Wiederbelebung traditionellen iranischen Kunsthandwerkes
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Beschäftigung gehört zu den wichtigen Belangen jeder Gesellschaft, insbesondere nachhaltige Beschäftigung, die keine große Investitionen und Infrastrukturen erforderlich macht.
(last modified 2025-01-01T12:50:18+00:00 )
Aug 01, 2021 09:08 Europe/Berlin

Beschäftigung gehört zu den wichtigen Belangen jeder Gesellschaft, insbesondere nachhaltige Beschäftigung, die keine große Investitionen und Infrastrukturen erforderlich macht.

 

 

                        

Beim Kunsthandwerk der Länder handelt sich nicht um eine Beschäftigung die erst seit kurzem zur Wirtschaft gehört, denn es ist in Geschichte und Tradition der Länder verankert. Auch wenn der technische Fortschritt  sich auf einzelne Aspekte des Kunsthandwerkes und auf den Markt für seine Artikel ausgewirkt hat, so hat sich dennoch nichts am Wesen dieses Handwerkes geändert. Das Besondere am Kunsthandwerk besteht darin, dass jedes Stück einmalig ist und von Hand gemacht wurde.

Abgesehen von dem wirtschaftlichen Nutzen des Kunsthandwerkes  beinhaltet diese Beschäftigung auch kulturelle Ziele. Das Kunsthandwerk jedes Landes kann Botschafter seiner Kultur sein und ein Stück des  historischen und kulturellen Reichtums seiner Bevölkerung widerspiegeln.

mit der Hand angefertigte Teppiche aus Iran  sind weltbekannt

 

Das Kunsthandwerk gereicht jedem Volk und Land zur Ehre, weil es das Ergebnis des Kunstgeschmackes und der Kreativität seiner Künstler ist, die liebevoll und geduldig dieses Stück Kulturerbe früherer Generationen erhalten haben.

Kunsthandwerk stützt sich auf die Ressourcen und Kräfte im eigenen Land und nur manchmal ist es auf Importe von Rohstoffen und komplizierteren Hilfsmitteln  angewiesen.   Beim Export von Erzeugnissen des Kunsthandwerkes kommen nicht nur ausländische Devisen ins Land, sondern dies fördert auch die Beschäftigungslage  und die Volkswirtschaft und letztendlich die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung eines Landes.  Kunsthandwerk ist einfach zu erlernen, bedarf nur eines geringen Kapitals,  kann auf dem Dorf und in der Stadt betrieben werden und ist daher ein wichtiges effektives Mittel zur Steigerung des nationalen Pro-Kopf-Einkommens.

In unserer heutigen Welt sind, angesichts der modernen Kommunikationsmöglichkeiten, die Kontakte zwischen Stadt und ländlichen Gegenden erheblich leichter geworden.  So kann die Dorfbevölkerung problemlos Kunden für ihr Kunsthandwerk gewinnen und rasch Aufträge entgegennehmen. Daran sieht man, dass dieser Bereich wirtschaftlich, gesellschaftlich und ökologisch gesehen und was den Umweltschutz betrifft besondere Vorteile mit sich bringt.   

 

Das Kunsthandwerk hat unter anderem auch den Vorzug, dass Frauen darin eine Möglichkeit finden zum Familieneinkommen beizutragen.  Der Arbeitsleistung der Frauen, ob auf dem Dorf oder in der Stadt, in Industriestaaten oder in Entwicklungsländern,  ist nie die verdiente Beachtung geschenkt worden.  Die Tätigkeit der Frauen auf den lokalen Wochenmärkten oder im Haushalt wurde nicht in die Berechnung der Wirtschafstätigkeiten der Länder miteinbezogen. Dabei waren die Frauen immer aktive Produzenten und haben einen wichtigen Anteil an der Entwicklung und der Vermögensgewinnung gehabt, insbesondere die Frauen in den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer.

Studien zeigen, dass die Teilnahme der Frauen an der Anfertigung von Kunsthandwerk sogar noch größer ist als ihre Mitbeteiligung bei der Erzeugung von Grundnahrungsmitteln.  In der Regel sind 75 bis 80 Prozent der  im Bereich Kunsthandwerk Beschäftigten Frauen und Mädchen. 

 Das Kunsthandwerk auf den Dörfern gilt als Ergänzung zum Landwirtschaftsbetrieb.  Es ist eine Freizeitbeschäftigung  und ermöglicht zusätzlichen Erwerb. Außerdem  wirkt es dem sozialen Problem der  jahreszeitlichen oder vollkommenen Abwanderung in die Städte entgegen. Die unkomplizierte  Arbeitstechnik und relativ einfache Hilfsmittel  machen es möglich, dass Stadt- und Dorfbewohner und Nomaden, Kunsthandwerk in einer Werkstatt oder zuhause oder sogar als Wanderhandwerker betreiben. 

Kunsthandwerk ist weder ein  Rivale für die moderne maschinelle Industrie noch ein Hindernis für den  geeigneten Einsatz von Technologie, sondern es ergänzt die Wirtschaft  und ist ein wichtiger Faktor für das Behüten der Kultur und ihre Übermittlung.

