Davos 2026 und die offene Darstellung der amerikanischen Krise unter Trump
https://parstoday.ir/de/news/world-i101460-davos_2026_und_die_offene_darstellung_der_amerikanischen_krise_unter_trump
Die lange und angespannte Rede des US-Präsidenten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat nicht nur die Sorgen um den Zusammenbruch der westlichen Einheit nicht verringert, sondern diese sogar verstärkt.
(last modified 2026-01-23T20:50:03+00:00 )
Jan 23, 2026 21:46 Europe/Berlin
  • Donald Trump, der Präsident der Vereinigten Staaten
    Donald Trump, der Präsident der Vereinigten Staaten

Die lange und angespannte Rede des US-Präsidenten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat nicht nur die Sorgen um den Zusammenbruch der westlichen Einheit nicht verringert, sondern diese sogar verstärkt.

Donald Trump, der Präsident der Vereinigten Staaten, beschuldigte Europa in seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos, die USA auszunutzen, zeigte sich überrascht über den Widerstand gegen den Plan, Grönland annektieren, und kritisierte die europäischen Führer scharf wegen ihrer Einwanderungs- und Wirtschaftspolitik. Laut Bericht der Nachrichtenagentur Mehr war die einzige Aussage, die etwas beruhigend war, Trumps Versprechen, keine Gewalt zur Eroberung Grönlands einzusetzen; eine Haltung, die für einige europäische Beamte in dier angespannten Atmosphäre der atlantischen Beziehungen als begrenzte Hoffnung angesehen wurde.

Einige Stunden später kündigte Trump an, mit dem Generalsekretär der NATO ein „Rahmenwerk für eine zukünftige Vereinbarung“ über Grönland erreicht zu haben und vorerst die Drohung neuer Zölle gegen Europa fallen gelassen zu haben. Auf seiner Social-Media Plattform beschrieb er diese Einigung als „großartig für Amerika und alle NATO-Mitglieder“ ohne weitere Details zu nennen. Was sind die Schlüsselpunkte in Trumps Rede in Davos?

1. Grönland: Ausschluss militärischer Option, Fortsetzung politischen Drucks

Trump sagte, „er würde keine Gewalt anwenden“, und schloss damit erstmals die Möglichkeit eines militärischen Vorgehens gegen Grönland aus; ein Thema, das zuvor im Weißen Haus nicht ausgeschlossen worden war. Dennoch betonte er erneut seine Forderung nach „vollständigem Eigentum Grönlands und warnte: „Ihr könnt nein sagen, aber wir werden es in Erinnerung behalten“; ein Satz, der aus Sicht von Beobachtern eine drohende Tonalität hatte.

2. Die kontroverse historische Darstellung und Kritik an Dänemark

Trump verteidigte seine Behauptung, indem er auf den Zweiten Weltkrieg verwies und Dänemark als "undankbar" bezeichnete. Er behauptete, Dänemark habe nur sechs Stunden gegen Deutschland Widerstand geleistet und die USA waren gezwungen einzugreifen. Diese selektive Darstellung stieß auf breite Ablehnung und wurde als Versuch gewertet eine ungewöhnliche territoriale Forderung zu rechtfertigen.

3. Ausweitung der Kritik und Verunglimpfung von Verbündeten

Trump setzte seine Angriffe fort und richtete sich auch an die Schweiz, indem er behauptete, das Land sei "nur gut, weil Amerika es so will". Er sprach sich für höhere Zölle gegen die Schweiz aus, weil er persönlich beleidigt sei. Frankreich, Kanada und sogar einige inländische Persönlichkeiten in den USA blieben nicht von seinen Angriffen verschont. Seine Äußerungen zu Migration wurden von einem schweren Schweigen im Raum begleitet.

4. Die kühle Reaktion der Anwesenden und das unerwartete Ende

Mit der Verlängerung der Rede und der Intensivierung der Angriffe wurde die Atmosphäre im Saal kalt und schwerfällig. Einige Anwesende verließen den Raum, als das Thema Grönland angesprochen wurde. Trump beendete seine Rede ohne einen klar Abschluss und sagte einfach: "Bis später".

5. Das Bild, das Trump von Europa zeichnete

Am Ende seiner Rede beschrieb Trump Europa als eine «nicht wieder erkennbaren» Kontinent und machte die Einwanderungs- und Wirtschaftspolitik für diesen Zustand verantwortlich. Er erinnerte an die Kriege des 20. Jahrhunderts und demütigte Europa erneut, indem er betonte, dass die Welt von Amerika abhängig sei, aber seine Macht nicht würdige; eine Haltung, die seine hegemoniale Sichtweise auf internationale Beziehungen unterstreicht.

Die Rede von Donald Trump in Davos 2026 kann als Wendepunkt mehrerer gleichzeitig auftretender Krisen in der amerikanischen Außenpolitik betrachtet werden; eine Krise in den transatlantischen Beziehungen, eine Krise des Vertrauens in die Führung Washingtons und eine Krise der Legitimität des internationalen Systems, das Amerika entworfen hat. Trump unternahm in seiner Rede nichts, um die Risse zu kitten, sondern vertiefte sie tatsächlich mit herabsetzender, bedrohlicher Rhetorik und an manchen Stellen sogar historischer Verfälschung.

Die Behauptung des Eigentums über Grönland, selbst wenn man die offensichtliche militärische Option beiseite schiebt, zeigt einen imperialistischen Ansatz in den internationalen Beziehungen; einen Ansatz, in dem die nationale Souverän der Länder, die Regeln des Rechts und multilaterale Strukturen eine untergeordnete Rolle spielen.

Insgesamt wurde Davos 2026 anstatt einer Tribüne für Dialog und globale Zusammenarbeit zur Bühne für die Darstellung der Führungskrise Amerikas unter Trump. Seine Rede, die Macht und Entschlossenheit demonstrieren sollte, verschärfte in der Praxis die Sorgen um die Zukunft der westlichen Einheit und die Stabilität des internationalen Systems. Sie stellte die Frage in den Raum, ob Amerika unter Trump noch in der Lage oder bereit ist die Rolle eines verantwortungsvollen Akteurs in der Welt zu übernehmen.