Jan 30, 2019 01:12 CET

 Diesmal stellen wir ein Feuchtgebiet vor, das im Nordwesten Irans liegt und zwar in der Provinz West- Aserbaidschan . Es ist das Talab-e Qupi Baba Ali.

 

 

Talab-e Qupi Baba Ali

 

 

Eine der Provinzen Irans ist Aserbaidschan-e gharbi – West-Aserbaidschan. Diese Provinz liegt in Nordostiran und die Provinzzentrale ist die schöne historische Stadt Urmia (in der Landessprache „Orumiyeh“ genannt).   Im Norden und Nordosten grenzt  diese Provinz an Nachitschewan (den autonomen Teil des Landes  „Aserbaidschanischen Republik“)  und an das Land Armenien und im Westen an die Türkei und Irak.  Die iranische Provinz West-Aserbaidschan liegt in einer gebirgigen Region mit zahlreichen Berggipfeln.  Diese Morphologie und ihr Einfluss auf die atmosphärischen Niederschläge dieser Provinz spielen eine wichtige Rolle für das Klima in diesem Teil des Landes.  Dank dieses Klimas gibt es viele Flüsse und Flussebenen in West-Aserbaidschan. Für eine schöne und abwechslungsreiche Landschaft sorgen auch die Feuchtgebiete in dieser iranischen Provinz. Im nördlichen und im südlichen Teil von ihr gibt es insgesamt 30 Feuchtgebiete, von denen einige jahreszeitbedingt sind. Sie liegen verstreut vom Landkreis Maku im Norden  bis nach Miandoab im Süden. 6 dieser Feuchtgebiete sind von internationaler Bedeutung. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die Umweltaktivisten auch diesem Gebiet besondere Aufmerksamkeit schenken. Jedes von diesen Feuchtgebieten ist ein wichtiges Habitat für Vögel und alle diese Feuchtgebiete tragen zur Milderung der klimatischen Bedingungen bei und sind eine Ressource für den Grundwasserspeicher.

 

                 

Anzeigetafel für das Feuchtgebiet Qupi (Baba Ali)

 

 

Zu den Feuchtgebieten der Provinz West-Aserbaidschan gehört das internationale Talab Qupi Baba Ali. Es  liegt im Süden dieser Provinz, und zwar  in der Nähe der Stadt Mahabad. Seinen Namen verdankt es dem nahegelegenen Dorf  Qupi Baba Ali. Das Talab-e Qupi Baba Ali zählt mit seinen natürlichen Besonderheiten und bestimmten Vogelarten zu den wichtigen Feuchtgebieten der Region und die Ramsar-Konvention hat dieses Gebiet  wegen seiner internationalen Bedeutung in ihre Liste aufgenommen.  Das Talab gilt als einer der besten Lebensräume für Wasser-und Watvögel.  Es ist ein beständiges Feuchtgebiet mit einer Fläche von 500 Hektar See und 1200 Hektar ökologischem Raum. Der Salzgehalt liegt höher als bei Süßwasser und tiefer als bei Meereswasser. Das Talab liegt im Gebirge und ist ein sicherer Ort, weshalb sich zu Winterbeginn zehntausende von Vögeln dort einfinden.  

Vogelparadies Qubi

          

 

Die Feuchtgebiete sind heute für die Menschheit  wegen ihrer ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktion von großer Bedeutung. Leider sind aber in den   hundert letzten Jahren zwei Drittel aller Feuchtgebiete auf der Welt vernichtet worden

Verschiedene Faktoren sind eine Gefahr für diese Gebiete, zum Beispiel Klimaveränderungen und die Abnahme der Wasserzufuhr, Entwicklungs-  und infrastrukturelle Projekte ebenso wie das Eindringen von biologischen und chemischen Schmutzstoffen.  Geografisch gesehen liegt Iran in einem ariden und semiariden Teil der Welt. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge in unserem Land beträgt 250 mm. Das ist weniger als der internationale Durchschnitt. Dies kann sich auf die Politik des Landes in verschiedenen Bereichen auswirken, zum Beispiel im Umweltbereich. Das Talab-e Qupi Baba Ali gehört zu den Feuchtgebieten, die nicht von Flüssen gespeist werden. Das Wasser kommt aus Kanälen, die zu den  Quellen in der Umgebung angelegt wurden. Um das Austrocknen des  Talab Qupi Baba Ali zu verhindern, hat man verschiedene Wege beschritten, zum Beispiele die Verwaltung besser geregelt, Schutzmauern am Rand errichtet,  alte Zufuhrkanäle entschlammt, seitens des regionalen Wasseramtes die rechtzeitige Wasserversorgung des Talabs gewährleistet usw.   

Sonnenuntergang über dem Feuchtgebiet 

 

Die Nachbarschaft der Menschen zur Natur beschwört Probleme für die Feuchtgebiete herauf, welche zu einer Bedrohung für Fauna und Flora in diesen Ökosystemen werden können. Denn das uneingeschränkte Abweiden der Umgebung durch Vieh und die Zerstörung von Lebensräumen für die Tiere durch den Menschen, ebensowie  Landstraßen die zwischen den Feuchtgebieten hindurchführen, aber auch die uneingeschränkte Jagd und  das Ernten von Wasserpflanzen als Tierfutter sowie die zunehmende Ansiedlung  in der Nähe eines Talabs, können  zum Aussterben von bestimmten Pflanzen- und Tierarten führen.    Daher ist man bemüht durch ein angemessenes Umweltmanagement und richtige Nutzung dieser Ökosysteme  der Sache Herr zu werden. Die Einbindung der  Einheimischen und lokalen Umweltschutzgruppen in die Projekte zum Schutz der Feuchtgebiete  können hierbei sehr nützlich sein.

Das Talab-e Qupi Baba Ali ist eines der wichtigsten Vogelhabitate in der Provinz West-Aserbaidschan.  An diesem sicheren Ort versammeln sich Tausende von Wasser—und Watvögel – sowohl einheimische als auch Zugvögel. Darunter sind verschiedene Entenarten wie die Stockente und Weißkopfruderente, verschiedene Arten von Wildgänsen wie  Graugänse und Blässgänse, aber auch Flamingos,  Kiebitze, Schnepfenvögel und das gewöhnliche Blässhuhn.

              

 

Zu den Zugvögeln, die ins Talab-e Qupi Baba Ali  kommen, gehört auch der Jungfernkranich. Dieser seltene Vogel steht unter Naturschutz. Seine Verteilung und seine Bestände werden beobachtet und es werden besondere Maßnahmen vorgenommen, um die Jagd auf ihn und die Zerstörung seines Habitats zu verhüten. Der Jungfernkranich lebt in Wassergebieten und Ebenen mit Gebüsch, auf Ackerfeldern und an Seeufern. Er ist im Iran selten anzutreffen. Aber seit einigen Jahren ruht er sich auf seinem Flug von den warmen tropischen in die kühlen nördlichen Gebiete im Talab-e Qupi Baba Ali aus und versorgt sich dort mit Nahrung, um daraufhin seinen Flug fortsetzen. 

Die Anwesenheit von Vögeln zu den verschiedenen Jahreszeiten und die schöne Landschaft des Talab-e Qupi Baba Ali sind Anziehungspunkt  für Besucher der Provinz West-Aserbeidschan und jährlich kommen Reisende und Umweltaktivisten in diese Gegend.