Dez 26, 2018 15:42 CET

Das Talab-e Gawchuni (englisch: Gawkhuni)  ist ein sehr wichtiges Habitat für Wasser- und Watvögel und gilt als international bedeutendes Feuchtgebiet im Iran.  Dieses Feuchtgebiet liegt 176 südöstlich von Isfahan, in 12 km Entfernung der Stadt Varzaneh.

 

   

         

 

Die Provinz Isfahan gehört zu den zentralgelegenen Provinzen Irans. Sie hat viele historische, kulturelle und natürliche Sehenswürdigkeiten zu bieten.  Die gleichnamige Zentrale dieser Provinz ist nach Teheran und Maschhad die drittgrößte Stadt des Landes.

Die Stadt liegt im Schnittpunkt der Verbindungstrecken von Norden nach Süden und von Osten nach Westen. In der Geschichte sind sich hier verschiedene Völker und Kulturen begegnet.  Im Norden und Osten grenzt die Provinz Isfahan an die große Wüste, Kawir, und im Westen und Süden an die Gipfel des Zagrosgebirges. Eine wichtige Rolle für die Region spielt der Zayandeh-Rud, der das Provinzzentrum Isfahan durchquert. Er stammt aus den Quellen des Zard-Kuh Bachtiari, einem Berg des Zagrosgebirges, der in der benachbarten Provinz  Tschahar Mahal und Bachtiyari liegt.


 

 

Si-o-seh-Pol-Brücke über dem Zayandeh-Fluss, Isfahan 

               

Die Stadt Isfahan wurde 2005 zur ersten Kulturstadt der Islamischen Länder ernannt. Dadurch wurde diese Stadt noch bekannter in anderen Staaten und die Zahl der Touristen nahm zu. Isfahan nimmt hinsichtlich des Kunsthandwerkes den ersten Rang unter den Städten Irans ein. Zu diesem Kunsthandwerk gehören zum Beispiel mit Qalam-Kari verzierte Metallgegenstände, die Holzmosaik-Arbeiten Chatam-Kari und feine, handgewebte Stoffe genannt Termeh.   Berühmte Baudenkmäler in dieser Stadt sind der Tschehel-Sotun-Palast, der Meydan-e Naqsch-e Dschihan (Imam-Platz) der Bazar-Qeysariyeh, der Qapu-Palast,die Imam-Moschee und Hauptmoschee, der Hascht-Behescht-Palast, die Chadschu-Brücke und die si-o-seh (33-Bogen)- Brücke, die Vanak-Kirche und das Vanak-Museum, der Feuertempel und weitere.

 

Isfahan - Naqsch-e Dschihan-Platz

Aber  neben diesen historischen Baudenkmälern in der Zentrale der Provinz Isfahan bietet diese Region auch natürliche Sehenswürdigkeiten, unter anderem die Marandschab-Wüste, der Semirom-Wasserfall und der Schah-Laulak-Wasserfall, die Niasar-Höhle,  der Kalah Qazi-Nationalpark und weitere. Auch das Talab-e Gawchuni gehört zu den natürlichen Sehenswürdigkeiten dieser Provinz. Es zählt zu den 24 Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung  im Iran und fällt unter die Ramsar Konvention. Das Feuchtgebiet liegt 176 km südöstlich von Isfahan und 12 km  von der Stadt Varzaneh entfernt. Es umfasst 47 600 Hektar und liegt 1470 m über dem Meeresspiegel.

Talab-e Gawchuni - grüne und rote Umgrenzung zeigt Maximal- und Mindestumfang, links oben die Ortschaft Varzaneh

 

 

Das Gawchuni- Feuchtgebiet ist ein großer flacher Salzsee oder besser  gesagt: eine Salzwiese. Der Zayandeh-Fluss mündet,  vom Westrand der iranischen Hochebene kommend, in dieses Gebiet und gehört zu seinen  wichtigsten Wasserressourcen.  Das Talab-e Gawchuni setzt sich aus mehreren verschiedenen Feuchtgebieten zusammen, von denen einige  Süßwasser führen. Es ist eines der außergewöhnlichsten Feuchtgebiete auf der iranischen Hochebene und hinsichtlich der Vielfalt des Ökosystems und des biologischen Lebensraumes gilt es als einmalig im Iran.

            

   

Blick auf das Talab-e Gawchuni

.Das Talab-e Gawchuni ist ein Binnenland-Feuchtgebiet. Die jährliche Niederschlagsmenge beläuft sich auf  50 bis 100 mm. Die  Lufttemperatur erreicht in dieser Region maximal 38,3 Celsius  und die bisher gemessene Mindesttemperatur beträgt  minus 6,4 Grad. In der Mitte des Talabs ist eine große Mulde. Diese bildet den eigentlichen  Wasserspeicher dieses Feuchtgebietes. Der Boden am Rande des Talab-e Gawchuni ist sumpfig.  

