Reichtum ohne Herkunft, Tod ohne Antwort: Wer war Jeffrey Epstein?
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ParsToday – In einem völlig überraschenden und ungewöhnlich entschlossenen Schritt hat das US-Repräsentantenhaus ein Gesetz verabschiedet, das das Justizministerium verpflichtet, sämtliche noch unveröffentlichten Unterlagen im Fall Jeffrey Epstein freizugeben.
(last modified 2025-11-20T18:53:06+00:00 )
Nov 19, 2025 19:00 Europe/Berlin
  • Amerikanischer Milliardär Jeffrey Epstein, eines umfangreichen Netzwerks für Menschenhandel beschuldigt
    Amerikanischer Milliardär Jeffrey Epstein, eines umfangreichen Netzwerks für Menschenhandel beschuldigt

ParsToday – In einem völlig überraschenden und ungewöhnlich entschlossenen Schritt hat das US-Repräsentantenhaus ein Gesetz verabschiedet, das das Justizministerium verpflichtet, sämtliche noch unveröffentlichten Unterlagen im Fall Jeffrey Epstein freizugeben.

Mit 427 Stimmen bei nur einer Gegenstimme billigte das Repräsentantenhaus eine Vorlage, die das Justizministerium gesetzlich zur Offenlegung aller verbleibenden Dokumente verpflichtet. Wie ParsToday berichtet, liegt der Ball nun beim Senat, und Donald Trump hat bereits angekündigt, das Gesetz zu unterzeichnen, sollte es auf seinem Tisch landen.
Bevor diese neuen Unterlagen die gesamte Geschichte erneut auf den Kopf stellen, lohnt es sich, einen Blick auf das Leben von Jeffrey Epstein zu werfen.

Jeffrey Epstein wurde 1953 in New York geboren – in einer unteren Mittelschichtsfamilie. Ein Startpunkt, wie er in vielen amerikanischen Milliardärsmythen vorkommt, nur dass diese Geschichten normalerweise anders enden. Er studierte an zwei Universitäten, schloss jedoch weder das eine noch das andere Studium ab – vermutlich, weil die akademische Welt für seinen „außergewöhnlichen Intellekt“ zu langsam und zu banal war.

Sein angebliches Genie zeigte sich 1974, als er ohne Hochschulabschluss als Lehrer für Mathematik und Physik an einer elitären Privatschule eingestellt wurde. Wie ihm das gelang, bleibt bis heute eine offene Frage – vermutlich wusste nur die Schulleitung oder eine „mysteriöse Kraft“ die Antwort. Dort begegnete er dem Vater eines Schülers, Alan Greenberg, der so beeindruckt von Epsteins Umgang mit Zahlen war, dass er ihn 1976 in die Investmentbank Bear Stearns holte. Epstein stieg rasch zum Berater wohlhabender Kunden auf – sein wahres Talent schien weniger in der Mathematik als vielmehr im Umgang mit Superreichen zu liegen.

1981 gründete Epstein sein eigenes Unternehmen, Intercontinental Assets Group Inc. – eine Firma mit einer geradezu paradoxen Spezialisierung: Sie half sowohl Opfern von Betrug als auch den Betrügern selbst. Ein perfektes Win-Win-Modell. In dieser Zeit behauptete Epstein außerdem, ein Geheimdienstagent zu sein – eine Aussage, die nie bestätigt wurde, aber durch seine zahlreichen Reisen und dubiosen Kontakte Nahrung für Spekulationen lieferte.

1987 arbeitete er für die Investmentfirma Tower Financial, die später als Ponzi-Schema im Wert von einer halben Milliarde Dollar aufflog. Epstein, der als einer der Architekten des Systems galt, verließ das Unternehmen 1993 – merkwürdig früh, fast so, als hätte er die Zukunft gekannt.

Ein Jahr später gründete er eine Vermögensverwaltungsfirma, die ausschließlich Milliardäre betreute. Er wurde Finanzberater von Leslie Wexner, Chef großer Modemarken wie Victoria’s Secret. Epstein verlagerte anschließend sein Unternehmen auf die Amerikanischen Jungferninseln – ein „patriotischer Schritt“, um Steuern zu vermeiden.

In den 2000er-Jahren erweiterte er seinen Einfluss und gründete eine Stiftung, die Millionen an Universitäten wie Harvard spendete. Die Herkunft seines Vermögens blieb jedoch ein ungelöstes Rätsel – als wachse sein Geld aus den Taschen seines Jacketts.

Epstein pflegte enge Beziehungen zu Persönlichkeiten wie Bill Clinton, Donald Trump, Bill Gates und Prinz Andrew. Später wurde bekannt, dass er für diese Kreise ein Netzwerk zur Beschaffung minderjähriger Mädchen aufgebaut hatte. In seinen Anwesen installierte er Überwachungssysteme – angeblich, um hochrangige Gäste zu kompromittieren.

1998 kaufte er die Privatinsel Little Saint James, die später als Zentrum seines Menschenhandelsrings bekannt wurde. Berichten zufolge waren einige der dort missbrauchten Mädchen gerade einmal zwölf Jahre alt. Zusätzlich erwarb er eine Ranch in New Mexico, wo er angeblich plante, Frauen künstlich zu befruchten, um „die Menschheit mit seinem eigenen Erbgut weiterzuentwickeln“.

2005 reichte die Familie eines 14-jährigen Mädchens Klage ein. Die Ermittlungen deckten Dutzende Opfer auf. Doch 2008 erhielt Epstein einen fast beispiellosen Deal: nur 13 Monate Haft, mit täglichem Freigang zur Arbeit. Ein „drakonisches“ Strafmaß.

Später wurde enthüllt, dass der damalige Staatsanwalt Alexander Acosta erklärt hatte, Epstein sei „für die Regierung tätig gewesen“ – ein Satz, der in nahezu allen undurchsichtigen Fällen als Schlüssel zum Verständnis gilt.

Im Juli 2019 wurde Epstein erneut festgenommen – diesmal wegen Menschenhandels. Doch am 10. August 2019 wurde er tot in seiner Zelle gefunden. Der Gerichtsmediziner sprach von Selbstmord. Die Umstände waren „völlig gewöhnlich“: schlafende Wachleute, ausgefallene Kameras, Knochenbrüche am Hals, die eher auf Strangulation hindeuteten. Die Familie sprach von Mord, doch ein offizieller Bericht im Jahr 2023 erklärte, es gebe keine Hinweise darauf – nur „Versäumnisse des Gefängnispersonals“.

Der Fall Epstein gleicht einer tragikomischen Groteske, die zeigt, wie Reichtum und Macht nicht nur Gesetze, sondern offenbar auch die Schwerkraft außer Kraft setzen können. Die Welt wartet nun gespannt auf die Veröffentlichung der verbleibenden Dokumente – und darauf, welche weiteren Namen in diesem dunklen Netzwerk auftauchen werden.