Was bedeutet die gestiegene Wahlbeteiligung bei den Parlamentswahlen im Irak?
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ParsToday – Entgegen früherer Spekulationen sind die Parlamentswahlen im Irak auf eine breite Beteiligung der Bevölkerung gestoßen: Mehr als 55 Prozent der Irakerinnen und Iraker gaben ihre Stimme ab.
(last modified 2025-11-13T18:12:35+00:00 )
Nov 12, 2025 21:07 Europe/Berlin
  • Was bedeutet die gestiegene Wahlbeteiligung bei den Parlamentswahlen im Irak?
    Was bedeutet die gestiegene Wahlbeteiligung bei den Parlamentswahlen im Irak?

ParsToday – Entgegen früherer Spekulationen sind die Parlamentswahlen im Irak auf eine breite Beteiligung der Bevölkerung gestoßen: Mehr als 55 Prozent der Irakerinnen und Iraker gaben ihre Stimme ab.

Nach Angaben von ParsToday fanden am 11. November 2025 die sechsten Parlamentswahlen seit dem Sturz Saddam Husseins statt. Die Hohe Unabhängige Wahlkommission Iraks teilte mit, dass nach Auszählung von 99,7 Prozent der Stimmen die Gesamtbeteiligung an den Wahlen zum Repräsentantenrat über 55 Prozent lag. Bei der allgemeinen Abstimmung beteiligten sich 10,9 Millionen von insgesamt 20 Millionen Wahlberechtigten (54 Prozent). Unter den Streit- und Sicherheitskräften lag die Wahlbeteiligung sogar bei 82 Prozent, während etwa 31 Prozent der im Ausland lebenden Iraker ihre Stimme abgaben. Insgesamt nahmen damit mehr als 12 Millionen von 21 Millionen Wahlberechtigten an der Wahl teil.

Zum Vergleich: Bei der vorherigen Parlamentswahl im Jahr 2021 lag die Beteiligung bei nur 41 Prozent – dem niedrigsten Wert seit 2003.

Die zentrale Frage lautet nun: Welche Botschaften sendet die deutliche Steigerung der Wahlbeteiligung im Irak?

Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass die Aufrufe zum Wahlboykott ins Leere gelaufen sind. Die Irakerinnen und Iraker entschieden sich stattdessen dafür, ihre Stimme aktiv zu nutzen und damit Einfluss auf die politische Machtverteilung zu nehmen.

Muktada as-Sadr, der Anführer der Sadristen-Bewegung, hatte seine Anhänger noch kurz vor der Wahl dazu aufgefordert, nicht abzustimmen – zugleich aber ironisch geraten, im Falle von Stimmenkauf das Geld zu nehmen und die Stimmzettel ungültig zu machen. Die um 14 Prozent gestiegene Beteiligung zeigt deutlich, dass dieser Boykottaufruf gescheitert ist.

Ein weiterer bedeutender Aspekt der hohen Wahlbeteiligung ist, dass die Abstimmung als Prüfung der Legitimität und Leistungsfähigkeit der irakischen Demokratie gilt. Einige politische Gruppen im Inland, aber auch ausländische Akteure, hatten versucht, die Wahlbeteiligung zu senken, um die künftige Regierung als schwach und wenig legitim darzustellen. Die Wahl vom 11. November war somit weit mehr als ein Machtkampf um Parlamentssitze – sie war ein Test für die demokratische Stabilität des Irak.

Darüber hinaus verdeutlicht die Beteiligung, dass die Drohungen der USA gegen die irakischen Widerstandsgruppen keinen abschreckenden, sondern im Gegenteil einen mobilisierenden Effekt hatten. Die hohe Teilnahme der Bevölkerung kann daher auch als Ausdruck nationaler Souveränität und Widerstandsgeist gewertet werden.

Ein weiterer Hinweis, den die Wahlbeteiligung liefert, betrifft die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung von Premierminister Mohammed Schia as-Sudani.

Nach den vorläufigen Ergebnissen konnte das mit as-Sudani verbundene Bündnis für Wiederaufbau und Entwicklung die meisten Sitze im Parlament erringen. Das zeigt, dass viele Wählerinnen und Wähler der Regierung für ihre vierjährige Amtszeit eine positive Bilanz ausstellen.

Allerdings bedeutet dies noch keine Garantie für eine zweite Amtszeit Sudanis, da im irakischen Parlament zunächst eine „größte Fraktion“ (Kutla Akbar) gebildet werden muss – was Koalitionsverhandlungen zwischen mehreren politischen Gruppen erforderlich macht.

Seit 2003 war Nuri al-Maliki der einzige Premierminister, dem es gelungen ist, mehr als eine Amtszeit im Amt zu bleiben.

Schließlich ist hervorzuheben, dass die Wahlen mit minimalen Sicherheitsproblemen durchgeführt wurden – ein weiteres Zeichen dafür, dass der Irak zunehmend Erfahrung in der Organisation freier und geordneter Wahlen gesammelt hat.