Das Talab-e Gawchuni im Winter

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Die umliegenden Böden des Talab-e Gawchuni werden landwirtschaftlich nicht genutzt. Sie sind zu salzig; mit Ausnahme eines Gebietes im Nordwesten, wo Ackerbau möglich ist. Es existieren verschiedene Lebensgemeinschaften in diesem Feuchtgebiet, die gemeinsam ein besonderes Ökosystem mit zahlreichen Nahrungsketten bilden. Am Rande wachsen Uferpflanzen und über eine große Fläche des Feuchtgebietes gedeihen Wasserpflanzen insbesondere das Schilfrohr. Wegen des hohen Salzgehaltes des Wassers und des Bodens  sowie der starken  Verdunstung besteht die Vegetationsdecke in dieser Gegend aus salzverträglichen Pflanzen. Es sind verschiedene Arten von schwimmenden und versunkenen Pflanzen, Sumpfpflanzen und  Uferpflanzen.  Zu den Pflanzenarten in diesem Talab gehören: mehrere Tamariskenarten, Meerträubel, Schilfrohr,  Salzkräuter, Bocksweizen, der Schnurbaum, Vogelknöteriche, das Jochblatt, Igelpolster, Alhagi, Seidlitzia rosmarinus und  das Knöterichgewächs Calligonum.

 

 

Vegetation im Talab-e Gawchuni

Es leben verschiedene Arten von Säugetieren, Reptilien, Amphibien und Fische in diesem Feuchtgebiet. Das Talab-e Gawchuni ist vor allen Dingen als  Lebensraum für Wasser- und Watvögel von Bedeutung. Von den 44 verschiedenen Vogelarten, die man in diesem Feuchtgebiet festgestellt hat, sind nur 2 Arten einheimisch und die anderen sind Zugvögel. Bei den Vögeln handelt es sich unter anderem um Graugänse, Flamingos, verschiedene Arten von Lappentauchern, Tafelenten, Marmelenten, Höckerschwäne und verschiedene Raubvogelarten. In diesem Feuchtgebiet leben vor allen Dingen Wölfe, Füchse, Schakale und Wildschweine. Die wichtigsten Fischarten sind  Mairenken, verschiedene Karpfenfische wie der Capoeta, sowie aalartige Fische

Flamingo im Talab-e Gawchuni

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Das Talab-e Gawchuni wurde 1976 in die Liste der Ramsar-Konvention  für international bedeutende Feuchtgebiete aufgenommen.  Die internationale Organisation für den Vogelschutz, Birdlife, hat dieses Talab als wichtiges Vogelgebiet verzeichnet. Im Talab-e Gawchuni ist der einheimischen Bevölkerung  nur zu bestimmten Zeiten im Jahr der Fischfang und die Jagd erlaubt und das auch nur mit schriftlicher Genehmigung der Umweltschutzbehörde.  

Das Gawchuni Talab ist ein Ökosystem, welches die regionalen Klimaverhältnisse verbessert, eine Ausdehnung der Wüste und den Bodenabtrag verhindert und ebenso Überschwemmungen eindämmt. Es weist in verschiedener Hinsicht biologisches Potenzial auf und ist nicht nur für die Umwelt und als Habitat von Nutzen sondern auch als Ausflugsziel und auch für die Einheimischen wirtschaftlich wichtig. Am Rande des Talabs können sie ihr Vieh weiden lassen oder in festgesetzten Zeiten auf Fischfang oder Vogeljagd gehen und  Pflanzen, die  in Umgebung des Feuchtgebietes wachsen, für traditionelle Zwecke, zum Beispiel als Heilpflanzen, verwenden. 

 Das Talab-e Gawchuni gehört zu den Landschaften in der Provinz Isfahan, die relativ unberührt geblieben sind. Dieses Feuchtgebiet  liegt wie eine schöne Oase im Herzen der Wüste. Es befindet sich sozusagen an der Schwelle zur Wüste, nämlich an der Grenze zwischen dem Wasser- und dem Festland-Ökosystem.

Ein kleiner Ausflug in dieses Gebiet mit seinen schönen Landschaftsbildern, seinen seltenen Vögeln oder Schwänen und Flamingos und der Bewaldung an der Nordkante lohnt sich.

 

 

 

eine Schar von Flamingos über dem Talab-e Gawchuni 

Im  Talab-e Gawchuni am Rande der Wüste ist viel Leben. Den Ausflug in dieses Stück Natur kann man gleich mit einen Abstecher in die Stadt Varzaneh verbinden. Sehenswürdig ist die historische Brücke in dieser Stadt.  Sie ist die letzte Brücke, die über  den Zayandeh-Fluss führt, bevor dieser in mehrere Nebenarme übergeht und das Talab entsteht.  Früher haben die Karawanen, die die alte Seidenstraße entlangzogen, diese Brücke benutzt. In der Umgebung dieser Brücke wurden daher  viele Karawansereien gebaut. Sehenswert ist auch die Freitagsmoschee von Varzaneh. Interessant in dieser Gegend sind ebenso die Taubenhäuser. Weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Talab-e Gawchuni sind das Schach-e Kenar Gebiet, die Karawanserei Robat Abbasi und  eine alte Seldschuken-Burg im Dorf Qurtan.

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Der Frühlingsanfang ist die beste Zeit für einen Besuch im Talab-e Gawchuni. Dann ist das Wetter angenehm. Aber auch der Herbst und Anfang Winter sind eine gute Alternative für eine Besichtigung, insbesondere  weil dann wegen der sinkenden Temperaturen in nördlichen Breiten,  Scharen von Zugvögeln in diesem Feuchtgebiet eintreffen und man die schönsten Augenblicken in der Natur erleben kann.