Das wahre Gesicht des zionistischen Regimes im Spiegel der Dokumentation
Die neue Generation palästinensischer Filmemacher muss bei jeder Thematik auf die Vergangenheit und Gegenwartsgeschichte ihrer Heimat blicken. Historische Dokumente sind wichtige Quellen für eine Betrachtung der Kultur, Geschichte und Identität des palästinensischen Volkes und es sind in Wahrheit die Dokumentarfilme, die dem palästinensischen Spielfilm in den letzten Jahren als historische Dokumente zum internationalen Erfolg verholfen haben.
Anlässlich ihrer neuen Vorführungsrunde zeigte die Teheraner Kinamathek als erstes den Film "The Wanted 18" . Es ist ein Dokumentarfilm von 75 Minuten, der die Versuche der Zionisten gegen die erste Intifada vorzugehen auf ironische Weise behandelt.
Den Film „The Wanted 18“ hat Amer Schomali gedreht, und das Regiebuch schrieb Paul Cowan. Unter den Produzenten dieses Filmes befindet sich Saed Andoni. Der Regisseur Amer Schomali ist eine junger Palästinenser, der in Kuwait zur Welt gekommen ist und heute in Ramallah im Westjordanland lebt. Sein Film berichtet über die Härten, die den Palästinensern nach der ersten Intifada im Jahre 1987 auferlegt wurden.
Die Filmgeschichte handelt von den Einwohnern eines Dorfes die sich aus der Abhängigkeit der Produkte des zionistischen Regimes befreien konnten. Eine Gruppe von Palästinenser in der Ortschaft Bait Sahur im Osten von Bait ul Lahm kauft den Zionisten 18 Kühe ab und gründet eine Kooperative namens „Milch der Intifada“. Ab nun brauchen die Einwohner der Ortschaft die Milchprodukte der Zionisten nicht mehr. Doch als sie die israelischen Produkte boykottieren, wird der Fall politisch. Die Verantwortlichen des zionistischen Regimes beschließen, die 18 Kühe ausfindig zu machen. In diesem Film kommen Gespräche mit den Zeugen der ersten Intifada vor und auch die Kühe kommen in Form von Animation zu Wort. Es tauchen auch Bilder von Jitzchak Rabin , damaliger Kriegsminister und Ministerpräsident des Besatzerregimes auf, der den Bewohnern der Ortschaft Gewalt androht, falls sie nicht Steuern an das Regime zahlen.
Das zionistische Regime hatte befohlen, die 18 Kühe zu umstellen und abzuführen, da sie die Nationale Sicherheit Israels gefährden. Einer der Augenzeugen berichtet über diese Geschichte und darüber wie die Bewohner von Bait Sahur erfolgreich die Kühe verstecken und in die Flucht zu treiben konnten, damit sie den israelischen Soldaten nicht in die Hände fallen.

Amer Schomali hat in diesem Dokumentarfilm auf inkonventionelle Weise und mit einem guten Schuss Ironie den Erfolg einer neuen Initiative vor Augen geführt. Weil die Bürger von Bait Sahur keine Steuern zahlten mit dem Argument, dass das zionistische Regime nicht ihre Interessen vertritt, hatten sie die zionistische Armee zur Umzingelung ihrer Ortschaft gezwungen und erreicht, dass diese Umzingelung international und von der UNO als inhumanes Vorgehen verurteilt wurde.
Dieser Film ging 2014 zum ersten Mal auf dem Filmfestival Toronto in Kanada über die Leinwand. Er wurde auf den Festivalen Montreal, Abu Dhabi, Carthage-Filmfestival in Tunis, und dem Traverse-Filmfestival in Michigan, USA ausgezeichnet. Die Palästinenser haben diesen Film als ihren Kandidaten für die 88. Oscar-Verleihung ausgesucht, obwohl von vorneherein klar war, dass er bei diesem Wettbewerb nicht zugelassen wird.
Schomali hat seinen Film „The Wanted 18“ auch an das US-Festival für Filme über das Menschenrecht eingesandt. Aber die Israelis haben ihm keine Genehmigung für das Betreten von Bait-ul Moqaddas (Jerusalem) ausgestellt, wo er sein Visum für die Einreise in die USA abholen wollte. Sie begründeten dies damit, dass Schomali eine Bedrohung für die israelische Sicherheit sei.

Seit langer Zeit beherrschen die politischen Dokumentarfilme die Szene des palästinensischen Kinos, denn wegen der Instabilität der Region waren die politischen Organisationen die einzigen, die Filme herausbringen konnten und diese Organisationen setzen sich für die Befreiung der Palästinenser und für deren Streben nach einem eigenen Staat ein.
Das palästinensische Kino hat als ein neues Phänomen in den letzten Jahren einen mehr oder weniger hoffnungsfrohen Aufschwung erlebt, was bekannten Filmregisseuren wie Elia Solayman und Hani Abu Assad zu verdanken ist. Früher stand die palästinensische Filmindustrie stark unter dem Einfluss der Filmindustrie Ägyptens und anderer Länder der Arabischen Welt. Aber in den vergangenen 15 Jahren vollzog sich eine kulturelle Renaissance, und die neue Filmemachergeneration des palästinensischen Volkes stellte der Welt ein Nationalkino vor. Diese Filmemacher haben ihren Werken die bewegte Geschichte ihrer Heimat und die Jahre des politischen Kampfes und Dschihads zugrunde gelegt. Im Wettbewerb mit weltbekannten Regisseuren, haben sie das notwendige Selbstvertrauen zur Verfilmung ihrer persönlichen Erfahrungen in Form von bewegenden Filmgeschichten gestärkt und versucht, aller Welt einen Einblick in diese Erfahrungen zu geben.
