Welche Herausforderungen verursachen die Haredim in den besetzten Gebieten?
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ParsToday - In den besetzten palästinensischen Gebieten kommt es erneut zu Protesten der Haredim (Ultraorthodoxe Juden). Diese Demonstrationen haben die tiefe Kluft zwischen dieser Religionsgruppe und der politischen Struktur des israelischen Regimes offengelegt.
(last modified 2026-05-02T09:12:40+00:00 )
Nov 18, 2025 03:47 Europe/Berlin
  • Welche Herausforderungen verursachen die Haredim in den besetzten Gebieten?
    Welche Herausforderungen verursachen die Haredim in den besetzten Gebieten?

ParsToday - In den besetzten palästinensischen Gebieten kommt es erneut zu Protesten der Haredim (Ultraorthodoxe Juden). Diese Demonstrationen haben die tiefe Kluft zwischen dieser Religionsgruppe und der politischen Struktur des israelischen Regimes offengelegt.

Laut ParsToday waren die Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs sowie der politische Druck zur Aufhebung der weitreichenden Befreiung der Haredim vom Militärdienst der Auslöser für die Proteste. Dies wird vom säkularen Teil der Gesellschaft als „Notwendigkeit für Gleichberechtigung in Sicherheitsfragen” und von den Haredim als „direkter Angriff auf ihre religiöse Lebensweise” betrachtet. Die jüngsten Proteste der Haredim sind jedoch nicht nur eine Reaktion auf die Aufhebung der Wehrdienstbefreiung, sondern spiegeln auch eine historische und strukturelle Kluft zwischen dem religiösen und dem politischen System des israelischen Regimes wider.

Diese Kluft besteht seit der Etablierung des israelischen Regimes und hat sich angesichts des Sicherheitsdrucks, des demografischen Wandels und der Wirtschaftskrise nun zugespitzt. Nach der Gründung des israelischen Regimes genossen die Haredim trotz ihrer geringen Bevölkerungszahl weitreichende Privilegien, beispielsweise Militärbefreiung und ein Budget für Bildung. Diese Privilegien wurden nach und nach zum Hauptstreitpunkt in den besetzten Gebieten und zu einem zentralen Element politischer Konflikte.

Gesellschaftlich leben die Haredim in abgeschotteten Wohnvierteln mit eigenen Medien und Schulen. Wirtschaftlich gesehen ist die Beteiligung der Männer am Arbeitsleben gering, sodass die Frauen die Hauptlast der Familienversorgung tragen und die Gemeinschaft von staatlichen Subventionen abhängig ist. Die hohe Geburtenrate hat ein rasantes Bevölkerungswachstum der Haredim zur Folge. Ihr Anteil an der israelischen Bevölkerung liegt mittlerweile bei etwa 13 Prozent und sie werden Prognosen zufolge bis Mitte des Jahrhunderts die größte jüdische Bevölkerungsgruppe bilden.

Diese Entwicklung löste ernsthafte Besorgnisse hinsichtlich der wirtschaftlichen und politischen Zukunft des israelischen Regimes aus, da eine große, aber unqualifizierte Bevölkerung die Wirtschaft stark belasten könnte. Das Militär ist die Säule der israelischen Sicherheit. Säkularisten sehen die Befreiung der Haredim vom Wehrdienst als Bedrohung der sozialen Gleichheit. Die Haredim hingegen betrachten das Militär als Bedrohung ihres Glaubens.

Indem sich die Haredim auf die internen Interessen ihrer Gemeinschaft konzentrieren, sind die Parteien dieser Gruppe zu Schlüsselakteuren in politischen Koalitionen geworden. Ohne ihre Unterstützung lassen sich rechtsgerichtete Regierungen nur schwer bilden. 

Militärisch gesehen leidet die israelische Armee unter einem Mangel an rund 12.000 Soldaten. Dieser Mangel wurde durch die jüngsten Kriege im Gazastreifen und im Libanon noch verschärft. Die säkulare israelische Gesellschaft betrachtet die Befreiung der Haredim vom Wehrdienst als Diskriminierung, da deren Kinder im Krieg getötet werden, während die Haredim selbst von dieser Pflicht befreit sind. Auch die Oppositionsparteien im Kabinett sind sich über die Notwendigkeit des Wehrdienstes für die Haredim einig und haben dieses Thema zu einem der Hauptstreitpunkte in der Knesset gemacht.

Das israelische Kabinett steht nun unter dem Druck zweier Seiten: Einerseits wollen Militär und säkulare Gesellschaft die Sonderrechte der Haredim abschaffen, andererseits sind die religiösen Parteien der Haredim für das Überleben rechter Regierungen unerlässlich. Diese benötigen die Unterstützung der religiösen Parteien, doch der Druck von Militär und Öffentlichkeit, die Sonderrechte der Haredim zu beenden, wächst stetig.