Jan 22, 2019 07:42 CET

In der Provinz Hormozgan am Persischen Golf gibt es vier Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, die unter die Ramsar-Konvention fallen. Dies ist die größte Zahl von iranischen Feuchtgebieten in einer iranischen Provinz, die von dieser Konvention verzeichnet wurde. Eines dieser Feuchtgebiete nennt sich in der Landessprache Chur Churan (englisch: Khor Khoran. Wir besprechen es heute.

 

 

                 

Lage des Talab-e Chur Churan

 

Iran gehört zu den 5 Ländern mit dem abwechslungsreichsten Klima. Wir  begegnen in dem weiten Territorium Irans 11 der 13 Klimatypen auf der Welt. Mit Klima werden die Wetterbedingungen in einem geografischen Gebiet wie Temperaturen, Feuchtigkeit, Luftdruck, Wind, Niederschläge und weitere meteorologische Variablen  in einem relativ langen Zeitraum bezeichnet. Durch die klimatische Vielfalt sind natürliche Schätze wie Feuchtgebiete in unserem Land entstanden. Feuchtgebiete – auf Farsi Talab – sind für die Fortsetzung der biologischen Vielfalt von Gebieten, der Luftreinigung, dem Ausgleich von Klein-Klimata,  der Eindämmung von Überflutungen und der Wasser- und Nahrungsversorgung für Menschen, Pflanzen und Tiere eines Gebietes wichtig.

Der ökologische Wert der Feuchtgebiete wird zehnmal größer eingeschätzt als der von Wäldern und es heißt, dass er das 200-fache von dem ökologischen Wert landwirtschaftlicher Anbauflächen beträgt. Iran besitzt gemäß der Ramsar-Konvention zum Schutz der Feuchtgebiete über das ganze Land verstreut mehr als 1000 solcher Gebiete und einige befinden sich in der Provinz Hormozgan.

Lage der Provinz Hormozgan, Iran 

Die Provinz Hormozgan liegt im Süden Irans und im Norden der Straße von Hormus. Diese Meeresstraße gehört zu dem internationalen Seeweg zwischen dem Golf von Oman und dem Persischen Golf. Die Straße von Hormus zählt  zu den strategisch sehr wichtigen Gebieten Irans und der Welt. Die Provinz Hormozgan mit einer Fläche von über 70 Tausend Quadratkilometern hat Interessantes zu bieten, sowohl in der Natur als auch hinsichtlich historischer Bauwerke und der Folklore der Bevölkerung. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die internationalen Feuchtgebiete in dieser Provinz. Eines davon ist das Talab-e Chur Churan – ein beständiges  Meeresfeuchtgebiet mit Mangrovenwald.

Das Talab-e Chur Churan erstreckt sich mit einer Fläche von 100 Tausend Hektar an der Nordküste des Persischen Golfes, zwischen dem Hafen Bandar Chamir  und dem Hafen Bandar Laft, und zwar 60 km südwestlich der Provinzhauptstadt Bandar Abbas. Der Wasserspiegel in diesem Feuchtgebiet liegt auf gleicher Höhe wie der Meeresspiegel im Persischen Golf.  Das Talab ist das größte Feuchtgebiet der Provinz Hormozgan. In dieser Gegend herrscht tropisch bis halbtropisches Klima. Die Lufttemperaturen erreichen im Sommer 45 Grad Celcius, während die Niederschlagsmenge im Jahre durchschnittlich 100 bis 300 mm beträgt.  Das Talab-e Chur Churan ist Teil eines Chur – eines Meeresarmes – mit viele  kleinen Schlamminseln, Wäldern der Mangrovenart Avicennia Marina und schlammigem Wattenmeer, sowie kleinen Nebenrinnen mit flachem Wasser.   

                          

Blick auf das Talab-e Chur Churan, Hormozgan

Ein besonderes Merkmal in Feuchtgebieten ist ihre Vegetation. Der Mangrovenwald im Talab-e Chur Churan ist  einer der größen Irans. Es wachsen hier verschiedene Arten von Mangroven: die Avicennia Marina und Avicennia Nitida (bekannt als schwarze Mangrove) sowie Avicennia Officinalis. Die Mangrovenbäume stehen in den flachen Teilen des Feuchtgebietes neben  inselartigen Wölbungen am Eingang. Sie kommen erst bei  Ebbe und Absinken des Wasserspiegels  richtig zum Vorschein. Das Wasser erreicht in diesen Teilen nicht mehr als anderthalb Meter.  Bei Anstieg des Meeresspiegels liegt der untere Abschnitt der Mangroven unter Wasser so dass die Baumkronen auf dem Wasser zu schwimmen scheinen. Bei Ebbe hat man für 6 bis 7 Stunden einen Wald vor sich, der Wäldern auf dem Festland ähnelt.  Der Mangrovenwald im Talab-e Chur Churan ist vom Festland aus nicht zugänglich und nur über Wasser zu erreichen. Der Bootsmann muss jedoch Erfahrung besitzen und die zahlreichen schmalen Wasserwege im Mangrovenwald kennen.  Im Talab-e Chur Churan wachsen nicht nur Mangrovenbäume sondern auch 29 andere für Feuchtgebiete typische Pflanzen. Aber es gibt auch mikroskopisch kleine Rot- und Grünalgen.

