Doppelstandards der USA in der Urananreicherungspolitik
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ParsToday – Der US-Energieminister hat angekündigt, dass die Vereinigten Staaten die Urananreicherung im eigenen Land wieder aufnehmen werden.
(last modified 2026-02-18T21:31:27+00:00 )
Feb 18, 2026 22:26 Europe/Berlin
  • Chris Wright, Energieminister der Vereinigten Staaten
    Chris Wright, Energieminister der Vereinigten Staaten

ParsToday – Der US-Energieminister hat angekündigt, dass die Vereinigten Staaten die Urananreicherung im eigenen Land wieder aufnehmen werden.

Wie ParsToday berichtet, erklärte Chris Wright, Energieminister der Vereinigten Staaten, Washington werde das Programm zur Urananreicherung auf US-Territorium neu starten. Wright äußerte sich dazu am Dienstag, dem 17. Februar, im Rahmen einer Konferenz in Paris.

Nach seinen Angaben soll das Vorhaben teilweise in Zusammenarbeit mit Partnern in Frankreich umgesetzt werden. Die Erklärung erfolgt vor dem Hintergrund, dass die USA und ihre europäischen Verbündeten ihre Abhängigkeit von externen Lieferanten für Kernbrennstoff – insbesondere von Russland – verringern wollen.

Im vergangenen Monat erhielt das französische Kernbrennstoffunternehmen Orano nach eigenen Angaben 900 Millionen US-Dollar vom US-Energieministerium, um sich am Bau einer Urananreicherungsanlage im Bundesstaat Tennessee zu beteiligen. Das Projekt wird als Teil umfassender Bemühungen Washingtons dargestellt, die inländischen Kapazitäten im nuklearen Brennstoffkreislauf zu stärken.

Widerspruch in der Außenpolitik Washingtons

Die Ankündigung, die Urananreicherung in den USA wieder aufzunehmen, hebt nach Einschätzung politischer Beobachter einen offensichtlichen Widerspruch in der US-Außenpolitik hervor: Während Washington die vollständige und bedingungslose Einstellung der Urananreicherung in Iran fordert, treibt es zugleich eigene Anreicherungsprogramme zu kommerziellen und strategischen Zwecken voran.

Dieser doppelte Ansatz wirft grundlegende Fragen hinsichtlich der politischen und rechtlichen Grundlagen der US-Nichtverbreitungspolitik auf. Die Erklärung des US-Energieministers erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Washington den maximalen Druck auf Iran ausübt, um eine vollständige Einstellung dieser Aktivitäten zu erreichen – ein Vorgehen, das in Teheran als Beispiel für eine Politik „mit zweierlei Maß“ bewertet wird.

Die offizielle Position Washingtons zum iranischen Atomprogramm geht über die Bestimmungen des Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplans (JCPOA) hinaus. Während das Abkommen Iran eine Urananreicherung bis zu 3,67 Prozent gestattete, fordert die derzeitige US-Regierung nach eigenen Angaben eine „Null-Anreicherung“ und die vollständige Einstellung entsprechender Aktivitäten auf iranischem Boden. Bei jüngsten Gesprächen in Oman im Februar 2026 sei diese Forderung als zentrale Bedingung vorgebracht worden. Zudem wurde vorgeschlagen, hochangereichertes Uran (60 Prozent) aus Iran in ein Drittland zu überführen. Washington begründet seine Position mit Nichtverbreitungsbedenken und dem Ziel, einen möglichen Erwerb militärischer nuklearer Fähigkeiten durch Iran zu verhindern.

„Anreicherung für uns, Verbot für andere?“

Parallel dazu verfolgt die US-Regierung die Ausweitung und Wiederaufnahme der Urananreicherung im eigenen Land. Als Ziel wird die Sicherung der Brennstoffversorgung für Kernkraftwerke und die Reduzierung von Importabhängigkeiten genannt. Kritiker sehen darin einen klaren Doppelstandard: Während Washington die Urananreicherung als legitime und notwendige Aktivität zur Wahrung nationaler Interessen betrachtet, wird Iran dieses Recht trotz seiner Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag (NPT) abgesprochen.

Iran hat wiederholt erklärt, im Hinblick auf den Umfang der Anreicherung Flexibilität zeigen zu können, jedoch unter keinen Umständen auf sein Recht zur Urananreicherung zu friedlichen Zwecken zu verzichten.

Teheran bewertet das Vorgehen Washingtons als Ausdruck mangelnder Glaubwürdigkeit und verweist darauf, dass das Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie einschließlich der Urananreicherung laut NPT ein unveräußerliches Recht aller Vertragsstaaten sei.

Der iranische Außenminister Seyed Abbas Araghchi betonte am 17. Februar bei einer Rede am europäischen Sitz der Vereinten Nationen in Genf im Rahmen der Abrüstungskonferenz, das Recht Irans auf Nutzung der Kernenergie sei nicht verhandelbar. Bereits am 8. Februar hatte er erklärt, Iran werde niemals auf sein friedliches Nuklearprogramm und die Urananreicherung verzichten; Voraussetzung für erfolgreiche Verhandlungen sei die Anerkennung dieses Rechts.

Maximalforderungen und strategischer Druck

Beobachtern zufolge ist die US-Politik in der Frage der Urananreicherung Teil eines umfassenderen „Maximalansatzes“, der über das Atomprogramm hinaus auch Irans Raketenprogramm und seine regionale Politik betrifft. Experten verweisen darauf, dass weitreichende Forderungen, begleitet von militärischer Präsenz in der Region – darunter die Stationierung der Flugzeugträgerkampfgruppe USS Abraham Lincoln Carrier Strike Group sowie die Entsendung der USS Gerald R. Ford Carrier Strike Group und die Androhung militärischer Maßnahmen – vor allem als Druckmittel in Verhandlungen dienten und schwer umzusetzen seien.

Problematisch sei, dass Washington diese Forderungen nicht als Ausgangspunkt für Verhandlungen, sondern als Endziel definiere. Dieses Vorgehen habe Iran bislang nicht zu einem Einlenken bewegt. Stattdessen verfolgt Teheran nach eigenen Angaben eine Strategie von „Diplomatie und Abschreckung“: Parallel zu Gesprächen würden die defensiven Fähigkeiten gestärkt und Militärübungen – unter anderem im Persischen Golf und in der Straße von Hormus – durchgeführt, um Entschlossenheit gegenüber möglichen Aggressionen zu demonstrieren.

Auswirkungen auf die Verhandlungen

Insgesamt erschwert die US-Politik mit doppelten Maßstäben in der Frage der Urananreicherung die indirekten Atomgespräche und Bemühungen um eine Aufhebung der Sanktionen erheblich. Solange Washington einerseits für sich das Recht auf Urananreicherung in Anspruch nimmt, dieses Recht andererseits Iran nicht zugesteht, erscheint eine tragfähige und nachhaltige Einigung aus Sicht politischer Analysten schwer erreichbar.

Der daraus resultierende Widerspruch berührt auch die Glaubwürdigkeit des Atomwaffensperrvertrags, der die friedliche Nutzung der Kernenergie einschließlich der Urananreicherung für Mitgliedstaaten anerkennt, und vertieft das Misstrauen im internationalen System.