Internationale Feuchtgebiete im Iran (2 - Talab-e Alagol, Almagol, Adschigol)
Wir stellen heute die ersten drei Internationalen Feuchtgebiete im Iran vor. Sie heißen Talab-e Alagol, Almagol und Adschigol.
In unserem ersten Teil haben wir über das Potential und die Merkmale von Feuchtgebieten gesprochen. Bitte begleiten Sie uns nun in dem heutigen und den nachfolgenden Teilen auf unserer Reise zu den verschiedenen Internationalen Feuchtgebieten im Iran, die zur Ramsar-Konvention gehören.
Die Feuchtgebiete Irans liegen über das Land verstreut. Die Provinz Golestan im Norden des Landes hat mehrere solcher Gebiete. Zu ihnen zählen Talab-e Alagol, Almagol und Adschigol. Diese Feuchtgebiete liegen im Flachland der Region Torkaman Sahra, nahe der Grenze Irans mit Turkmenien und im Nordosten der Provinz Golestan. Die Ebene erhält Wasser aus umliegenden Quellen und bei Hochwasser aus dem Fluss Atrak.
Auf einigen geografischen Karten werden die Feuchtgebiete Alagol, Almagol und Adschigol mit „See“ benannt. Aber gemäß der Definition der Ramsar-Konvention sind sie keine "daryatsche" – Seen - sondern "talab" Feuchtgebiete (auf Englisch: wetland). Die Tiefe dieser Becken beträgt nämlich weniger als 6 m.
Talab-e Adschi-Gol (v.l.n.r. der Reihe nach 2., 4. und 5. blauer Pfeil
Die drei genannten Talab in Golestan gehören verwaltungsmäßig zum Daschli Borun Distrikt, in der Nähe der Dörfer Uchi Tappeh und Tangeli und im Osten der Straße von Aq Qala nach Incheboron. Dies gehört zum Verwaltungsbezirk Schahrestan-e Gonbad-e Qabuz im Nordosten der Provinz Golestan. Normalerweise umfassen diese Feuchtgebiete insgesamt 1400 ha, jedoch bei höchstem Wasserstand nimmt Talab-e Alagol eine Fläche von 2500 , Almagol eine Fläche von 307 und Adschigol eine Fläche von 320 ha ein. Diese Gebiete liegen 5 m über dem Meeresspiegel.
Überall auf der Welt gehen viele Bezeichnungen von Gebieten und sogar die Namen von Menschen auf die Geografie zurück. Ihnen ist sicher aufgefallen, dass am Namensende aller drei genannten Feuchtgebiete die Bezeichnung "Gol" vorkommt. „Gol“ bedeutet auf Farsi „Blume“, aber in der türkischen Sprache wird mit „Gol“ ein Ort bezeichnet, wo sich Wasser ansammelt. Die drei Namen Alagol und Almagol und Adschigol bezeichnen in der Sprache der Turkmenen sozusagen "Seen" mit salzigem und lehmigem Wasser.
Diese Feuchtgebiete werden nicht nur aus Quellen sondern vor allem auch aus dem Atrak-Fluss gespeist, wenn dieser über die Ufer tritt. Die drei genannten Gebiete zählen zu den Feuchtgebieten auf dem Festland. Sie wurden im iranischen Sonnenjahr 1354 (1976 nach Christus) alle drei zusammen in die Liste der Schutzgebiete der Ramsar-Konvention aufgenommen, denn sie speisen alle aus demselben Fluss, sind zentraler Nistplatz für Zugvögel, die am Wasser oder an Ufern leben und ihre Merkmale ähneln sich gemäß der Konvention.
Feuchtgebiete sehen dennoch unterschiedlich aus. So auch Talab-e Alagol, Almagol und Adschigol. Letzeres Feuchtgebiet ist länglich und die beiden ersten haben eine runde Form.
Das Talab-e Adschigol erreicht durchschnittlich eine Tiefe von 5,1 m. In der Mitte ist es höchstens 3 m tief. Die durchschnittliche Tiefe des Talab-e Alagol und Almagol beträgt nur 2 m. Nach Entschlammungen können sich die Werte erhöhen.
Weil schlammiges Wasser aus dem Atrak beim Übertreten seiner Ufer in die drei Feuchtgebiete gelangt, bestehen die Ablagerungen am Boden dieser Becken aus Feinmaterial. Je nach Saison schwankt der Wasserstand erheblich. Aber diese Gebiete trocknen niemals ganz aus, weil in der Gegend ein gemäßigtes Klima herrscht. Auch bildet sich keine Eisdecke im Winter und so kommt es, dass Zugvögel diese Feuchtgebiete aufsuchen. Wie aus seinem Namen hervorgeht, ist das Wasser im Feuchtgebiet Adschigol mehr oder weniger salzhaltig. Während das Wasser im Talab-e Alagol auch ein wenig salzig schmeckt, ist der Salzgehalt im Talab-e Almagol nur gering. Die unterschiedliche Wasserqualität begüngstigt die biologische Vielfalt in diesen Feuchtgebieten.
