ist seit einiger Zeit kritisch. Große Teile dieses Sees sind ausgetrocknet und dies hat in der Region ökologische und wirtschaftliche Probleme verursacht.
Trotz eines Vertrages über die Abflussmenge des Hirmand (Helmand) hat seit Ende der 90iger Jahre gleichzeitig mit dem Rückgang der Niederschläge und mit Dürrezeiten in Sistan, die Menge des Wassers, welches über den Fluss Hirmand in den Hamun-See gelangt, abgenommen.
Das Fehlen einer starken Regierung in Afghanistan, der Bau des Kadschaki-Dammes am afghanischen Flussabschnitt und die Pumpen entlang dieses Flusses, die der Bewässerung von afghanischen Anbauflächen dienen, hatten große negative Folgen für den Hamun-See. Die Zahl der einheimischen Vögel hat abgenommen und eine Rinderart namens „sistanisches Rind“ droht auszusterben. Zahlreiche Einwohner von Sistan und Balutschistan haben eine wichtige Einkommensquelle verloren. Die Armut in dieser Provinz hat sich verschlimmert. Im Gefolge nahmen der Drogenschmuggel und die Aktivitäten von Terrorgruppen in dieser Provinz zu und ging die Sicherheit zurück.
Nach Eintragung des Hamun Sees in die Liste der UNESCO besteht nun die Hoffnung dass die UNSECO einen Lösungsweg zur Verminderung der Gefahren für dieses Biosphärereservat finden kann.