Hat der Countdown für Abzug der US-Truppen aus Europa begonnen?
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ParsToday– US-Kriegsminister Pete Hegseth hat seinem Ministerium zufolge den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angekündigt.
(last modified 2026-05-03T04:49:30+00:00 )
May 03, 2026 06:45 Europe/Berlin
  • US-Kriegsminister Pete Hegseth
    US-Kriegsminister Pete Hegseth

ParsToday– US-Kriegsminister Pete Hegseth hat seinem Ministerium zufolge den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angekündigt.

Der Abzug solle innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate stattfinden, sagte Ministeriumssprecher Sean Parnell gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Amerikanische Offizielle bezeichnen die Entscheidung als Reaktion auf wachsende Differenzen mit europäischen Verbündeten, insbesondere im Hinblick auf den Krieg gegen Iran. Der Abzug der US-Truppen aus Deutschland ist nicht nur eine taktische Änderung. Dieser Schritt ist ein Zeichen für den allmählichen Niedergang eines Bündnisses, das siebzig Jahre lang das Rückgrat der westlichen Sicherheit bildete. Deutschland ist nach Japan der zweitgrößte US-Militärstützpunkt außerhalb der USA.

Dort sind 36.400 amerikanische Soldaten stationiert. Das Hauptquartier des US-Europa- und Afrikakommandos befindet sich in Stuttgart. Der Ramstein-Luftstützpunkt koordiniert die US-Operationen in Westasien. Das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA steht in Landstuhl, Deutschland. Der Bau vergleichbarer Einrichtungen in Polen oder Italien würde Milliarden von Dollar kosten und Jahre dauern.

Einer der Gründe für diese Entscheidung liegt in einem verbalen Streit zwischen Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz. Merz hatte die US-Strategie gegenüber Iran kritisiert und erklärt, die USA seien von Teheran „gedemütigt“ worden. Daraufhin bezeichnete Trump Merz als „völlig ineffektiv“ und ordnete den Truppenabzug an. Ein Sprecher des Pentagons betonte, diese Maßnahme stehe „in voller Übereinstimmung mit den Befehlen des Oberbefehlshabers der Streitkräfte“.

Europäische Diplomaten bezeichnen die Lage als „besorgniserregend und unberechenbar“. Auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und NATO-Generalsekretär Mark Rutte gerieten ins Visier. „Jeder weiß, dass Schmeicheleien nichts bringen. Am besten bleibt man standhaft und wartet ab“, sagte ein europäischer Diplomat gegenüber Reuters.

Ein hochrangiger Pentagon-Beamter sieht einen weiteren Grund für den Truppenabzug. Er sagte, die Europäer hätten sich geweigert, eine Führungsrolle in der NATO zu übernehmen. Washington wolle sich zudem auf die westliche Hemisphäre und den Indopazifik konzentrieren. Der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon schrieb auf X: „Fortgesetzte Angriffe auf NATO-Verbündete sind kontraproduktiv. Wir schaden uns damit selbst.“

Die politischen Dimensionen dieser Entscheidung sind ebenso bedeutend wie ihre militärischen. Europäische Experten gehen davon aus, dass diese Maßnahme drei grundlegende geopolitische Konsequenzen hat. Erstens schwächt sie die Abschreckung gegenüber Russland, insbesondere in Osteuropa und den baltischen Staaten. Zweitens untergräbt sie das Vertrauen in Artikel 5 des NATO-Vertrags (das Prinzip der kollektiven Verteidigung). Drittens beschleunigt sie den Prozess der europäischen Verteidigungsunabhängigkeit.

Berlin hat auch einen Plan zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 3,7 Prozent des BIP bis 2030 verabschiedet. Die heimische Produktion von Patriot-Systemen und Stinger-Raketen hat ebenfalls begonnen. Europas erste moderne Waffenfabriken sollen auf deutschem Boden entstehen. Manche Kritiker von Trumps Europapolitik vermuten, das Weiße Haus wolle mit dieser Entscheidung Deutschland bestrafen. Doch die Realität sieht anders aus. Washington opfert seine jahrzehntelangen Investitionen einer kurzsichtigen, kurzfristigen Wut.

Der Abzug der US-Truppen aus Deutschland markiert das Ende einer Ära. Nicht für Europa, sondern für die USA selbst. Die Frage bleibt: Wie kann man eine Supermacht bleiben, wenn man keinen Zugang zum Herzen Europas hat? Tatsächlich ist die Entscheidung, die US-Truppen in Deutschland zu reduzieren, ein Zeichen für den Niedergang der amerikanischen Hegemonie und, auf globaler Ebene, für den Niedergang des Westens. Europa fehlt der notwendige Konsens, um in globalen Entwicklungen eine Rolle zu spielen. Die wachsende Kluft zwischen den USA und Europa eröffnet anderen Machtpolen in der Welt neue Möglichkeiten.