Jan 01, 2019 04:10 CET

Von den 24 Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung, die auf der Liste der Ramsar Konvention stehen, liegen zwei in der Provinz Golestan. Eines davon haben wir bereits in unserem 2. Teil vorgestellt, nämlich Talab-e  Alagol, Almagol, Adschigol. Das zweite lernen Sie heute kennen.  Es ist das Talab-e Gomischan.

              

 

 

 

Lage des Talab-e Gomischan

 

Wir haben das am Rande der Wüste gelegene  Feuchtgebiet Talab-e Gawchuni verlassen und sind wieder einmal am Kaspischen Meer und zwar in der Provinz Golestan, im Norden des Landes. In der Provinz Golestan, leben verschiedene Völker zusammen: Türken und Turkmenen, Sistaner und Balutschen sowie Iraner aus den anderen Teilen des Landes wie die benachbarte Provinz Mazanderan. Die ethnische Vielfalt  fällt auf. Jedes Jahr zieht es viele Reisende aus dem Inland aber auch aus dem Ausland  in die schönen Städte und Gegenden  dieser Provinz. Bekannt sind vor allen Dingen die Hafenstadt  Bandar Torkaman und das nahegelegene  Bandar Gaz sowie die Städte Azadschahr, Gomischan und Gonbad-e Kavuz. Als beliebte Mitbringsel aus Golestan  gelten die Kelim-ähnlichen Dschadschim, die feinen Seidenstoffe aus Ramian, Fisch und Kaviar, geknüpfte Teppiche und Teppichbrücken und verschiedene Arten von Brot und Süßigkeiten.  

Zu dem Zauber der Natur in dieser nordiranischen Provinz gehören Naturparks , Wälder, Wasserfälle und Quellengebiete, Höhlen und Schlammdiapire. In der Provinz gibt es sehr viel Wald und mehrere Waldparks: den Naharcharan-Waldpark und den Golestan Nationalpark, den Waldpark Alangdareh sowie  den Qoroq-Waldpark, in dem einheimische Hirsche der nordiranischen Wälder gehütet werden. 

         

                

 

   

Hirsche im Qoroq-Waldpark, Provinz Golestan

    Weitere Ausfliegsziele in der Natur sind Wasserfälle wie Luh, Kabud Val, Agh Su, Rangu und Schirabad  und Quellengebiete wie Gol Ramian und Laleh und weitere. Sehenswert sind auch die Höhlen in Golestan wie die von Kiaram, Schir Abad und Garu.  

Wasserfall von Schirabad

   

Eine interessante Naturerscheinung für Besucher von Golestan sind die Schlammvulkane. Bei diesem ungewöhnlichen Phänomen handelt es sich um  kleine und größere Krater, die in Abständen kalten Schlamm ausstoßen und an Vulkane erinnern. Diese Erscheinung ist geologisch interessant. Über ihre Entstehung ist man sich noch nicht ganz im Klaren. Die bekanntesten Schlammdiapire von Golestan sind: Qarniareq (im Osten von Gomischan) , Naftlidscheh (im Nordosten von Gomischan) und Incheh (in der Nähe des Talabeh Incheh Borun). Diese Schlammdiapire stoßen Gas und Wasser vermischt mit Natriumchlorid und ölhaltige aromatische Stoffe  aus.

Weitere touristische Anziehungspunkte sind die Insel  Aschuradeh und die Hafenkais von Bandar Gaz und von Bandar Torkaman.

       

Schlammdiapir

 

Die natürlichen Feuchtgebiete in Golestan gehören ebenso zu den Reisezielen dieser Provinz. Zwei davon sind aus der Sicht der Ramsar-Konvention von internationaler Bedeutung.  Das eine, nämlich Talab-e Alagol, Almagol und Adschigol, haben Sie kennen gelernt, und heute stellen wir das zweite vor: Talab-e Gomischan. Dieses Talab liegt im Verwaltungsbezirk Schahrestan-e Gomisch Tapeh. Gomisch-Tapeh bedeutet in der Sprache der Turkmenen „Silberner  Hügel“. Talab-e Gomischan bildet einen relativ schmalen Streifen, der von Süden nach Norden entlang  der Südost-Küste des Kaspischen Meeres streicht.  Das Talab beginnt zwei Km nördlich der Stadt Gomischan, erreicht die Grenze nach Turkmenistan und geht noch darüber hinaus. Die Entfernung zur Hafenstadt Bandar Torkaman beläuft sich auf circa 24 km. Das Feuchtgebiet umfasst 17.700 Hektar. Es liegt 27 m unter dem Meeresspiegel der freien Gewässer.                         

Erster großer Pfeil  von links:  Feuchtgebiet Gomischan in der Nähe des Kaspischen Meeres. Erstes Kästchen links unterhalb davon  ist  Bandar Torkaman, zweites Kästchen darüber ist Gomischan

   

 

Das Feuchtgebiet Gomischan ist ein flaches, Salzwasser führendes Überflutungsgelände und gehört zu den Meeres-Küsten-Feuchtgebieten.  Salzgehalt und Tiefe des Talabs hängen mit dem Wasser aus dem  Kaspischen Meeres zusammen. In warmen Sommer misst die Tiefe in der Hauptsache im Süden mindestens  1 m und höchstens 2,5 m in der Nähe der Grenze zum Nachbarland Turkmenistan. Das Klima ist insgesamt im Sommer feucht-warm und im Winter gemäßigt.