Im Talab-e Chur Churan

   

1975 wurde das Talab-e Chur Churan von der Ramsar-Konvention als international wichtiges Feuchtgebiet gewählt. Ein Jahr später wurde dieses Gebiet als Biosphärenreservat anerkannt. Iran besitzt 12 solcher Reservate.

 Ein Biosphärenreservat ist ein internationales Naturschutzgebiet, welches den Wissenschaftlern als Modellregion dient und in dem  exemplarisch eine nachhaltige Entwicklung in  ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht verwirklicht werden soll.  Die Einteilung in Biosphärenreservate ist eine der wichtigen Maßnahmen, die zum Schutz der Erde und zur Verhütung  von nicht umkehrbaren Veränderungen  und zur angemessenen Nutzung der Naturressourcen vorgenommen wurde. Bei der Verwaltung und dem Schutz dieser Gebiete wird auf die Nutzung der Natur  entsprechend dem zunehmenden Bevölkerungswachstum geachtet. Es sind bereits die verschiedensten Gebiete auf der Welt als Biosphärenreservat registriert worden.  Das UNESCO-Programm „Mensch und Biosphäre“ -  MAB - wird von einem internationalen Koordinations-Rat (MAB-ICC - International Coordinating Council of the Man and the Biosphere) geleitet.                 

 Vegetation im Talab-e Chur Churan

   

 

In den  unter Naturschutz stehenden Mangrovengebieten an den Südküsten Irans kommt die nächste Generation von  vielen verschiedenen Wassertieren, Vögeln und Amphibien zur Welt. Auch das Chur Churan ist für viele  Lebewesen im Persischen Golf der Ort, wo sie laichen oder Eier ablegen. Das internationale Talab-e Chur Churan ist eines der einmaligen Küsten-Meeres-Ökosysteme für Knochen- und Knorpelfische, Krebs-, Weich- und Hohltiere.  Zu den Fischen in diesem  Feuchtgebiet gehören:  Pampus tuber – eine Butterfischart, Umberfische der Art Otolithes argenteus,  die Grunzerart Pomadays argenteus, der Schlammspringer Periophtholmus , der Fadenflosser Eleutheronema tetradactylum, die weiße Sardinella (Sardinella albella) und der weißgefleckte Sharpnose-Stachelrochen  (Himantura gerrardi) . In diesem Mangrovenwald leben auch einige Arten von Seeschlangen und zwei Arten der Grünen Meereschildkröte ( Cheloniamydas ) sowie die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricate )- Die ausgewachsene grüne Meeresschildkröte ernährt sich von Meerespflanzen und Algen und Blättern der Mangrove.   Die Jungtiere sind jedoch ausgesprochene Fleichfresser und ernähren sich hauptsächlich von Krebstieren und Schwämmen.  Die  Nahrung der  Echten Karettschildkröte sind Krebstiere,  Korallen, Seeigel und Fische. Die Echte Karettschildkröte  hält sich an den Korallenriffen in der Nähe der Küste in Mangrovenwäldern und in Meeresarmen und Küsten-Feuchtgebieten auf.

 

Wasserarm im Talab-e Chur Churan

   

Das Talab-e Chur Churan ist ein wichtiger regionaler  Lebensraum für einheimische Vögel und Zugvögel. Die Mangrovenwälder sind vor allen Dingen Anziehungspunkt für Reiher, aber auch Pelikane, Enten und  Möwen. Bislang hat man in diesem Feuchtgebiet 93 verschiedene Vogelarten festgestellt. Die Zugvögel unter ihnen suchen im Mangrovenwald nach Insekten oder kleinen Wassertieren wie Krebsen und Garnelen. Die Vögel, die Fische fressen, bauen normalerweise auf den Bäumen ihr Nest und gehen von dortaus auf die Fischjagd im Wasser.  Insekten und Spinnen gibt es in großen Mengen in den Mangrovenwäldern. Hier tummeln sich Moskitos und Sandmücken, die Mangroven-Raupe und Mangroven-Fruchtfliegen.

Das Talab-e Chur Churan ist wegen dem Erhalt von  genetischen Ressourcen der Fauna und Flora sehr wertvoll. Dieses Talab verhindert zudem die Zerstörung der Küste bei Sturmflut.  Der Fischfang ist eine Einkommensquelle für die Einheimischen. Zu den touristischen  Attraktionen gehört die Beobachtung von Zugvögeln und  die Bootsfahrten durch den Mangrovenwald.