Oct 31, 2018 12:53 CET

In diesem Programm stellen wir Ihnen im Laufe von 25 Teilen  internationale Feuchtgebiete im Iran vor. Im ersten Teil wird zunächst definiert, was ein Feuchtgebiet überhaupt ist und welche Bedeutung es hat. Sie erfahren außerdem über die Ramsar-Konvention

Feuchtgebiete sind wertvolle Wasser-und Nahrungsressourcen. Es sind einmalige Ökosysteme, die für die Menschheit und viele Arten von Lebewesen erhalten bleiben müssen. Diese großen Ressourcen sind fast so alt wie die Erdkugel und darüber hinaus weisen sie eine große biologische  Vielfalt auf. In unserer neuen Sendung wollen wir die  Internationalen Feuchtgebiete im Iran vorstellen. Zu Anfang jedoch sollten wir ganz allgemein definieren, was überhaupt unter Feuchtgebieten zu verstehen ist, welches natürliche Potential sie zu bieten haben und wie die Bedingungen in unserem Land zur Bildung solcher Art von Gebieten aussehen. 

                              

Das Leben auf der Erde ist abhängig von Wasser. Feuchtgebiete sind Übergangsgebiete von trockenem zu dauerhaft feuchtem Land. Es gibt diese Feuchtgebiete überall auf der Erde - vom     Äquator bis zu den Eiswüsten.  Wie jeder andere Bestandteil der Natur  spielen sie eine vitale Rolle für das Gleichgewicht in der Natur. Sie sind außerdem schöne Orte auf der Erde und schon immer inspirierender Anziehungspunkt für Malkünstler und Reisende, Fotografen und Dichter gewesen. Die biologische Vielfalt in diesen Gebiet reicht  vom Reiher bis zum Krokodil und Nilpferd und einer großen Zahl von seltenen Pflanzen.  

                         

Talab-e Anzali (ein Feuchtgebiet in Nordiran)

 

 

Feuchtgebiete können verschieden groß sein, von einem lokal begrenzten Teich bis zu den großen kanadischen Meeresbuchten von 10 Millionen Hektar. Die Funktion von diesen Gebieten ist jedoch überall die gleiche: Sie liefern Nahrung, Energie, bieten den Menschen sowohl Gelegenheit für die Freizeit als auch für bestimmte Berufe und bilden den Rückhalt für eine große Vielfalt von Lebewesen, die ohne diese Gebiete aussterben würden. Feuchtgebiete schützen Millionen von Menschen vor Flutkatastrophen und den katastrophalen Auswirkungen von Stürmen und den Meereswellen und Staubwolken. All dies sind gute Gründe, weshalb man sich nicht die Welt ohne diese Feuchtgebiete vorstellen kann.

                     

Ein Feuchtgebiet lässt sich definieren  als Ökosystem, in dem Wasser der wichtigste Faktor für  den Lebensraum der Tiere und Pflanzen darstellt.  Normalerweise entstehen Feuchtgebiete, wenn flaches Wasser eine  größere Bodenfläche bedeckt. Die verbreitetste Definition ist die der Weltkonvention zum Schutz der Feuchtgebiete, nämlich: Feuchtgebiete sind Gebiete, die vom Morast oder Sumpf oder einem Schlammsee oder einem natürlichen oder künstlichen See , ob ständig oder vorübergehend bedeckt werden, und in dem entweder stehendes oder fließendes  Salz- oder Süßwasser  zu finden ist. Dazu gehören auch die Meeresbecken  die beim niedrigsten Stand der Ebbe nicht tiefer als 6 m sind. 

 

Außerdem heißt es in dem Artikel 2-1 dieser Konvention:

"(die Feuchtgebiete) können Küstengebiete oder umgrenzende Ränder der Feuchtgebiete und Inseln sein oder einen Teil der Meeresgewässer bilden, welche in den Feuchtgebieten liegen und deren Tiefe bei niedrigster Ebbe keine 6 m überschreitet."

