Warum verspottete der brasilianische Präsident Trump?
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ParsToday – Luiz Inácio Lula da Silva, der Präsident Brasiliens, hat US-Präsident Donald Trump offen verspottet.
(last modified 2026-01-21T17:34:52+00:00 )
Jan 21, 2026 18:28 Europe/Berlin
  • Luiz Inácio Lula da Silva, der Präsident Brasiliens
    Luiz Inácio Lula da Silva, der Präsident Brasiliens

ParsToday – Luiz Inácio Lula da Silva, der Präsident Brasiliens, hat US-Präsident Donald Trump offen verspottet.

Wie ParsToday berichtet, machte Lula da Silva Donald Trump wegen dessen wiederholter und exzessiver Tweets lächerlich. Der brasilianische Präsident erklärte gerichtet an Trump, dieser versuche offenbar, die Welt über Twitter (das heutige X) zu regieren.

Zuvor hatte da Silva ein mögliches militärisches Vorgehen der USA gegen Venezuela scharf verurteilt und dieses als einen schweren Verstoß gegen die Souveränität des Landes sowie als inakzeptable Überschreitung der Grenzen bezeichnet. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch die mutmaßliche Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und betonte, ein solches Vorgehen überschreite eine „rote Linie“.

In einem Beitrag im sozialen Netzwerk X (Twitter) schrieb der brasilianische Präsident: „Diese Maßnahmen stellen eine ernsthafte Beleidigung der Souveränität Venezuelas dar und schaffen einen äußerst gefährlichen Präzedenzfall für die gesamte internationale Gemeinschaft. “

Die Nachrichtenagentur Reuters ergänzte, Lula da Silva habe die Vereinten Nationen zu einer „starken“ Reaktion aufgerufen.

Kritik an Trumps Medienverhalten

Wenn Lula da Silva über das mediale Auftreten Donald Trumps spricht, verweist er insbesondere auf die enorme Anzahl und häufig ziellose Abfolge von Tweets des US-Präsidenten. Dieses Verhalten wird aus Sicht vieler Staats- und Regierungschefs – darunter auch der brasilianische Präsident – als Ausdruck eines emotionalen und wenig professionellen Politikstils wahrgenommen.

Da Silva, der auf eine lange politische Laufbahn zurückblickt, hat wiederholt betont, dass Politiker mit Bedacht, Verantwortungsbewusstsein und strategischer Klarheit mit der Öffentlichkeit kommunizieren sollten. Politik dürfe nicht darin bestehen, alle paar Minuten Botschaften zu veröffentlichen, die eher spontanen Reaktionen als offiziellen Positionen eines Präsidenten ähneln. Gerade dieser grundlegende Unterschied im Politikverständnis habe ihn immer wieder dazu veranlasst, Trumps Twitter-Verhalten mit ironischem oder kritischem Unterton zu kommentieren.

Twitter als zentrales politisches Instrument

Trump nutzte bereits während seiner ersten Amtszeit und auch danach Twitter – und inzwischen vor allem das von ihm im Februar 2022 gegründete soziale Netzwerk Truth Social – als zentrales Instrument seiner politischen Kommunikation. Zu nahezu jedem Thema, von Fragen der nationalen Sicherheit bis hin zu persönlichen Konflikten, veröffentlicht er in kurzer Zeit eine große Anzahl von Beiträgen.

So kommt es vor, dass Trump an einem einzigen Tag mehrere Tweets zur US-Wirtschaft absetzt, in denen er etwa Kursgewinne an den Börsen seiner eigenen Politik zuschreibt oder großen Unternehmen mit hohen Zöllen droht, falls sie Produktionsstätten ins Ausland verlagern. Am selben Tag folgen häufig weitere Beiträge zur Migrationspolitik, zur Rechtfertigung des Grenzmauerbaus oder plötzlich Angriffe auf Medien, die er pauschal als „Fake News“ bezeichnet.

Diese teils dutzenden Tweets innerhalb von 24 Stunden wirken auf viele internationale Beobachter ungewöhnlich. Lula da Silva betonte mehrfach, ein Politiker müsse Zeit zum Nachdenken haben und seine Entscheidungen im Rahmen klarer politischer Konzepte kommunizieren, anstatt jede momentane Emotion öffentlich zu posten. In einer seiner Aussagen fragte er mit spürbarem Spott:

„Wenn der Präsident eines großen Landes jeden Tag so viel twittert, wann regiert er dann überhaupt sein Land?“

Unberechenbarkeit in der Außenpolitik

Auch in internationalen Fragen greift Trump auf denselben impulsiven Kommunikationsstil zurück. Innerhalb weniger Minuten äußerte er sich mitunter widersprüchlich über andere Staats- und Regierungschefs – zunächst lobend, kurz darauf drohend. Für Politiker wie Lula da Silva, die auf klassische Diplomatie und vertrauliche Gespräche setzen, gilt ein solches Verhalten als Zeichen politischer Unbeständigkeit und mangelnder Berechenbarkeit.

Darüber hinaus nutzte Trump soziale Netzwerke wiederholt, um innenpolitische Gegner anzugreifen. Kongressabgeordnete, Gouverneure, Journalisten und sogar ehemalige Mitglieder seiner eigenen Regierung wurden von ihm öffentlich mit scharfen Worten kritisiert. Dieser Tonfall, der eher an hitzige Online-Debatten als an das Auftreten eines Staatsoberhaupts erinnert, erscheint Lula da Silva und vielen anderen internationalen Führungspersönlichkeiten ungewöhnlich und teils sogar lächerlich.

Fazit

Zusammenfassend liegt der Grund für den Spott des brasilianischen Präsidenten nicht allein in der schieren Anzahl von Trumps Tweets, sondern vor allem in der Art und Weise, wie dieser soziale Medien nutzt. In Trumps Kommunikation verschwimmen die Grenzen zwischen offizieller Politik und persönlichen Impulsreaktionen.

Für Lula da Silva steht dieses Verhalten exemplarisch für eine hastige, emotionsgetriebene Form der Politik – ein Stil, den er mit Ironie und deutlicher Kritik kommentiert und den er als Ausdruck der besonderen und mitunter befremdlichen Regierungsweise des umstrittenen US-Präsidenten bewertet.

Bemerkenswert ist dabei, dass Trump auch in seiner zweiten Amtszeit diesen Kurs nicht geändert hat. Im Gegenteil: Über Truth Social hat er seine Aktivität weiter intensiviert und ist zu einem äußerst produktiven Verfasser politischer Kurznachrichten geworden – oft in einem Umfang, der selbst erfahrene Beobachter überrascht. Nicht selten widersprechen sich diese Beiträge oder spiegeln abrupte und wenig konsistente Kurswechsel des Präsidenten der Vereinigten Staaten wider.