Feb 19, 2019 05:05 CET

In diesem Teil unserer Sendereihe machen wir Sie erneut mit einem Feuchtgebiet im Süden des Landes vertraut. Es liegt im Naturschutzgebiet Arjan wa Parischan.

 

         

Lage des Feuchtgebietes Parischan-See und Dascht-e Arjan

 

Die Feuchtgebiete im Iran gehören zu den interessanten Sehenswürdigkeiten für jeden Naturfreund.  Im Iran gibt es insgesamt 2800 Feuchtgebiete und zu dem Zeitpunkt, wo diese Sendung von unserer Kollegin in der Farsi-Abteilung zu Ende geschrieben wurde, waren 24 davon als Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung in die Ramsar Konvention aufgenommen. Erst  kürzlich (im Februar 2019) wurde das 25. Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung im Iran der Liste der Ramsar Konvention hinzugefügt und zwar der Zarivar-See in Kurdistan. 

Einige der Gebiete, die als ein Feuchtgebiet (Talab) von der Konvention registriert wurden, sind in Wirklichkeit die Summe von zwei oder mehreren kleineren Talab.   Ein Beispiel liefert das Naturschutzgebiet Talab-e Arjan wa Parischan. Dieses Talab besteht eigentlich aus zwei Feuchtgebieten  von internationaler Bedeutung. Kommen Sie mit uns in den Süden Irans, in die Provinz Fars, um mehr über dieses Gebiet zu erfahren.

     

Das Naturschutzgebiet Arjan und Parischan umfasst eine Fläche von mehr als 50 Tausend Hektar und besteht aus der großen Tal-Ebene Dascht-e Arjan, dem Arjan-See und dem internationalen Feuchtgebiet – Talab-e Parischan.  Der Arjan-See liegt in einer Entfernung von 60 km zu dem Verwaltungszentrum der Provinz Fars, der Stadt Schiras also, und zwar in der Nähe der Hauptverbindungsstraße zwischen Schiras und Kaserun.  Die Fläche des Arjan-Sees beträgt circa 2 tausend Hektar. Es ist ein Süßwasser-See. Zu diesem See gehört auch das Talab-e Arjan. Das Talab-e Parischan liegt weiter südlich.   

Das Naturschutzgebiet Arjan und Parischan liegt im südlichen Teil der Zagros-Gebirgskette. Der höchste Berg dieser Region ist  Kuh-e-tschah-e barf. Sein Gipfel erreicht eine Höhe von 2900 m über dem Meeresspiegel. Die Vegetationsdecke in diesem Gebiet besteht zum großen Teil aus Eichenwäldern. In diesem Feuchtgebiet wachsen neben Eichen vornehmlich auch  Mandelbäume, Seggen und Schilfrohr. Die  Talebenen in der Umgebung des Talab-e Parischan liegen immer noch mindestens 800 m über dem Meeresspiegel. Das Gebiet zwischen dem nördlichen  Talab-e Arjan und dem südlichen Talab-e Parischan wurde mit einer Fläche von circa 6 Tausend Hektar zum Naturschutzgebiet erklärt und hier sind landwirtschaftliche Aktivitäten und Viehhaltung strikt verboten.  1993 wurden  circa 100 Hektar dieses Schutzgebietes für die Haltung von 20 Exemplaren des vom Aussterben bedrohten „Iranischen Gelben Hirschen“ eingezäunt.   

              

Der Iranische Gelbhirsch im Naturschutzgebiet Arjan wa Parischan 

 

Der Arjan-See ist ein wichtiges Habitat für einheimische Vögel und für Zugvögel. Es handelt sich dabei um Wasser- und Watvögel, z.B. verschiedene Entenarten wie Krick- und Löffelenten, Rostgänse, Krauskopfpelikane,  Östlicher Kaiseradler, Flamingos und Kraniche. Früher soll es in diesem Gebiet auch den Persischen Löwen gegeben haben. Zu den Säugetieren im Naturschutzgebiet Arjan und Parischan gehören heute Wildkatzen, Wölfe, Rotfüchse, Schakale und Wildschweine.