Ausblick auf das Talab-e Gomischan

 

Im Winter halten sich viele Gruppen von Zugvögeln im Talab-e Gomischan auf. Für einige der Zugvögel ist es ein besonders wichtiger Nistplatz und ebenso ein sicherer Laichplatz für Fische.  Es wurden bereits 22 verschiedene Vogelarten in diesem Feuchtgebiet in Golestan festgestellt. Man begegnet Flamingos,   Graugänsen, Rosapelikanen, verschiedenen Arten von Blässhühnern, Lappentauchern, Stelzenläufern, Säbelschnäblern, Regenpfeifern und Weihen.  In der Umgebung  dieses Feuchtgebiet leben Wildschweine und Schakale sowie Füchse, darunter der turkmenische Fuchs  und verschiedene Nagetiere. Auch die Kaspische Robbe kommt an den Rand des Talab-e Gomischan.    

Flamingos im Feuchtgebiet Gomischan

       

 

Die Vegetationsdecke im Talab-e Gomischan wird vor allen Dingen von  salzverträglichen Pflanzen wie Salicornia caspia und Halocnemum sp. gebildet.

Zur Wahrung der natürlichen Ressourcen des Talab-e Gomischan wurde 1997 für 14.000 Hektar dieses Gebietes ein Jagdverbot verhängt. Die Einheimischen dürfen nur in bestimmten Zeiten des Jahres in diesem Feuchtgebiet auf Fischfang oder Vogeljagd gehen und zwar nur aufgrund einer Genehmigung der Umweltschutzbehörde. Es ist geplant,  dieses Feuchtgebiet vollständig unter  Naturschutz zu stellen.    Seit 2001 gilt das Gebiet als eingetragenes Feuchtgebiet der Ramsar-Konvention und es kommen somit bereits die besonderen Bestimmungen dieser Konvention für dieses Talab zum Zuge. Auch Birdlife – die internationale Organisation für Vogelschutz - hat Talab-e Gomischan als wichtiges Habitat  für Vögel anerkannt.

Einige kommen zur Vogelbeobachtung nach Talab-e Gomischan. Sie machen auch Jagd auf Vögel, allerdings nur mit ihren Kameras und mit Fernrohren. Wer das Gebiet des Talabs, in dem das Jagdverbot gilt, besichtigen will, braucht eine schriftliche Erlaubnis der Umwaldschutzbehörde der Provinz Golestan. Diese Genehmigung wird nur zu bestimmten Zeiten für vertrauenswürdige Personen und Gruppen ausgestellt.

                             

 

Vogelbeobachtung im Talab

     Der bedingte Fischfang und die bedingt zulässige Jagd auf Wasservögel gehören zu den wichtigsten zusätzlichen Einkommensquellen einiger Bewohner dieser Gegend im Herbst und Winter.  Außerdem können sie ihr Vieh am Rande des Feuchtgebietes weiden lassen, und sie pflanzen in der Umgebung Baumwolle und Weizen und andere Feldfrüchte an. Talab-e Gomischan ist zudem für den Wissenschaftstourismus und das Ökosystem und zur Eindämmung der Meeresüberflutungen wichtig.

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Das Talab-e Gomischan liefert wegen der Nähe zum Meer und seiner Länge ein anschauliches Beispiel für einen Klimaausgleich durch Feuchtgebiete.  Im Osten und Nordosten gibt es keine Erhebungen in der Umgebung sondern das Land ist flach. Die  Entfernung zu den südlichen Wäldern ist groß und bis zu den ausgedehnten Steppen von Turkmenistan ist es nicht weit.  Daher ist das Klima hier trocken bis semi-arid.

Je mehr wir uns vom Süden aus der Grenze zum Nachbarland nähern, desto mehr macht sich dieses Klima bemerkbar. Innerhalb  einer Strecke von 60 km Luftlinie, vom Süden in Richtung Norden, nimmt die Niederschlagsmenge von 700 mm jährlich in der Provinzzentrale Gorgan ab und sinkt unter 250 mm pro Jahr. Aber das Feuchtgebiet Gomischan bildet eine Ausnahme. Da es  in Nachbarschaft des Kaspischen Meeres liegt, ändert sich obiger Klimafaktor und es entsteht im Westen der trockenen Gebiete ein Streifen mit angenehmen Klimabedingungen. Dieses Ortsklima hat die Bedingungen für einen geeigneten biologischen Lebensraum geschaffen.

                        

Spazierfahrt im Feuchtgebiet Gomischan

 

Um zum Talab-e Gomischan zu gelangen, muss man von Bandar Torkaman in Richtung Norden fahren. Nach circa 20 km erreicht man den Landeskreis Gomisch Tapeh. Von dort aus geht es weiter in Richtung Norden, bis man nach  10 Kilometern den Umweltschutzposten von Gomischan erreicht.