Interview mit Dr. Yavuz Özoguz
Trotz der Bedrohung durch die IS-Terrormiliz strömen auch dieses Jahr Millionen Menschen zum Arbain-Fest ins irakische Kerbela. In diesem Jahr sind auch rund 80 Muslime aus Deutschland dabei. Einer dieser Muslime ist der bekannte deutsch-türkische Islam-Experte, Dr. Yavuz Özoguz.
ParsToday: Herr Dr. Özoguz, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu diesem Interview!
Özoguz: Asalam aleikum aus Deutschland!
ParsToday: Herr Dr. Özoguz, Arbain steht bevor. In diesem Jahr werden wie in den vergangenen Jahren auch tausende Menschen an den Arbain-Trauerzeremonien teilnehmen. Zunächst möchte ich Sie darum bitten, uns zu erklären, was Arbain ist und was das so wichtig macht?
Özoguz: Nun, Arbain ist der 40 Todestag nach dem Märtyrium von Imam Hussein(a.s.) in Kerbela. Es gilt als eine besonders vorzügliche Tat, wenn man zu Fuß zu Imam Hussein(a.s.) geht. Es ist so, dass sich Pilger seit über 1000 Jahren die Strecke des Grabmals von Imam Ali(a.s.) zu Imam Hussein(a.S.) zu Fuße gehen, d.h. von Nadschaf nach Kerbela, das sind rund 80 Kilometer, die die meisten Pilger in etwa drei Tage zurücklegen. Die gesamte Strecke ist voll mit Irakern, die es als eine Ehre empfingen, Pilger mit Essen und Getränke zu versorgen. Die Besonderheit liegt natürlich darin, dass Muslime in den Gemeinden überall in der Welt zunächst an den Aschura-Tag denken; sie versuchen dann zur Teilnahme an den Arbain-Trauerzeremonien nach Kerbela zu kommen. Sie haben in Ihrer Frage von Tausenden Pilgern gesprochen, die nach Kerbela kommen, das ist aber untertrieben. Denn es sind Millionen Menschen, die dorthin pilgern. In diesem Jahr werden dort zwischen 15 und 20 Millionen Menschen in Kerbela erwartet. Im vergangenen Jahr waren es 18 Millionen. Dieses Jahr werden mehr Menschen nach Kerbela kommen. Denn in diesem Jahr werden auch Pilger aus dem Iran dabei sein, die an den diesjährigen Hadsch-Ritualen nicht teilnehmen durften und als Ersatz nach Kerbela kommen. Das wird die weltweit größte Veranstaltung sein, die jedes Jahr stattfindet. Es gibt nur in Indien eine Veranstaltung, die vergleichsweise etwa gleich groß ist, sie findet allerdings alle drei Jahre statt. Es ist deshalb erstaunlich, dass diese weltweit größte Verantstaltung in den westlichen Medien kaum Echo findet.
Anmerkung: Das Interview wurde am vergangenen Mittwoch, kurz vor dem Abflug einer Gruppe von rund 80 deutschen Muslimen in Richtung Irak, geführt.