Lotsen zum göttlichen Hafen (6)
Wie verlief die Zeit nach der Gründung des Islamischen Staates in Medina bis zur Eroberung von Mekka? Darüber berichten wir in diesem Teil.
Der Prophet des Islams (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) legte mit Gründung des Islamischen Staates in Medina der Menschheit das Ideal einer Regierung mit neuen Merkmalen vor. Keineswegs hat der Prophet in diesem Staate nach Rang, Ansehen und Macht gestrebt. Sein Ziel war nichts anderes als die Errichtung eines menschenwürdigen gerechten Staates, der sich ausschließlich in den Dienst Gottes, des Einen Herrn der Welten stellt und in dem niemand außer der Einzige Gott gepriesen wird. In diesem Staat sollten alle, unabhängig ihrer Herkunft die gleichen Rechte genießen und er sollte der Menschheit Frieden, Sicherheit und Freundschaft bescheren.

Die Niederlassung des Propheten Gottes (S) in Medina erforderte neue Bedingungen. Die Gläubigen in Medina warteten auf die Offenbarung neuer Koranverse und auf die Anweisungen ihres Propheten. Diese wollten sie dem neuen Leben, das für sie in Medina begonnen hatten, zugrunde legen. Sie wollten ihr Leben auf anderen Werten aufbauen, als jenen, die in der vorislamischen Zeit der Unwissenheit geherrscht hatten. Um dieses islamische Leben aufzubauen, bedurfte es einiger Maßnahmen. Nur der Gesandte Gottes besaß die Kompetenz zu deren Durchführung.
Der Prophet hat nach seiner Ankunft in Medina wie ein erfahrener Politiker im Zeichen Gottes für den Schutz der Prophetschaft und der Muslime gegenüber internen und externen Feinden gesorgt, damit sie dem Islam keinen Schaden zufügen und sich nicht unter die Muslime mischen können, um ihre feindlichen Pläne zu verwirklichen. Um die Einwanderer (Muhadschirin) aus Mekka und ihre Helfer in Medina (Ansar) eng miteinander zu verbinden, verbrüderte er jeweils einen Einwanderer mit einem Helfer. Ungefähr 100 Muslime schlossen ein solches Bruderbündnis miteinander und der Prophet (S) wählte Ali (F) zu seinem Bruder. Gemäß dem Bruderbündnis teilten die Helfer in Medina mit ihren muslimischen Brüdern, die mittellos aus Mekka ausgewandert waren, ihr Hab und Gut. Gemäß dem Bündnis erbten sie sogar voneinander.
Die politisch gesehen wichtigsten Probleme in Medina waren die langen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Volksstämmen Aus und Chazradsch einerseits und die Meinungsverschiedenheiten beider Stämme mit den in Medina ansässigen Juden andererseits. Im ersten Jahr nach seiner Einwanderung hat der Prophet daher, ausgehend von den Lehren des Islams, ein politisches Abkommen geschlossen. Schwerpunkte dieses Abkommens bildeten die Pflichten der Muslime untereinander, ihre Beziehungen zu den Anhängern anderer Himmelsreligionen sowie die Anerkennung des Propheten als politisches Oberhaupt in Medina seitens der Muslime, Juden und der Götzendiener in dieser Stadt. Der Vertrag umfasste 37 Paragraphen und hat eine bedeutende Rolle bei der internen Stabilisierung und der Festigung der Fundamente des Islamischen Staates gespielt. Alle Bevölkerungsgruppen in Medina unterzeichneten ihn.
Die Entstehung einer Front von Heuchlern und ihre Quertreibereien war ein anderes großes Hindernis für die Verbreitung des Islams. Bei den Gefechten wie denen von Badr, Uhud und Chandaq gegen die feindlichen Götzendiener machten sich die Umtriebe dieser verschwörerischen Gruppe bemerkbar. Sie schlossen heimlich mit den Feinden der Islamischen Regierung Freundschaft und unterstützten diese.
In den ersten zehn Jahren nach der Auswanderung aus Mekka kam es zu bewaffneten Konflikten, bei denen es in der Regel darum ging, den islamische Staat zu verteidigen.
