Neyschabur – iranische Hauptstadt des Buches
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Abu-l Fasl Bihaqi, der iranische Historiker und Autor aus der nordostiranischen Provinz Chorassan (10. Jahrhundert nach Christus) hat gesagt: „Der beste Redner und Helfer ist das Buch. Wenn dich deine Freunde alleine gelassen haben, kannst du dich mit ihm beschäftigen...
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May 12, 2016 01:23 Europe/Berlin

Abu-l Fasl Bihaqi, der iranische Historiker und Autor aus der nordostiranischen Provinz Chorassan (10. Jahrhundert nach Christus) hat gesagt: „Der beste Redner und Helfer ist das Buch. Wenn dich deine Freunde alleine gelassen haben, kannst du dich mit ihm beschäftigen...

 Wenn du es zu deinem Vertrauten machst, wird es nicht dein Geheimnis verraten. Mit Hilfe des Buches kann man an Wissen und gute Dinge gelangen.“ 

Im November 2014 hat das Ministerium für Kultur und Islamische Lenkung des Irans zu dem Projekt „iranische Hauptstadt des Buches“ aufgerufen. Dieses Projekt soll dem Kulturausbau und der Förderung des Lesens und der Einholung von interessanten Vorschlägen und Programmen zum Thema Buch und Bücherlesen dienen. Jedes Jahr ruft die UNESCO zu einem Projekt namens UNESCO-Welthauptstadt des Buches auf und wählt diejenige Stadt aus, die einen herausragenden Beitrag zur Verbesserung der Stellung des Buches und Verbreitung des Bücherlesens geleistet hat. Jede Welthauptstadt des Buches, welche diesen Titel von der UNESCO erhält, behält diesen vom 23. April – dem Welttag des Buches - bis zum darauffolgenden Jahr. Inzwischen wurde dieser Titel 16 Mal verliehen.

                 

Beim nationalen Projekt der Wahl der iranischen Hauptstadt des Buches soll eine Stadt im Inland aufgrund ihrer Eignung und Aktivitäten und Programme im Dienste der Verbreitung des Bücherlesens ausgewählt werden.

Mit diesem Projekt wird auch das Ziel verfolgt, das Lese-Potential in iranischen Städten einzuschätzen. In der ersten Runde haben viele iranische Städte mit langer kultureller und historischer Bedeutung an diesem Projekt teilgenommen. Im vergangenen iranischen Jahr 1394 (2015) wurde die südiranische Stadt Ahwaz zur iranischen Hauptstadt des Buches ernannt.

Bei der zweiten Runde der Wahl der iranischen Hauptstadt des Buches gelangten die Städte Neyschabur , Shiraz und Bushehr der Reihe nach auf der ersten, zweiten und dritten Platz. 100 iranische Städte hatten mit ihren Vorschlägen und Programmen um den Titel gewetteifert und 15 waren in die Endrunde gelangt.

Neyschabur im Nordosten Irans konnte wegen innovativer Programme, seiner Betonung der aktiven Bürger-Mitbeteiligung, der Beachtung seiner kulturellen Geschichte und der Nutzung des Potentials des Privatsektors, Bürgergruppen, der Industrie und der kulturellen und sportlichen Zentren auf den ersten Platz gelangen. Bei der ersten Runde hatte es den zweiten Platz erreicht.

In diesem Jahr wurden während der Zeremonie zur Bekanntmachung der iranischen Hauptstadt des Buches übrigens auch Dörfer vorgestellt, die sich für die Kultur des Bücherlesens eingesetzt haben. 10 Dörfer wurden wegen ihrer Initiativen für die Verbreitung des Büchrlesens gewürdigt und erhielten Preise. Diese Dörfer liegen in den Provinzen Loristan (Westiran), Yazd und Fars, und Hamadan und Isfahan (Zentraliran), Kohgiluye wa Boyer Ahmad sowie Buschher (Südiran) , Ardebil und West- Aserbeidschan im Norden bzw. Nordwesten Irans, sowie im Nord-Chorassan im Nordosten.

Neyschabur ist eine der wichtigsten Städte und nach Maschhad die zweitgrößte Stadt von Rasavi- Chorassan, Nordost-Iran. Sie ist kulturell, touristisch und industriell von Bedeutung und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wann diese Stadt genau entstand ist unklar. Gemäß alten Schriften nahm sie bereits im dritten Jahrtausend vor Christus kulturell und für Kunst und Handel eine besondere Stellung ein.

Gemäß einer Erzählung soll das Fundament der alten Festung von Neyschabur von Prophet Anusch Bin Schith bin Adam (einem Nachkommen Adams) gelegt worden sein.

Neyschabar ist während seiner bewegten Geschichte wegen seiner besonderen geografischen Lage und dem furchtbaren Böden und günstigem Klima ein Anziehungspunkt für viele Völker gewesen. Es ist unklar, wer seine Einwohner vor der Ankunft der Arier aus dem Norden waren. Aber man weiß, dass eine arische Volksgruppe sich in Chorrasan und Neyschabur ansiedelte und das Land kultivierte. Vor dem Islam nahm sie kaum Kontakt mit den benachbarten Völkern auf. Danach aber erregte Neyschabur die Aufmerksamkeit der Araber und eine Anzahl von ihnen siedelten sich dort an. 31 nach der Hidschra und dem Mondkalender ( um 650 nach Christus ) nahmen die Muslime Neyschabur ein. Aber zu Beginn des 3. Jahrhundert nach der Hidschra (820 nach Christus) wurde diese Stadt zum Regierungssitz der persischen Dynastie der Tahiriden.

