Seltene Tier- und Pflanzenarten im Iran (14 - die Großtrappe)
Misch Morgh - zu Deutsch Großtrappe - ist eine Vogelart im Iran, die in den letzten Jahren wegen Verlust an natürlichem Lebensraum, illegaler Jagd und Problemen mit Brutplätzen immer seltener geworden und inzwischen vom Aussterben bedroht ist. Dieser Vogel ist auch sonst auf der Welt rar geworden. Daher steht er auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion. Heute erfahren sie mehr über ihn.
Die Großtrappe, welche in der Wissenschaft mit Otis Tarda und im Persischen mit Misch Morgh bezeichnet wird, ähnelt mit ihrer großen und schönen Gestalt sehr dem Truthahn. Die Rumpflänge erreicht einen Meter beim Männchen und das Gewicht eines männlichen Misch Morgh, was wörtlich "Schafsvogel" bedeutet, beträgt bis zu 16 kg. Die Weibchen sind kleiner und wiegen erheblich weniger. Die Schwanzfedern des Vogels sind dunkel gelb mit schwarzen Querstreifen. Am Bauch sind die Federn weiß. Der Vogel hat starke und hohe Läufe mit drei Fußzehen. Das Tier braucht diese starken Beine, weil es seltener fliegt und sich am meisten am Boden aufhält. Männchen und Weibchen sind gleichfarbig , aber die männliche Großtrappe ist etwas größer. Der erwachsene männliche Vogel hat ein kastanienbraunes Band auf der Brust und den älteren Männchen wächst sogar ein Federbart, der am Schnabel beginnt und etwa an der Mitte des Halses endet. Die Großtrappe ist nicht wählerisch und ein Allesfresser. Ihre Nahrung besteht jedoch in der Hauptsache aus Knospen und Sprossen, Blättern und dem Samen von wilden Pflanzen und Saatgut.
Die Großtrappe hält sich vor allen Dingen auf Ackerflächen mit Weizen, Luzernen und Erbsen auf. Im Frühling legt der Vogel in Erwartung von Küken seine Nest in dem dichteren Teil der Anbaufelder an. Doch sind die Großtrappen auch im Herbst und Winter auf den abgeernteten Feldern zu sehen. Sie sind jedoch sehr klug und nicht so leicht zu erbeuten. Eine Großtrappe bemerkt sofort jegliche Änderung in ihrem Lebensraum, verlässt ihn und siedelt an einen anderen Ort um. Der Vogel ist sehr vorsichtig. Bei Gefahr fliegt er nicht weg, sondern läuft rasch davon und versteckt sich.
Die Paarungszeit der Großtrappen ist Ende Winter und Anfang Frühling, wenn die Temperaturen steigen und die Tage länger werden. Das balzende Männchen versucht das Weibchen auf sich aufmerksam zu machen, in dem es die Schwanzfedern zu einem Fächer spreizt und die Federn zu beiden Seiten des Rumpfes so zusammenschließt, dass sie wie eine große weiße Blume aussehen . Zugleich bläht es sich auf. Durch dieses gelungene Bühnenstück versucht das Männchen gleich mehrere Weibchen anzuziehen. Dieser Vogel ist nämlich polygam und jedes Männchen ist bestrebt, ein Reich für sich aufzubauen. Das Weibchen ist mit zwei bis drei Jahren erwachsen und das Männchen erst mit 4 bis 5. Die Weibchen legen in der Hauptsache Mitte Mai ihre Eier. Und zwar sind es in der Regel mindestens 2 bis 4. Die Farbe der Eier ist graugrün mit großen dunklen Flecken. Jedes Ei wiegt circa 150 g. Die Küken schlüpfen nach 25 bis 27 Tagen aus. Nach der Paarung übernimmt das Männchen quasi keinerlei Rolle bei der Fürsorge des Nachwuchses. Die Küken bleiben nach dem Ausschlüpfen eine Zeit lang bei der Mutter und sind von ihr abhängig.
Das Verteilungsgebiet der Großtrappe beginnt auf der Iberischen Insel in Spanien und endet in Ostchina . Aber die schlechte Lage in den Lebensräumen und die gefährdete Sicherheit haben diesen Vogel weltweit der Gefahr des Aussterbens ausgesetzt. Die Zahl der Großtrappen nimmt weiterhin ab. Laut Sachverständigen ist dieser Vogel im 19. Jahrhundert in England, Schweden, Dänemark, Griechenland und Frankreich ausgestorben, während er vorher dort einheimisch gewesen war. Im 20. Jahrhundert kam es auch zum Aussterben dieser Vogelart in großen Teilen Osteuropas. So verschwand er vollständig in Polen und Jugoslawien aus der Natur. Nur in vier Gebieten Europas gibt es noch eine kleine Population der Großtrappe und es besteht die Hoffnung, dass dieser außergewöhnliche Vogel dort erhalten bleibt. Diese vier Gebiete sind Portugal, Spanien und Ungarn sowie Russland in Eurasien.
Im Iran lebt die Großtrappe vor allen Dingen in westlichen und nordwestlichen Gebieten. Es gibt auch eine Population in Nordosten des Landes. Aber das wichtigste Habitat ist Dascht-e Bukan - die Talebene um Bukan im Nordwesten des Landes. Dort ist das größte Winterquartier und der größte Brutplatz des Vogels. Der Landeskreis Bukan mit seiner Steppenlandschaft ist das letzte Zufluchtsgebiet im Iran für diese wertvolle Vogelart . Die Großtrappe - hierzulande Misch Morgh genannt. gehört zu dem wichtigen Naturerbe Irans in diesem Landkreis und gilt als Sehenswürdigkeit für Touristen.
In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Großtrappen im Iran stark zurückgegangen. Dies liegt sowohl an der Zerstörung ihres Lebensraumes und der Verwandlung von natürlich in künstlich bewässerte Felder als auch der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft, ebenso wie an ungehemmter Jagd auf diesen Vogel. Die Naturschutzfreunde sind natürlich über diese Entwicklung besorgt. Im Landeskreis Bukan setzen sich daher engagierte Wildhüter dafür ein, in diesem Winkel Irans den Großtrappen eine sichere Heimat zu bieten.
میش مرغ