Gemäß dieser Definition umfassen die Feuchtgebiete viele verschiedene Arten von Lebensräumen, wie Flüsse, Seen, Küsten, die Mangrovenwälder und Morast und sogar die Korallenriffe. Aber auch künstlich angelegte Feuchtgebiete gehören dazu:  wie Becken zur Fisch- und Garnelenzucht, Wasserbecken in  der Landwirtschaft oder Anbauflächen unter Wassereinsatz, Verdunstungsteiche für die Salzgewinnung, Wasserspeicher, Wasserkanäle  und sandige Flussbecken. 

                      

Flamingos am  Talab Gomischan (Iran)

 

 

Einmal ganz abgesehen von den schönen Landschaftsbildern, die Feuchtgebiete bieten, gehören sie auch zu den sehr ertragreichen Gebieten auf der Welt. Zum Beispiel ist Reis, welches der Hälfte der Weltbevölkerung als  Hauptnahrung dient, ein landwirtschaftliches Produkt, das in Feuchtgebieten gedeiht. Wie gesagt sind diese Ökosysteme ein großes internationales Reservoir für biologische Vielfalt und spielen durch das Vorhandensein von Wasser und die Voraussetzungen für die Fortpflanzung eine wichtige Rolle für den Erhalt von zahlreichen Pflanzen und Tieren. Die Feuchtgebiete bewahren eine große Population von verschiedenen Arten von Vögeln, Säugetieren und Reptilien, Amphibien, Fischen und Wirbellosen. Zum  Beispiel leben über 40 Prozent der circa 20tausend verschiedenen Fischarten, die man auf der Welt kennt, in Feuchtgebieten mit Süßwasser. Die Feuchtgebiete sind auch ein sehr bedeutendes Reservoir für genetisches Pflanzenmaterial. 

                     

Die Bedeutung von natürlichen Räumen, wie Feuchtgebiete,  ist ein Untersuchungsgegenstand für Sachverständige und Wirtschaftswissenschaftler. Bei ihren Untersuchungen haben sie den Wert der Leistungen von Ökosystemen auf mindestens 33 Trillionen Dollar eingeschätzt, wobei 9,4 Trillionen den Feuchtgebieten zugeschrieben werden.  Die physikalischen biologischen und chemischen Bestandteile von Feuchtgebieten wie Boden, Wasser, Pflanzen und Tiere, wirken aufeinander woraus zahlreiche Funktionen der Feuchtgebiete resultieren. Zu diesen Funktionen gehören: Speicherung von Wasser, Schutz gegenüber Stürmen und Reduzierung von Flutschäden, Festigung der Küstenlinie und Eindämmung der Erosion, Speisung des Grundwassers (durch Absickern von Wasser aus den Feuchtgebieten in den Grundwasserspeicher), Entleerung von Grundwasser (durch Abwandern von Grundwasser und Verwandlung in Oberflächenwasser), Filterung des Wassers durch Fixierung der Elemente in Lösungen, Befreiung von Verschmutzungsfaktoren und Herstellung eines lokalen klimatischen Gleichgewichts. 

                       

Feuchtgebiet Myaankaale (Iran) 

 

Die inländischen wirtschaftlichen Ressourcen, darunter auch die Feuchtgebiete,  gelten international als großer Vorzug für einen Staat. Die Feuchtgebiete  haben den Vorzug genetische Reserven von Pflanzen und Tieren zu sein. Sie spielen   quantitav und qualitativ eine Rolle bei der Wasserversorgung, sind Lebensraum für Wasserlebewesen (mehr als zwei Drittel der Fischfangmenge der Welt hängt von dem guten Zustand der Feuchtgebiete ab). Sie sind wichtig für die landwirtschaftliche Produktion , weil sie Wasser und Nährstoffe bereitstellen, aber auch für die Holzherstellung, und Energiegewinnung und die Entstehung von Pflanzen- und Schlammstoffen  und ebenso sind sie auch  für den touristischen Reiseverkehr von Bedeutung.   