Das Oberhaupt der Islamischen Revolution Iran, Ajatollah Khamenei erklärt: „Alle Gefechte des Propheten waren Verteidigungskriege, allerdings nicht in dem Sinne, dass der Prophet bei allen militärischen Operationen tatenlos auf einen Angriff wartete. Hätte der Prophet nicht für die Bewaffnung der Muslime und Kampfbereitschaft gesorgt und nicht alle seine Kräfte auf die Abwehr der Feinde vorbereitet, um auf diese Weise die Feinde Gottes einzuschüchtern, dann wäre mit Gewissheit der Islam und der Koran des Propheten und die Islamische Gesellschaft gleich in den ersten Tagen zerfetzt worden und daher war der Prophet gezwungen, sich in Bereitschaft zu halten und zu kämpfen.“

Gott spricht in der Sure 7 (Araf) im Vers 158 zu Seinem Gesandten: Sag: O ihr Menschen, ich bin der Gesandte Allahs an euch alle. Allah gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde." Daraus ist zu schließen, dass Prophet Mohammad (S) nicht nur Prophet für die Arabische Halbinsel war. Um die Anweisung Gottes umzusetzen hat der Prophet im siebten Jahr nach der Hidschra Schreiben an die Herrscher mächtiger Länder und die Oberhäupter der Christen und der verschiedenen Volksstämme gesandt und sie zum Islam eingeladen. Zu der Zeit war die muslimische Gesellschaft in Medina bereits recht stabil geworden.
Der Inhalt der Schreiben des Propheten des Islams (S) an die Könige und wichtigen geistlichen und politischen Persönlichkeiten gibt einen Eindruck von seiner Vorgehensweise bei der Verbreitung des Islams. Es sind 185 dieser Briefe erhalten geblieben. Sie zeugen davon, dass der Gesandte Gottes Mohammad (S) der Welt den Islam unter Zugrundelegung von Logik und Beweisen, Mahnung und Verheißung verkündete. Prophet Mohammad (S) hat auf einer Versammlung mit seinen Helfern sein Vorhaben dargelegt, die Oberhäupter der Staaten zum Islam einzuladen. Und bevor er seine Boten ausschickten, sagte er nach dem Morgengebet wie folgt zu ihnen:
„Mahnt die Diener Gottes. Jemand, der die Angelegenheiten der Menschen verwaltet, aber sich nicht für ihre Rechtleitung und Wegweisung einsetzt, dem verwehrt Gott das Paradies. Erhebt ihr euch nun und seid Boten der Sendung an entfernten Orte und bringt den Weltbewohnern den Aufruf zum Tauhid – dem Glauben an den Einen Gott – zu Gehör.“
Der Prophet ließ einen Stempelring aus Silber anfertigen, auf dem die Worte Mohammad Rasulallah - Mohammad der Gesandte Gottes – eingraviert waren. Er versah jedes Schreiben mit dem Abdruck dieses Stempels und verschloss es dann mit einem besonderen Wachssiegel. Dann schickte er seine Boten in die verschiedenen Richtungen: ins Persische und Römische Reich, nach Abessinien, Ägypten, Bahrain und nach dem damaligen Al Yamamah, einem ehemaligen Reich im Zentrum der Arabischen Halbinsel und Al Hira am Euphrat.
(Schreiben des Propheten an den Herrscher von d.R.n. Persien, Bahrain, Ägypten und Byzanz)
نامه حضرت محمد (ص) به خسرو پرویز
نامه حضرت محمد(ص) به امیربحرین
نامه حضرت محمد(ص) به مقوقس ، یزرگ مصر
نامه حضرت محمد(ص) به پادشاه روم
Der Prophet ist bis an sein Lebensende bei der Verkündung des Islams aufgrund von Weisheit, Mahnung vorgegangen und hat auf bestmögliche Weise Gespräche geführt, so wie es der Koran empfiehlt. Auf diese Methodik geht auch die schnelle Ausbreitung seiner Botschaft von Medina aus an andere Orte der Welt zurück, genauso wie vorher die Bewohner von Medina auf gleiche Weise und aufgrund der schönen Verse des Korans sich für den Islam entschieden hatten, weshalb folgender Satz berühmt wurde:
فتحت المدینة بالقرآن
Medina wurde mit dem Koran erobert.