Das Talab-e Parischan bildet einen weiteren Teil des Naturschutzgebietes Arjan wa Parischan. Es ist von internationaler Bedeutung. Dieses ständige Süßwasser-Feuchtgebiet liegt in einer Entfernung von 12 km südöstlich  der Stadt Kaserun, am Rande des Zagrosgebirges.  Im Durchschnitt ist dieses Feuchtgebiet anderthalb Meter tief. An den tiefsten Stellen sind es fünf m.

Das Talab-e Parischan weist eine hohe biologische Vielfalt auf. Neben den einheimischen Vögeln wählen viele Zugvögel dieses Feuchtgebiet als Winterquartier und als Nistplatz.  Wenn die Temperaturen sinken, machen sich die Vögel aus Sibirien und vom Kaukasus  und der Republik Aserbaidschan aus auf den Weg zum Parischan-See und bleiben circa vier Monate an diesem See.  Es leben mehr als 200 verschiedene Arten von einheimischen Vögeln  und Zugvögeln am Parischan-See.  Die seltensten Arten sind die Marmelenten, Purpurreiher, Lappentaucher,  Schwarzhalstaucher, Haubentaucher  und Zwergdommeln.

                  

 

Parischan ist eine der geografischen Mulden, in die Wasser aus den umliegenden Bergen fließt. Das Wasser des Talab-e Parischan stammt aus dem Flutwasser im Frühling und Winter sowie den Quellen in der Umgebung.  Hier die Namen einiger dieser Quellen: Pol-e Abgineh, Qol`eh Narendschi, Dschamschidi , Chwadschu, Ab-e Murdak und Ab-e Siru.  Die ökologische Bedeutung des Talab-e Parischan lässt sich zum Beispiel an seiner Wirkung auf den Grundwasserspeicher der Region ablesen. Das Absinken bzw. der Anstieg des Wasserspiegels in diesem Feuchtgebiet  wirken sich auf Quantität und  Qualität des Grundwassers aus. Ebenso wird dadurch auch der Salzgehalt in den künstlich angelegten Brunnen in der Umgebung beeinflusst.

Das Naturschutzgebiet Arjan wa Parischan gilt auch als touristischer Anziehungspunkt. Ein Teil dieses Gebietes ist die Dascht-e Barm - auch Meyan-Kotal genannt. Diese Gegend hat entscheidenden Einfluss auf die Situation der beiden Feuchtgebiete Talab-e Parischan und Talab-e Arjan. Es ist das größte Eichenwaldtal im Iran und bietet im Frühling einen wunderschönen Anblick. Im Südosten des Talab-e Parischan liegt ein Gebiet namens Nargeszar-e Famur. Im Winter blühen hier in großen Mengen Narzissen (Narges). Im Osten des Gebietes gibt es in  der Dascht-e Arjan Wasserfälle, die sich aus einer Höhe von 50 m vom Kuh Bil ergießen. Schon aus großer Entfernung sind sie  zu sehen. Diese Gegend ist im Sommer kühl und im Winter kalt und es schneit dort sogar. 

           

Im Winter schmücken Narzissen die Gegend und im Sommer sind es die Mohnblumen. Neben den schönen Wasserfällen sind natürlich auch nicht die großen Scharen von Zugvögeln am und über den  Feuchtgebieten  und den Tälern zu übersehen. Das  Naturschutzgebiet Arjen und Parischan ist einfach ein reizvolles Ausflugsziel. Diese Gegend in der Provinz Fars weist aber auch historische Spuren auf.  Zum Beispiel die Statue von Schapur, einem König der Sassanidendynastie, die von 224 bis 651 im Iran herrschte. Die Schapur-Statue ist 7 m hoch und steht vor dem Eingang zu der gleichnamigen Höhle. Dies ist die einzige steinerne Statue, die noch aus dem antiken Persien  erhalten geblieben ist.  Ein weiteres historisches Denkmal ist die einzige aus Steinen erbaute Karawanserei Irans, nämlich „Karawansara Miyan Kotal“. Sie stammt aus der Zeit, als die Saffawiden das Sagen hatten. Das war 1135 bis 1722 nach Christus.  Die Miyan Kotal Karawanserei  wurde auf einem Hügel nahe der Dascht-e Barm erbaut. Abenteurer unter den Touristen wagen sich gerne auf die  schmalen historischen Wandelwege, die um sie herum - teilweise neben steileren Abhängen -  angelegt wurden.