Die ökologischen Merkmale von Feuchtgebieten sind abwechslungsreich. In dem Talab-e Adschigol wachsen im Vergleich zu Alagol und Almagol bedeutend mehr Wasserpflanzen wie Rohrkolben, Schilfrohr und Binsen. Diese Vegetationsdecke bietet den Wasser- und Watvögeln unter den Zugvögeln gute Nistplätze.
Viele verschiedene Zugvögel verbringen einen Teil des Jahres in in diesen Feuchtgebieten in der nordiranischen Provinz Golestan. Darunter: Flamingos, Blässgänse, Rosa- und Krauskopfpelikane, Höcker- und Singschwäne, Weißkopfruderenten, Gänsesäger, verschiedene Arten des Lappentauchers, Zwergdommeln, verschiedene Arten des Regenpfeifers und Schwalben.
Der Leiter der Umweltschutzbehörde in Gonbad-e Qabuz sagt, dass jedes Jahr Zugvögel von Nordsibirien in diese internationalen Feuchtgebiete kommen. Man hat bislang 85 verschiedene Vogelarten in diesen Talab festgestellt, davon 19 einheimische Arten und 66 Arten von Zugvögeln. 14 Arten der Zugvögel ziehen nur vorüber, aber der Rest verbringt den Winter in dieser Gegend oder zieht hier im Sommer seine Küken groß. In den Talab-e Adschi-Gol, Alagol und Almagol gibt es auch Säugetiere wie Wildschweine, Rot- und Steppenfüchse, Wildkatzen, Wölfe, Schakale, Stachelschweine, Große Rennmäuse, die libysche Rennratte, Maulwürfe und der Eigentliche Langohrigel.
Zu den Fischen in diesen Feuchtgebieten im nordiranischen Golestan gehören unter anderem Karpfenfische, Turkestanbarben, Brachsen und Glasbarsche. Das Umweltschutzbüro von Gonbad-e Qavuz genehmigt ihren Fang für eine begrenzte Zeit im Jahr.
Da die Talab-e Alagol, Almagol und Adschigol in einem trockenen Steppengebiet liegen, können sich nur Ufer- und Wasserpflanzen halten. Wichtige Pflanzen in diesen Feuchtgebieten sind Phragmites australis – nämlich Schilfrohr, Carex sp, nämlich Stachelsegge, Juncus spp (Binsen) und Tamarix aphylla (französische Tamariske).
Weitere Pflanzenarten, die im Wasser dieser Talab gedeihen, sind eine Art Sumpf-Schafsgarbe, Laichkräuter, Vogelknöterische, Gewöhnlicher Wasserhahnfuß und Rohrkolben und an den Ufern wachsen: Salzkräuter, die Strandsode, Weißer Gänsefuß, Alhagi und Flughafer und außerdem eine Pflanze der Gattung Bassia namens (Dscharu Torkamani) die wörtlich übersetzt „Turkmenischer Besen“ heißt.
Feuchtgebiete sind nicht nur etwas für Naturfreunde und ökologisch wertvoll sondern sie bringen auch ökonomischen Nutzen. Für die Bewohner der Region sind Talab-e Alagol, Almagol und Adschigol wichtig. Es sind Weideplätze für ihr Vieh davon insbesondere für Kamele. Außerdem spielen diese Gebiete als Jagd-, Vogel-und Fischfanggebiete für den Unterhalt der Einheimischen eine Rolle.
Am Rande der Feuchtgebiete in Golestan werden Fische gezüchtet und das Wasser des Talab-e Almagol dient zu einer bestimmten Zeit im Jahr landwirtschaftlichen Zwecken. Die Einheimischen sind berechtigt eine bestimmte Menge daraus zu entnehmen. Dazu kommt, dass diese drei Talab das saisonbedingte Hochwasser des Atraks auffangen und speichern. Für den Ökotourismus sind diese drei Feuchtgebiete ebenso von großem Wert.
Natürlich erfordert der Tourismus in die Feuchtgebiete eine geeignete Planung, denn es handelt sich ja auch um wichtige Lebensräume für Tiere und Zugvögel. Daher patrouillieren Naturhüter der Umweltschutzbehörde regelmäßig in der Gegend der drei genannten Talab, zu Wasser und auf dem Festland. Außerdem gibt es eine ständige Wachstation neben diesen Feuchtgebieten. Jedes Jahr wird übrigens eine Zählung der Vögel in diesen Talab durchgeführt.
Talab-e Alagol, Almagol und Adschigol besitzen ein großes natürliches Potential. Sie liegen nicht weit von den Verbindungswegen entfernt, bieten Platz für einen Aufenthalt in der Natur und ein schönes Landschaftsbild mit große Wiesen, auf denen einheimische und Zugvögel verbringen. Damit erfüllen sie schon viele Voraussetzungen für den Reiseverkehr. Die Islamische Republik Iran setzt sich daher nicht nur für den Erhalt und Schutz dieser drei Feuchtgebiete in Golestan ein sondern auch für ihre Nutzung für Fremdenverkehrsziele.