Wie ist Netanjahu in die Falle seiner eigenen Kriege geraten?
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ParsToday– Die Unterzeichnung des Islamabad-Rahmenabkommens zwischen Iran und den USA hat die vom Premierminister des israelischen Regimes Benjamin Netanjahu angestrebten strategischen Gleichungen grundlegend verändert.
(last modified 2026-06-23T06:57:36+00:00 )
Jun 23, 2026 08:51 Europe/Berlin
  • Israelische Angriffe auf den Libanon
    Israelische Angriffe auf den Libanon

ParsToday– Die Unterzeichnung des Islamabad-Rahmenabkommens zwischen Iran und den USA hat die vom Premierminister des israelischen Regimes Benjamin Netanjahu angestrebten strategischen Gleichungen grundlegend verändert.

Das israelische Regime befindet sich seither in einer beispiellosen Lage strategischer Isolation, militärischer Abnutzung und politischer Krise. Selbst israelische Medien bezeichnen die aktuelle Situation als „den denkbar schlechtesten Zustand für Israel“. „Die derzeitige Lage ist die schlechteste für Israel, und Netanjahu steckt in der Falle.“ So beschreibt Amos Harel, Militäranalyst der Zeitung Haaretz, die gegenwärtige Situation.

Seit der Unterzeichnung des Islamabad-Rahmenabkommens dürfte kein Akteur die jüngsten Entwicklungen in der Region so sehr als Niederlage empfinden wie das israelische Regime. Die jüngsten Berichte von Haaretz aus dem Inneren der israelischen Gesellschaft und des politischen Systems zeichnen ein außergewöhnliches Bild der Tiefe der strategischen Krise Tel Avivs. Diese Krise beschränkt sich nicht auf das Schlachtfeld im Südlibanon, sondern betrifft ebenso die Beziehungen zu den USA, die internationale Legitimität, den inneren Zusammenhalt sowie die politische Zukunft Netanjahus.

Laut Amos Harel befindet sich Israel im „schlechtesten denkbaren Zustand“ – in einer Situation, in der die israelische Armee in einen zermürbenden Krieg im Südlibanon verwickelt ist, die militärischen Verluste zunehmen, die erklärten Ziele nicht erreicht wurden und sich gleichzeitig die Spannungen mit der US-Regierung verschärfen. Diese Einschätzung ist ein offenes Eingeständnis des strategischen Scheiterns jenes Projekts, das Netanjahu nach den Ereignissen des 7. Oktobers verfolgt hatte.

Netanjahu war der Ansicht, dass die Ereignisse vom 7. Oktober eine historische Gelegenheit geschaffen hätten, um die geopolitische Ordnung der Region neu zu gestalten: die palästinensische Widerstandsbewegung zu zerschlagen, das Kräfteverhältnis im Libanon zu verändern, die USA in eine direkte Konfrontation mit Iran hineinzuziehen und letztlich die Hegemonie Israels im Nahen Osten zu festigen. Doch die Entwicklungen nach den Angriffen der USA und Israels auf Iran am 28. Februar nahmen einen anderen Verlauf.

Weder ist Iran zusammengebrochen, noch ist die Widerstandsachse zerfallen und auch die von Netanjahu angestrebte regionale Ordnung ist nicht entstanden. Die neuen Realitäten vor Ort haben viele frühere Annahmen entwertet. Vor diesem Hintergrund hat das Islamabad-Abkommen eine Bedeutung, die weit über ein bilaterales Abkommen hinausgeht. Es zeigte, dass Washington seine übergeordneten Interessen letztlich über die Wünsche Tel Avivs stellt – ungeachtet ideologischer Parolen oder traditioneller Unterstützung.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump kam zu dem Schluss, dass eine umfassende Eskalation mit Iran für die USA mit unkontrollierbaren Kosten verbunden wäre – von den Energiemärkten über die Konkurrenz mit China bis hin zur Bewältigung globaler Krisen. Aus dieser Perspektive wurde die Eindämmung des Konflikts und die Stabilisierung eines Verständigungsprozesses mit Teheran zu einer strategischen Notwendigkeit für das Weiße Haus. Genau hier gerät das israelische Regime in eine beispiellose Zwangslage.

