Sudans kämpfende Rivalen unterzeichnen Abkommen, aber keinen Waffenstillstand
Die sudanesische Armee und die Rapid Support Forces (RSF) haben eine Vereinbarung zur Erleichterung der humanitären Hilfe für das konfliktgeschüttelte afrikanische Land unterzeichnet, das nach einem wochenlangen militärischen Konflikt mit einer schweren Nahrungsmittelkrise konfrontiert ist.
Am Freitag hieß es in Medienberichten, die beiden rivalisierenden Streitkräfte hätten sich darauf geeinigt, die Zivilbevölkerung zu schützen, es sei ihnen jedoch nicht gelungen, eine Waffenstillstandsvereinbarung zu erzielen.
Vertreter der Seiten, die in der saudischen Hafenstadt Dschidda über ein Friedensabkommen verhandeln, unterzeichneten eine Erklärung, in der sie sich darauf einigten, dass die Armee und die Spezialeinheiten „alle Vorkehrungen treffen werden, um der Zivilbevölkerung keinen Schaden zuzufügen“ und „einfache und schnelle Verfahren“ für humanitäre Hilfseinsätze im Sudan einführen werden.
Die Verpflichtungserklärung zum Schutz der Zivilbevölkerung im Sudan wird das Verhalten der beiden Streitkräfte leiten, um die sichere Bereitstellung humanitärer Hilfe, die Wiederherstellung wesentlicher Dienste, den Abzug der Streitkräfte aus Krankenhäusern und Kliniken und die respektvolle Bestattung der Toten zu ermöglichen.
Darüber hinaus einigten sich beide Seiten darauf, die Evakuierung aus dem Land nicht zu behindern und privates und öffentliches Eigentum im Sudan zu respektieren. Sie einigten sich auch darauf, keine Teenager für ihre Einheiten zu rekrutieren und Kinder nicht für Feindseligkeiten einzusetzen.
Am 6. Mai 2023 begannen in Dschiddah Friedensverhandlungen zwischen Vertretern der sudanesischen Streitkräfte und der Rapid Support Forces. Die Verhandlungsparteien bezeichneten den Sudan-Konflikt als eine interne Angelegenheit und forderten ausländische Staaten auf, sich nicht in die sudanesische Politik einzumischen.
In der Zwischenzeit gehen die Kämpfe im Sudan weiter, während der Machtkampf zwischen dem Armeechef Abdel Fattah al-Burhan, der auch dem regierenden Souveränitätsrat vorsteht, und dem Chef der RSF, Mohamed Hamdan Dagalo, alias Hemedti, der al-Burhans Stellvertreter im Rat fungierte, andauert.
Am Donnerstag kam es in Halfaya, einem Zugangspunkt zur Hauptstadt Khartum, zu Zusammenstößen zwischen rivalisierenden Kräften, als die Bewohner hörten, wie Kampfflugzeuge über Khartum und den angrenzenden Städten Bahri und Omdurman kreisten. Die Kämpfe schienen jedoch ruhiger als am Mittwoch.
Keine Seite scheint bereit zu sein, Zugeständnisse zu machen, um den Konflikt zu beenden, der letzten Monat plötzlich ausbrach und den Sudan in einen Bürgerkrieg zu stürzen drohte, was die Nöte der sudanesischen Bevölkerung verschärfte und möglicherweise eine humanitäre Krise gewaltigen Ausmaßes auslöste, da Strom und Wasser ausfielen, Nahrungsmangel entstand und das Gesundheitssystem zusammenbrach.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden seit Ausbruch der Kämpfe im vergangenen Monat mehr als 600 Menschen getötet und mehr als 5.000 verletzt.
Laut UN-Angaben sind schätzungsweise 700.000 Menschen aus ihrer Heimat geflohen, 150.000 davon sind als Flüchtlinge in Nachbarländer geflüchtet.
Von den 45 Millionen Menschen, die im Sudan verblieben sind, leiden viele unter akutem Mangel an Treibstoff, Nahrungsmitteln, Wasser und medizinischem Zugang.
Medienquellen zufolge seien im ganzen Land 15,8 Millionen Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, was den Sudan zu einem der Länder mit der höchsten Zahl an Menschen macht, die Lebensmittel benötigen, die ihnen von internationalen Organisationen geliefert werden.