Im Westen kennt das Publikum vor allem die neuen Werke palästinensischer Filmemacher wie Elia Solayman – (Divine (göttliche) Intervention), Raschid Mascharawi (Waiting) und Tawfik Abu Wail (Atash) . Aber die Geschichte der Filmindustrie in Palästina beginnt schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Jedoch erst gegen Ende der Sechziger Jahre haben die Palästinenser in ihrer Heimat Filme produziert. Alle circa 100 Dokumentarfilme die vorher über das besetzte Palästina und den Kampf des palästinensischen Volkes zur Rückerlangung ihrer Heimat gedreht wurden, waren nicht in Palästina sondern in arabischen Staaten wie Syrien, Libanon, Irak, Algerien und Tunesien gedreht worden, aber im Jahre 1968 kam es zu einem Wendepunkt in der Filmgeschichte dieses Landes.
Die ersten Filme, die in Palästina gedreht wurden, waren politische Dokumentationen über die Leiden der palästinensischen Flüchtlinge in den Lagern, die Unterdrückung durch die Israelis und über die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes gegen sie. Die meisten Filmproduktionen Palästinas in der Zeit von 1973 bis 1977 von diesen Themen. Darüber hinaus gibt es noch einige wenige Dokumentationen über die traditionelle Kunst Palästinas. Erst Ende der 80iger Jahre konnten die Palästinenser für ihre Filme internationale Preise gewinnen.
Bis 1987 waren bereits circa 52 Filme von palästinensischen Regisseuren, die Flüchtlinge waren, gedreht worden, als mit Beginn der Intifida in diesem Jahr das Zentrum der Filmproduktion nach Gaza und an das Westjordanufer verlegt wurde. Michel Khleifi war der erste international bekannt gewordene palästinensische Filmregisseur. Mit seinem Film „Hochzeit in Galiläa“ von 1987 ebnete er den Weg für die neue Generation von Regisseuren wie Solayman und Mascharawi. Später haben Elias Hanna und Hani Abu Assad mit ihren langen Dokumentarfilmen über das Leben in den Flüchtlingslager, den Weg von Mascharawi fortgesetzt indem sie die Sprache der Ironie einsetzten um die Leiden der Palästinenser und das Unrecht an ihnen widerzuspiegeln.
Die palästinensischen Filmemacher strebten danach, der Welt ein alternatives Bild von Palästina und seinem Kino zu liefern, um so auf die Quertreibereien der Zionisten zu antworten und die Einstellung des Westens zu den Palästinensern zu ändern. Die neue Generation der Regisseure hat sich diesem Ziel gewidmet, um ihre persönliche Interpretation und Erfahrung als Flüchtlinge anderen Völkern mitzuteilen. Die weiblichen Regisseure gehören dabei zu den ersten, die das maskulinistische, nationalistische Kino herausgefordert haben, indem sie der Weltbevölkerung die Lebenseinstellung einer Palästinenserin zeigen.
Natürlich war die Digitaltechnologie in den letzten Jahren den palästinensischer Filmregisseure eine große Hilfe. Es ist nämlich in den von Israel besetzten Gebieten schwierig, an die Ausrüstung und Möglichkeiten zu gelangen, welche für die Produktion eines Filmes erforderlich werden. Diejenigen Filmregisseure, die nicht das digitale Videosystem benutzen wollen, müssen ihre Filme für die Bearbeitung nach den Dreharbeiten wegschicken – zumeist nach Europa - und dadurch weitere Unkosten für die Produktion auf sich nehmen, was die Arbeit der unabhängigen Filmemacher erschwert. In den letzten 3 Jahrzehnten ist das Budget und Kapital, welches vorher von den politischen Organisationen für Dokumentarfilmen gezahlt wurde, zurückgegangen und die Kapitalanleger investieren in der Hauptsache in Spielfilme.
Die Publikumsfrage ist ebenso ein Problem für palästinensische Dokumentarfilmen und Spielfilmen. Denn die Filme die in Palästina gedreht wurden und werden, können bislang kein nationales Publikum ansprechen. Viele Kinosäle mussten in den vergangenen Jahren aufgrund der unruhigen Lage in Palästina geschlossen werden und außerdem ist das Filmvertriebsnetz in den Palästinensergebieten schwach und so konnten die palästinensischen Regisseuren mit ihren Filme keine starke Beziehung zu den palästinensischen Ansprechpartnern aufbauen. Daher werden die meisten ihrer Filme nur auf den westlichen Filmfestivals gezeigt.
Wie auch immer: Das palästinensische Kino, welches mitten aus den nationalen Kämpfe zur Befreiung von den zionistischen Besatzern hervorging, strebt nach neuer Identität für den Erfolg auf internationaler Ebene und zur Loslösung von Klischees, welche ihnen immer nur den Stempel eines Kinos zu rein politischen Zwecken verpasste. Die palästinensischen Regisseure, ob sie nun Dokumentarfilme oder Spielfilme drehen, haben das Flüchtlingsleben und die Unterdrückung und das Leben im Krieg zum Gegenstand ihrer Filme genommen, um der Welt das wahre Gesicht der Zionisten zu zeigen.