Einerseits stellt jede Verständigung zwischen Iran und den USA einen strategischen Nachteil für Tel Aviv dar. Die politische Existenz Netanjahus beruhte in den vergangenen Jahren wesentlich auf der Darstellung Irans als dauerhafte Bedrohung und der Notwendigkeit, dieser entgegenzutreten. Eine Entspannung zwischen Teheran und Washington würde ihm eines seiner wichtigsten politischen und sicherheitspolitischen Mobilisierungsinstrumente entziehen.

Andererseits ist Israel aufgrund seiner tiefen militärischen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit von den USA nicht in der Lage, sich Washington zu widersetzen. Wie die Zeitung Haaretz unter Berufung auf den US-Vizepräsidenten J. D. Vance berichtet, bleibt Israel letztlich keine andere Wahl, als die Entscheidungen der USA zu akzeptieren, da die Abhängigkeit von Washington nahezu vollständig ist.

Auch innenpolitisch steht Netanjahu stärker unter Druck als je zuvor. Das Ende des Konflikts mit Iran ohne Verwirklichung seiner großen Versprechen, die fortgesetzten Angriffe auf die nördlichen Siedlungen, die steigenden Verluste im Südlibanon und die Unfähigkeit, einen überzeugenden Sieg zu präsentieren, haben sein politisches Kapital erheblich geschwächt. Umfragen zeigen, dass selbst Teile seiner traditionellen Anhängerschaft den eingeschlagenen Kurs zunehmend infrage stellen. Netanjahu verfolgt zwar weiterhin seine Visionen für die Zeit nach dem 7. Oktober, doch die Mittel zu ihrer Verwirklichung stehen ihm nicht mehr zur Verfügung.

Gleichzeitig hat die internationale Isolation Israels eine neue Stufe erreicht. Die Zeitung Haaretz warnt in ungewöhnlich deutlicher Sprache, dass die Welt über die Ereignisse im Gazastreifen schockiert sei und Israel zur Verantwortung ziehen werde. Gezielte Tötungen, die Missachtung der Souveränität anderer Staaten, großflächige Zerstörungen und die Missachtung des Völkerrechts können nicht ohne Konsequenzen bleiben. Die wachsenden Spannungen mit Europa, die zunehmende Kritik in der westlichen Öffentlichkeit sowie die Möglichkeit politischer oder sogar militärischer Einschränkungen durch enge Verbündete sind Ausdruck dieser Entwicklung.

Tatsächlich hat die militärische Konfrontation mit Iran nicht zu einer Veränderung des regionalen Kräfteverhältnisses zugunsten Israels geführt, sondern vielmehr zahlreiche frühere Gleichungen umgekehrt. Die USA und Israel können nicht mehr nach den Parametern der Vergangenheit handeln. Die Region ist in eine neue Phase eingetreten, in der die Abschreckungsfähigkeit Irans, die Dynamik der Widerstandsachse und die Grenzen amerikanischer Macht zu entscheidenden Faktoren geworden sind.

Eine der wichtigsten Konsequenzen dieser Entwicklungen ist, dass Netanjahu nun vor zwei schwierigen Optionen steht: Entweder er erkennt die neuen Realitäten an und zieht sich von seinem ehrgeizigen Projekt zurück. Oder er setzt seine politischen und militärischen Abenteuer fort und treibt Israel damit noch tiefer in internationale Isolation, militärische Erschöpfung und innere Krisen.

Die Analyse von Haaretz zeigt, dass selbst innerhalb Israels zunehmend die Frage gestellt wird, ob nicht die Zeit gekommen ist, die Illusionen der Ära nach dem 7. Oktober endgültig hinter sich zu lassen.