Die Stadt fiel im 11. Und 12 Jahrhundert nach Christus 548 und 618 nach der Hidschra und dem Mondkalender dem verheerenden Angriff der Mongolen zum Opfer. Sie wurde von den nachfolgenden Ilchanen neu aufgebaut, jedoch 808 nach der Hidschra (Ende 13. Jahrhundert nach Christus ) von einem schweren Erdbeben zerstört. Danach erlebte sie Angriffe von Oghuzen, Turkmenen, Usbeken, Mongolen, Timuriden und Afghanen. Durch die Eroberungen kam es auch zur Vermischung verschiedener Ethnien.

Jedenfalls war dieses Gebiet ein Ort, an dem verschiedene Ansichten und Kulturen aufeinandertrafen, was zum kulturellen Reichtum in der Geschichte von Neyschabur beitrug.

                                     

In Neyschabur existierten 27 der 33 ersten Madaares (höheren Ausbildungsstätten) und Universitäten der Islamischen Welt. Hier entstand vor der bekannten Bagdader Nizamiyah die Neyschaburer Nizamiyah – eine muslimische höhere Ausbildungstätte. Im Jahre 200 nach der Hidschra haben in dieser Stadt mehrere Tausend Schreiber ein berühmt gewordenes Hadith von Imam Ridha (gegrüßet sei er) über die Statthalterschaft der Imame aus dem Prophetenhaus niedergeschrieben. Dieses Hadith ist das Hadith der Goldenen Kette – Silsilah al Dhahab.

Neyschabar war ein wichtiger Ort für die Wissensdurstigen aus den islamischen Gebiete.

Im vierten und fünften Jahrhundert nach der Hidschra und dem Mondkalender 10. Und 11. Jahrhundert nach Christus sind in Neyschabur mehrere mystische Bewegungen entstanden. Die Stadt war das Zentrum für Sufismus und Mystik in der Islamischen Welt. Bis zum 6. Jahrhundert nach der Hidschra (12. Jahrhundert nach Christus) sind 4 tausend 300 große Persönlichkeiten der Kultur und Wissenschaft in Neyschabur erschienen. Berühmtheiten wie Ataar, Hakim Umar Khayyam und Fadl Ibn Schadhan, ein Anhänger Imam Ridhas (a) zeugen für die glänzende Zivilisation dieser Stadt im Nordosten Irans.

Nach Ansicht von Kennern der iranischen Geschichte und Zivilisation ist der Beitrag Neyschaburs zu Kultur und Wissen das wichtigste Erbe dieser Stadt. Dr. Mohammad Ali Islami Noduschan , ein zeitgenössischer Forscher und Autor sagt: „Neyschabur nimmt im islamisierten Iran eine besonderen Rang ein. Es liegt im Osten in einer weiten fruchtbaren Ebene an den prächtigen Hängen des Binalud Berges, nahe bei Tus… Dieses Gebiet hat Groß-Chorassan zu einem Zentrum der größten kulturellen und politischen Ereignissen der Welt werden lassen.“

Was die Bedeutung von Neyschabur vergrößerte, war sein Widerstand gegenüber den Unbilden Natur und den Angreifern. Weder Erdbeben noch die Verheerungen durch Angreifer konnten dem Kulturgerüst dieser Stadt etwas anhaben. Und so ist Neyschabur auch heute noch wie in den vergangenen Jahrhunderten stark und lebt.

Die UNESCO hat Neyschabur als die iranische Hauptstadt der Wissenschaften für den Zeitraum von 2005 bis 2010 ernannt und diese Stadt mit der Begutachtung der internationalen Erdwissenschaften über Iran beauftragt. Diese UN-Organisation stellte 2010 die Stadt Neyschabur als die beständigste Stadt in der Geschichte Irans vor. Diese Stadt ist in der Islamischen Zivilisationsära wegen ihrer Größe und Bedeutung Großstadt genannt worden und weil sie eine glänzende Vergangenheit in der Wissenschaft, Kultur und Farsi-Literatur besaß, machte sie automatisch die Literaten der Angreifer- bzw. Gastvölker auf sich aufmerksam.

Neyschabur wirkte wegen seiner natürlichen, spirituellen und kulturellen Vorzüge und weil es an der historischen Seidenstraße lag, von sich aus anziehend. Große Dichter und Autoren haben in ihren Werken den Namen dieser Stadt und ihre berühmten Größen in Wissenschaft und Literatur genannt. Neyschabur wurde so sehr gerühmt, dass bekannte Orientalisten den Wunsch hegten, diese Stadt zu sehen.

Das Programm für das Sonderprojekt „Neyschabur – iranische Hauptstadt des Buches“ - besteht aus viele Veranstaltungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, Veranstaltung von Abenden zu Ehren der Neyschaburer Berühmtheiten, die Verleihung der Preise für die iranische Hauptstadt des Buches und des Preises „goldener Ziegelstein“ für das Dichterfestival für Arbeiter, die Vorstellung von Publikationen und Presseerscheinungen von Neyschabur , sowie der öffentlichen und halbprivaten Bibliotheken, und nichtöffentlichen größeren Büchersammlungen, der touristischen Attraktionen in Form von Postern und Verteilung von CDs, sowie Kulturseminare, Konzerte für traditionelle Musik und Folklore und Wettbewerbe für Kalligrafie.

Neyschabur nimmt aktiv an der 29. Teheraner Büchermesse als iranische Hauptstadt des Buches teil und dies liefert dieser Stadt die Möglichkeit Beziehungen anzuknüpfen und zu vertiefen. Dabei bietet sie nicht nur einen Einblick in ihre Programme als iranische Hauptstadt des Buches für die Förderung der Lesekultur sondern spiegelt auch einen Teil der Kultur von Groß-Chorassan und seine wichtige Rolle für die Kultur Irans wieder.