Internationales Feuchtgebiet (22- Talab-e Kani Barazan)
Das Kani-Barazan wurde als 24. Feuchtgebiet in die Liste der Ramsar-Konvention aufgenommen. Es ist das zweite internationale Feuchtgebiet von Mahabad im Nordwesten Irans.
Die Provinz West-Aserbaidschan liegt im Westen unseres Landes. Sie kann touristisch viel bieten – von der schönen Natur bis zu den historischen Bauwerken und Spuren der Geschichte. Diese Provinz zählt zu den sehenswürdigsten des Landes. Um eine ihrer Natursehenswürdigkeiten zu besichtigen, fährt man von der Provinzzentrale Urmia aus in Richtung Miandoab. Die Darrelak-Umgehungssstraße führt zu der Darrelak –Brücke, die über dem Fluss Mahabad im Süden der Provinz angelegt wurde. Nach Überqueren dieser Brücke gelangt man, parallel zum Ufer des Flusses fahrend, nach circa 9 km an eine Landstraße. Fährt man 10 km diese Landstraße entlang, erreicht man nach dem Dorf Qaradagh und den umliegenden Hügeln eines der internationalen Feuchtgebiete des Verwaltungsbezirkes Schahrestan –e Mahabad. Die Einheimischen nennen dieses Gebiet Talab-e Kani- Barazan.
Das Talab-e Kani Barazan wurde als 24. Internationales Feuchtgebiet in die Ramsar-Konvention aufgenommen. Dieses Feuchtgebiet ist gemäß der Umweltbehörde von Mahabad über ein Jahrhundert alt. Die Einheimischen, insbesondere die betagten Dorfbewohner von Gharadagh, welches in der Nähe des Talabs liegt, sagen, dass dieses Feuchtgebiet früher einmal voller Schilfrohr war und lauter Wildschweine darin lebten, während es dort überhaupt keine Vögel gab. Aber heute - 100 Jahre später -ist von den Wildschweinen nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil dazu sieht man jedoch scharenweise Vögel über dem Talab-e Kani Barazan. Nur noch der Name Kani Barazan erinnert daran, dass hier einmal viele Wildschweine gelebt haben, denn dieses Wort bedeutet auf Kurdisch: Revier der Wildschweine.
Der Fluss Mahabad speist, von einem Staudamm gleichen Namens aus kommend, das Talab-e Kani Barazan und mündet danach in den Urmia-See. Doch das Feuchtgebiet erhält auch Wasser aus einem Kanal namens Bafravan. Wenn in der niederschlagsreichen Zeit der Wasserspiegel des Urmia-Sees ansteigt, gelangt auch über den Bafravan-Kanal Wasser in das Feuchtgebiet. Die Wasserqualität, Ausdehnung und Tiefe des Talab-e Kani Barazan hängt daher weitgehend von den Schwankungen der Wassermenge im Urmia-See ab. Das Eindringen des salzhaltigen Wassers aus dem Urmia-See gefährdet manchmal die Lebewesen im Talab-e Kani Barazan. Besonders in den letzten Jahren kam es zu einer Vermischung des Süßwassers im Talab mit dem salzigen Wasser aus dem See. Das Süßwasser des Feuchtgebietes, welches leichter ist, fließt dabei an der Oberfläche zum See ab während das Salzwasser, sich im unteren Bereich wegen seiner größeren Schwere in Richtung des Talab-e Kani Barazan bewegt. Dies wirkt sich auf das gesamte System dieses Talabs aus und verändert sowohl die Ablagerungen als dass es auch Folgen für die Vegetation im Feuchtgebiet mit sich bringt.
Das ganze Jahr über können im Talab-e Kani Barazan seltene Vögel beobachtet werden. Deshalb nimmt dieser Wasserlebensraum mit einer Fläche von über 90 Hektar unter allen Feuchtgebieten Irans einen besonderen Platz ein. In diesem Gebiet wurde die erste Vogelbeobachtungswarte des Landes errichtet und Besucher können von dort aus den Vögeln im Talab zuschauen. Zu den wichtigsten Vögeln in diesem Gebiet gehören Kraniche, das gewöhnliche Blässhuhn, Moorenten, Weißkopfruderenten, Graureiher, Seeschwalben, Marmelenten, die Mohrenscharbe aus der Familie der Kormorane und weitere.
Im letzten Wintermonat treffen die verschiedensten Arten von Zugvögeln im Talab-e Kani Barazan ein. Sie bauen dort ihr Nest und ziehen ihre Küken groß. Zu den Zugvögeln gehören die Flamingos. Wegen der Sicherheit, Nahrung und geeigneten Wassertiefe ist die Zahl der Flamingos, die in die Feuchtgebiete von West-Aserbaidschan, darunter das Talab-e Kani-Barazan kommen, groß.
Viele Flamingos sind zu sehen, wie sie mit ihrem länglichen weiß und rosa gefiedertem Körper auf ihren langen zierlichen Beinen durch das flache Wasser stelzen und den langen Hals herabbeugen, um mit dem gebogenen Schnabel in der Untiefe nach Schnecken und Wasserpflanzen zu suchen.

Auch Graugänse sind unter den Gästen im Talab-e Kani Barazan. In Scharen ziehen sie aus dem eisigen Sibirien und vom kalten Kaukasus her in Richtung der wärmeren Breiten. Sie legen unterwegs im Talab-e Kani Barazan in unserer Provinz West-Aserbaidschan eine Pause ein. Sollte es ihnen dort zu kalt sein, ziehen sie nach dieser Rast weiter in Richtung der Feuchtgebiete im Süden Irans. Anderenfalls bleiben sie in der Gegend von Mahabad an dem einladenden Talab-e Kani Barazan mit seinem gemäßigten Gebirgsklima. Die Graugänse versammeln sich am Nordrand des Feuchtgebietes, wo das Wasser flacher ist. Am Tag fliegen sie übers Tal und bei Sonnenuntergang kehren sie scharenweise wieder zurück ins Feuchtgebiet, um dort die Nacht zu verbringen. Mit einem gehörigen Lärm zerbrechen sie die nächtliche Stille des Talabs.
Das internationale Feuchtgebiet Kani Barazan von Mohabad ist ein wichtiger Ort für den Ökotourismus . Jedes Jahr zieht dieses Talab zu verschiedenen Jahreszeiten viele Freunde der Natur an, natürlich besonders Vogelfreunde.