Der Prophet Gottes (S) hatte sich im Monat Dhu-l Qada im sechsten Jahr nach der Hidschra – d.h. 628 nach Christus, mit den Muslimen auf den Weg nach Mekka gemacht, nicht um die Mekkaner anzugreifen, sondern um den kleinen Hadsch (Umra) durchzuführen. Die Götzendiener der Qureisch in Mekka, die keine erneute Konfrontation mit den Muslimen wollten, schickten Leute nach Hudaibiyah, einem Ort in der Nähe von Mekka, damit sie mit dem Propheten verhandeln. Schließlich schloss der Prophet am selben Ort mit den Qureisch einen Vertrag, der als Friedensvertrag von Hudaibiyah in die Geschichte einging. In diesem Vertrag wurde vereinbart, dass die Qureisch und die Muslime sich nicht angreifen dürfen. Auch durften keine Bündnispartner der Gegenseite angegriffen werden. Außerdem stimmte der Prophet zu, dass er und seine Anhänger erst im darauffolgenden Jahr zum Hadsch nach Mekka kommen.
Die Qureisch verstießen jedoch im Jahre 8 nach der Hidschra gegen dieses Friedensabkommen. Sie griffen nämlich einen Volksstamm, der mit den Muslimen ein Bündnis geschlossen hatten an und töteten 20 Stammesmitglieder. Nachdem der Prophet Gottes von dem Vertragsbruch und diesem blutigen Überfall erfahren hatte, begab er sich mit seinen Helfern nach Mekka.

Beim Betreten von Mekka und auf dem Weg zur Heiligen Moschee und bei der Umkreisung der Kaaba, dem Hause Gottes, rezitierte der Prophet Gottes die Sure Fath (der Sieg). Die Heeresscharen der Muslime betraten die Stadt mit wehenden Fahnen durch ihre Tore im Norden, Süden, Osten und Westen. Die Männer der Qureisch und die Widersacher in Mekka drängten sich eingeschüchtert an der Heiligen Moschee und wussten nicht was mit ihnen geschehen würde. Sie hatten große Vergehen begangen. Sie hatten den Propheten und seine Anhänger schikaniert und gefoltert, blutige Kriege gegen sie entfacht und Verschwörungen gegen sie angezettelt. Es wäre nur gerecht gewesen, wenn der Prophet Gottes an ihnen hart Vergeltung geübt hätte. Aber der Prophet Gottes ließ von seinen Helfern verkünden, dass alle die in ihren Häusern bleiben oder in die Moschee oder zum Haus von Abu Sufiyan gehen, in Sicherheit sein werden. Der Prophet sprach zu den besorgten Qureisch: „Ihr braucht keine Furcht zu haben. Gott vergibt euch. Er ist der der Barmherzigste von allen Barmherzigen. Geht! Ich schenke euch die Freiheit.“
Nach der friedlichen Eroberung von Mekka haben sich fast zweitausend Bürger dieser Stadt dem Islam angeschlossen. Prophet Mohammad (S) hatte keinen von ihnen gezwungen, Muslim zu werden. In Wahrheit setzte nach der Eroberung von Mekka rasant die Verbreitung des Islams auf der Arabischen Halbinsel ein. Dieser friedliche Siegeszug gereicht dem Propheten des Islams (S) zur Ehre. Aber heute, wo der Islam als eine der einflussreichsten Religionen auf der politischen, kulturellen und sozialen Ebene auf der Welt in Erscheinung getreten ist, wollen ignorante Leute diesen Überbringer von Barmherzigkeit und Menschenliebe als gewaltsüchtig darstellen. Doch das hervorragende Verhalten des Propheten, insbesondere während des siegreichen Einzugs in Mekka straft sie Lügen.
Die Schritte, die der Prophet nach der Auswanderung während der zehn Jahre in Medina unternommen waren, dienten alle der Umsetzung der hohen Ziele des Islams. Diese Ziele wurden durch grundsätzliche Veränderungen in der kulturellen und gesellschaftlichen Struktur in Medina verwirklicht und dies führte immer mehr zur Verbreitung des Islams in der umliegenden Welt.