                                 

Fischfang am Hamun-See Südost-Iran

 

Angesichts der Vorzüge von Feuchtgebieten, sollten wir etwas  für ihren Schutz tun, und zu diesem Zweck müssen durchgreifende Bestimmungen gelten.  Wenn es nicht die paar  internationalen Abkommen für den Umweltschutz gäbe, wäre es heute noch schwieriger die Umwelt zu schützen, als dies bereits der Fall ist. Solche Bestimmungen legen die internationalen Normen fest und außerdem werden durch diese internationalen Abkommen die meisten Staaten angeregt auch auf inländischer Basis Gesetze für den Umweltschutz aufzustellen. Die Ramsar-Konvention ist der älteste internationale Vertrag mit Schwerpunkt Schutz der Natur auf Weltebene.  Diese Konvention nahm am 2. Februar 1971 in der iranischen Stadt Ramsar am Kaspischen Meer ihre Arbeit auf. Im Jahre 1975 erhielt sie gesetzlichen Charakter. Durch dieses Übereinkommen haben sich die 152 Mitgliedsländer verpflichtet ihre international bedeutenden Feuchtgebiete festzulegen und zu schützen und wurden angespornt, sie  klug zu nutzen.

                    

Hamun-See

 

Genauer gesagt ist die Ramsar-Konvention das Übereinkommen über internationale Feuchtgebiete insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel.  In dieser Konvention werden der Schutz und die angemessene Nutzung der Feuchtgebiete hervorgehoben insbesondere zur Herstellung der Voraussetzungen für die am Wasser lebenden Vögel. Im Laufe der Zeit hat die Konvention aber alle Aspekte für den Schutz und die vernünftige Nutzung und den Weiterbestand der Feuchtgebiete mit eingeschlossen. Die Konvention zählt   Feuchtgebiete zu den Ökosystemen, die für die Wahrung der biologischen Vielfalt und das Wohl der menschlichen Gesellschaft von ausgesprochen großer Bedeutung sind.

             

Die schöne Pflanzenwelt an der iranischen Choghachor Lagune 

 

 

 

Das Klima Irans ist abwechslungsreich – ebenso wie seine Morphologie. Weite Teile von zwei großen Meeren gehören zum Iran – im Norden das Kaspische Meer und im Süden der Persische Golf. Im  Gefolge der im Mesozoikum beginnenden alpidischen Faltung entstanden Wasserbecken  die  verschiedene  Arten von oftmals salzhaltigen Feuchtgebieten gebildet haben. Sie reichen  von den Mangrovenwäldern und Korallenriffen bis zu den  Bergseen und den Salzseen in der Wüste.

Weil Iran in dem Bereich von zwei wichtigen internationalen Flugrouten  für Zugvögel fällt, sind seine Feuchtgebiete doppelt so wichtig für  die Unterstützung der natürlichen Flugroutensystems.  

                             

Kanibarzan-Feuchtgebiet,  Iran

 

 

Von den 42 Arten von Feuchtgebieten, die von der Ramsar-Konvention auf der Welt festgestellt wurden, gibt es 41 im Iran. Die einzige Ausnahme sind die Tundra- Feuchtgebiete. Wegen der Größe unseres Landes sind Feuchtgebiete nicht nur vielfältig sondern auch zahlreich. Ihre  Ausmaße variieren von weniger als ein paar Hektar bis zu 500 Tausend Hektar.

 

                        

In der Ramsar-Konvention eingetragenen Feuchtgebiete im Iran 

 

    

 

Bislang kennt man 84 Feuchtgebiete mit internationaler Wichtigkeit  im Iran und 24 davon wurden der Ramsar-Konvention vorgestellt und den Bestimmungen dieser Konvention unterworfen. Wir möchten Sie in dieser neuen Sendereihe mit den wichtigsten dieser Gebiete im Iran vertraut machen.

Zum Schluss Bilder eine Bildergalerie  von Feuchtgebieten im Iran