 

Im Iran steht preisgünstiges Rohmaterial in großen Mengen zur Verfügung und das Land blickt auf eine lange Geschichte des Kunsthandwerkes und viele verschiedene Zweige dieses Handwerkes zurück. Außerdem hat das iranische Kunsthandwerk guten Anklang in anderen Ländern gefunden. Das sind alles Gründe dafür, dass sich viele für eine Beschäftigung auf diesem Gebiet interessiert haben. Gemäß statistischen Angaben widmen sich rund 10 Millionen Menschen in allen Teilen des Landes ständig oder in Abständen der Anfertigung von Kunsthandwerk  und mindestens allen oder einem großen Teil von ihnen dient das Kunsthandwerk als Zusatz- oder Hauptverdienst ihrer Familien. 

Die Vorzüge des Kunsthandwerks haben iranische Verantwortungsträger auf diesem Gebiet veranlasst dieses Handwerk zu fördern.  Wir möchten nun  exemplarisch zwei Beispiele aus der Provinz  Süd-Chorasan für den Aufschwung des Kunsthandwerks und seine positive Wirkung auf die Beschäftigungslage und die Entwicklung nennen.  Diese Provinz in Ost-Iran kennt  80 verschiedene Arten von Kunsthandwerk  von denen 40 zurzeit aktiv gepflegt werden. Mehr als 6 Tausend weibliche und männliche Kunsthandwerker   widmen sich in dieser Provinz  der Anfertigung von Web- und Knüpfwaren, der Verzierung von Glas und kunsthandwerklichen Verarbeitung von Metall, Holz und Schmucksteinen. Angesichts aufeinanderfolgender Dürrezeiten in Süd-Chorasan ist das Kunsthandwerk,  weil es nicht auf Anwendung von Wasser angewiesen ist, eine gute Möglichkeit zur Verbesserung der Unterhaltslage der Dorfbevölkerung gewesen. Die Verbreitung des Kunsthandwerkes in den landwirtschaftlichen Gegenden hat neben dem Ausbau der Weiterverarbeitungs- und Verpackungsindustrie  dazu geführt, dass ehemalige Dorfbewohner, die in die Städte abgewandert waren, wieder in ihre Dörfer zurückgekehrt sind.

 

Choraschad ist ein Dorf, in Süd-Chorasan, das von der Organisation für Kulturerbe und Tourismus als Vorbild hervorgehoben wird. Das Dorf liegt nahe bei Birdschand in der Provinz Süd-Chorasan und ist sowohl für seine schöne Natur als auch für sein Kunsthandwerk und begabte Menschen, die aus ihm hervorgegangen  sind,  bekannt.

In Choraschad widmen sich alle weiblichen Bewohner der Webkunst, selbst Studentinnen   oder Berufstätige, die in anderen Orten leben, beschäftigen sich im Urlaub in Choraschad mit dieser Kunst.

Die Anfertigung der traditionellen Choraschad oder auch Tubafi- genannten Webstoffe stellt das wichtigste Kunsthandwerk in diesem Dorf statt. Die Dorfbewohnerinnen haben  2 Genossenschaften  für ihr Handwerk gegründet. Frau Fatemeh Sadeqi,  die Dorfvorsteherin, sagt, dass circa 400 Personen in Choraschad  dem Kunsthandwerk des Handtuch-Webens nachgehen. Die Webwaren aus Choraschad lassen sich wegen ihrer guten Qualität gut verkaufen. Einige davon werden sogar ins Ausland exportiert.

  Für das traditionelle  Weben von Stoffen wird zunächst Rohmaterial wie Baumwolle oder Seide und Schurwolle benötigt und daraus Garn hergestellt. Das Garn wird gekocht und mit Mehl verdickt.  Mit diesem Garn werden geschmeidige Stoffe gewebt die besonders für das heiße Wüstenklima  geeignet sind. Sie sind sehr saugfähig  und erzeugen keine Allergie.

Rum ist ein weiteres Dorf in Süd-Chorasan . Es gehört zu dem Verwaltungsdistrikt Schahrestane- Qain. Dank der Wiederbelebung der Dscha-dschim-Teppichware wurde es  zu einem Zentrum für Kunsthandwerk im Osten Irans. Einst hatte dieses Dorf  viele Einwohner, aber mit der Zeit nahm die Bevölkerungszahl ab. Der Grund waren Dürrezeiten und Mangel an Tiefbrunnen und die Verlegung der Hauptstraße aus der Dorfmitte.  Doch in den letzten Jahren erlebt Rum wieder einen Aufschwung.

Resa Resapour leitet ein Unternehmen in diesem Dorf, welches Dscha-dschim herstellt. Er sagt, dass sich fast 40 Prozent der Dorfbevölkerung mit der Anfertigung von diesen Flachgeweben beschäftigt, die mit den Kelims verwandt sind.  Gemäß ihm lässt sich diese Webware aufgrund gediegener Qualität leicht absetzen. Jährlich werden  insgesamt  70 Tausend Quadratmeter  Dscha-dschim in Rum hergestellt und gelangen, zu 200 verschiedenen Arten von Artikeln verarbeitet, zum Verkauf.

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Eine Frau in Rum beim Weben von Dscha-dschim

 

Dscha-dschim ist ein beidseitig gleich gemustertes  dickes Gewebe, das  aus bunten,  Woll- oder  Baumwollfasern oder einer Kombination von beiden angefertigt wird. Dscha-dschim ist glatt und hat keinen Flor. Es kann von beiden Seiten benutzt werden. Unter den Nomaden im Iran wird Dscha-dschim zum Schutz vor Kälte benutzt. Während ihrer Wanderung verpacken sie  ihre Utensilien in dieses Gewebe.